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Der Israelit · 1898-12-29 · Heft 102-103 (29.12.1898) · page 35

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 102-103 (29.12.1898)
Date
1898-12-29
Page
– (sequence 35)
Language
German
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1947 Die einzelnen Mitglieder des Hauses hatten ihren Ansichten Ausdruck gegeben; es war noch übrig, daß die Majorität sprach und feststellte, was die Nationalversammlung als Rechte des Menschen und Bürgers anerkannte. Es wurde dabei das Verfahren beobachtet, daß man einen der eingereichten Entwürfe als Grundlage nahm für die Form der Akte, indem Aenderungen nach den Ansichten des Hauses in den einzelnen Punkten Vorbehalten waren, und zwar wählte man denjenigen, den das sechste der Bureaur, in die sich das Haus getheilt hatte, vorschlug. Als sein Verfasser galt der Bischof Delafare von Nancy, und wenn wir die Sätze ins Auge fassen, die von der Religion und ihrem Verhältniß zum Staate handeln, so fällt es in der That nicht schwer zu glauben, daß sie aus der Feder eines Geistlichen geflossen seien?) Es ist in ihnen die Anerkennung eines vom Staate geschützten Glaubens und Cultus ausgesprochen, während auf der anderen Seite die Gewisiensfreiheit nicht ausdrücklich und nur mit unbestimmten Worten Gewährleistung findet. Die Versammlung kam zur Berathung dieser Artikel des ihr.en Diskussionen zu Grunde liegenden Entwurfs am 22. August. In der Natur der Frage war es begründet, sich daß bei der Debatte die entgegenstehen den Meinungen nach zwei Extremen zuspitzten. Betonten die Einen die Staatsreligion, der das sechste Bureau zwei Sätze seiner Erklärung der Menschenrechte gewidmet hatte, so waren andere Abgeordnete bemüht, die Gewissensfreiheit, die der Entwurf nur leise berührte, in umfassender Weise vom Hause proklamiren zu lassen. So fetzte Mirabeau alsbald seine auch bloß die Stelle zu ziehen: Libre dans ses pensees et meme 6aus leur maniiestation, le citoyen a le droit de les repandre par la parole, par lYcriture, par l’impression, sons ia reserve expresse de ue pas donner atteinte aux droits d’autrui. Diese Männer lassen hinter ihren Worten -ine Ansicht über die Trennung von Staat und Äirche vermuthen, wie sie der große Condorcet offen ausgesprochen hatte in seiner Schrift Declaration des droits, wo es heißt: h>ue chacun puisse suivre tel culte qu’il jugera ä propos sans devoir etre pour ses actes extdrieurs de religion souinis ä d’autres reglements de police <jue ceux etablis pour les actions etrangeres ä la religion dana le seul but deinpecher chacun de gener la liberte et le repos d’autrui. Und nod) mehr: Le corps legislatit ne pourra, sous aucuu pretexte, ni etablir aucune taxe pour payer les frais d’aucun culte, ni affecter k cet usage aucune propriete appartenant a la nation, ni souffrir qu’aucune propriete y soit ou y reste affectee. Mais le cnlte sera paye par les contributions volontaires ou d’apres des conventions forntees librement. 4) Projet du sixieme bureau: 16. La loi ne pouvant atteindre les delits secrets c’est ä la religion et ä la morale ä la suppleer. II est donc essentiel pour le bon ordre meme de la societe que l’une et l’autre soient respectees. 17. Le maintien de la religion exige un culte public. Le respect pour le culte public est donc indispensable. 18. Tout citoyen qui ne trouble point le culte etabli ne doit point etre inquiete. ganze Beredsamkeit daran, die Streichung der Artikel sechzehn und siebzehn des Entwurfs, die eben die Nothwendigkeit von Religion und Cultus aussprachen, von der Versammlung zu erreichen; er will statt jener Principien, denen er den Platz in der Erklärung der Menschenrechte bestreitet, das Recht der Gewissensfreiheit als ein von den französischen Gesetzgebern anerkanntes ausgenommen sehen. Es ist mehr als Duldung, was er verlangt; er will die unbeschränkteste religiöse Freiheit und als ihr Zeichen ungehinderte Religionsübung für Jedermann?) Seiner Ansicht, die noch einen warmen Fürsprecher in Delaborde, dem Abgeordneten von Etampes, gefunden Haltes) verleiht der Graf Castellane förmlichen Ausdruck durch den Antrag, den er stellt, unter Verwerfung des bekämpften sechszehnten und siebzehnten Artikels einen von ihm vorgeschlagenen Satz der Erklärung einzufügen, der die Freiheit der religiösen Meinungen und Handlungen ohne Unterschied gewährleistet?) Damit war der Boden geschaffen, auf dem die Partei der Liberalen und Freidenkenden sich sammeln konnte. Ihnen gegenüber suchen die Wortführer der Intoleranz die mehr oder weniger unverblümte Anerkennung eines bevorrechteten Glaubens von der Versammlung zu erreichen, und der Geistliche d'Evmar beantragt, ohne jegliche Garantie der Anspruchs auf Gewissensfreiheit in der Erklärung der Menschenrechte nur „der Religion Anerkennung, Stütze und Schutz" zuzusichern?) 5) Vergl. bei Buchez et Roux. Histoire parlementaire de la revolution II. 324 f. M's. Rede worin es U.A. heißt: La liberte la plus illimitee de religion est ä nies yeux un droit si saore que le mot tolerance quiessaie de l'exprimer me parait eu quelque Sorte tvrannique lui-meme. puisque l’existence de l’autorite qui a le pouvoir de toterer attente ö. la liberte de penser par cela neune qu’elle tolere et qu’ainsi eile ponrrait ne pas toterer ... Le libre exerciee d’nn culte quelconque est un droit de chacun. 6) La liberte de la religion. sagt er, est, un bien sacre qui appartient k tout citoyen. Respectons les cultes etrangers, pour>,uc Ionrespecte le nötre . . . Xotre culte ne doit porter aueun empechement 4 l'exercice des religions. 7) Der Artlkel, den Castellane vorfchlägt, lautet. Xiil homme ne peut etre inquiete pour ses opinions religieuses ni trouble dans Texercice de sa religion : dazu das Amendement de la Borde: pourvu qu'il ne porte point obstacle au culte des autres. 8) Er will erklärt wissen: La l<>i ne pouvant atteindre les delits secrets ni en iufliger la punition, c’est ä la religion senle ä la suppteer; il est donc essentiel et indispensable pour le bon ordre meme de la soctete que la religion soit appvouvee, ntaintenue et respectee, also im Wesentlichen, was das sechste Bureau im Artikel 16 sagt, nur noch entschiedener. (Fortsetzung folgt.)

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