Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 102-103 (29.12.1898)
- Date
- 1898-12-29
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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ihres regelmäßigen Pensums lag, so nahm Niemand an diesem Umstand besonderen Anstoß. Kurz vor der sechsten Morgenstunde schlossen Meister und Jünger ihre Folianten, um sich zum Morgengebet zu begeben. Als die Schüler das Zimmer verlassen hatten, öffnete Rabbi Jesaja den Wandschrank, legte das herausgenommene Brett behutsam mit den Abdrücken der Hände an seine Stelle, verschloß den Schrank und steckte seufzend den Schlüssel in die Tasche. „Hätte ich diese Vorsicht immer gebraucht," sagte er leise vor sich hin, „so wäre der Diebstahl nicht vorgekommen. Wenn der Dieb im Hause sein sollte, so war die tägliche Versuchung zu groß, um ihr auf die Dauer zu widerstehen." Rabbi Jesaja legte Tallis und Tefillin an und begab sich eilenden Schrittes in die Synagoge, wo man mit dem Beginn des Morgengebets schon ungeduldig auf ihn wartete. Nach beendigtem Morgengebet begab sich Rabbi Jesaja sogleich wieder in sein Zimmer, verblieb daselbst noch einige Zeit in das Studium der Mischnah sich vertiefend, um dann gemeinsam mit seiner Familie das Frühstück zu nehmen. Eine Zeit lang schwankte Rabbi Jesaja, ob er der Rabbinerin von dem peinlichen Vorfall Mittheilung machen, oder ob er ihr die Aufregung so lange als möglich ersparen solle. Er entschied sich für das erste. Der Verlust betrug mehrere tausend Gulden; die entwendeten goldenen und silbernen Gefäße waren zum großen Theile Familienstücke seiner Frau, er durfte dieselbe daher nicht über das Geschehene in Unwissenheit taffen. Nach dem Frühstück bat Rabbi Jesaja seine Frau, zu ihm ins Zimmer zu kommen und dort erzählte er ihr den Vorfall, öffnete den Schrank und zeigte die leeren Bretter. Die Nabbinerin starrte sprachlos vor sich hin und unwillkürlich traten ihr die Thränen in die Augen. Es waren „theure" Andenken, in des Wortes doppelter Bedeutung, welche aus dem Zimmer des Rabbiners in so frecher Weise entwendet worden waren. „Diesmal darf ich doch wohl sagen, daß unsere Werthgegenstände gestohlen sind; oder weißt Du eine andere Erklärung für die öde Leere unseres Pretiosenschrankes?" fragte die Rabbinerin beklommen. „Ich weiß keine uitb das ist's, was mich fast soviel drückt, als der Verlust dieser theueren Werthsachen. Es fehlt mir jede Ahnung, fast jede Spur des Thäters. Es fehlt mir aber vor allem die Möglichkeit, der dunklen That eine andere Lichtseite abzugewinnen, als höchstens die, daß der Thäter meine werthvollen Handschriften unberührt gelassen hat, die sich in der Seitenwand des Schrankes befinden." „Du sprichst von einem Thäter," bemerkte nach einer Pause die Nabbinerin. „Vielleicht war es eine Thäterin, ich kann auch jetzt den Gedanken an das Mädchen nicht los werden, das uns am Sabbat die Oefen besorgt, und dem ich schon lange nicht traue." „Es ist Unrecht, auf eine bloße Vermuthung hin gegen irgend einen Fremden einen solchen schwarzen Verdacht aufkommen zu lassen," entgegnete Rabbi Jesaja. „Hat aber Jemand aus denl Hause sich an unserem Eigenthum vergriffen, so ist es jedenfalls gut, wenn wir unsere ganze Umgebung genau beobachten. Dazu ist es aber rathsam, daß wir zunächst Niemanden ins Vertrauen ziehen. Sollten unsere Bemühungen erfolglos sein, so bin ich sogar bereit, der Polizei von dem Vorfall Anzeige zu erstatten." „Das willst Du?" fragte freudestrahlend die Nabbinerin. „Das war mein erster Gedanke, aber ich hatte nicht den Muth, ihn Dir auszusprechen, weil ich Deine Abneigung gegen jeden derartigen Schritt kenne. Aber wenn Du dazu bereit bist, dann zweifle ich nicht, daß wir unsere Sachen wiederbekommen." „Ich gestehe," bemerkte Rabbi Jesaja, „daß ich mich nur schwer und ungern zu diesem Schritt entschließe, selbst wenn ich Deine gute Meinung vor der Allwissenheit und Allmacht der Polizei theilte. Der Polizei genügt die vageste Vermuthung, um Personen festzunehmen und zu bestrafen; dazu möchte ich nur ungern die Hand bieten. Aber falls unsere Beobachtungen kein greifbares Resultat bringen sollten, so wird uns nichts anderes übrig bleiben. — Jedenfalls wollen wir unsere ganze Umgebung scharf im Auge behalten und uns gegenseitig verständigen, sobald der eine oder andere eine Spur findet, die geeignet ist, Licht in dieses geheimnißvolle Räthsel zu bringen." (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Für den folgeudm Theil ist die Redactiou nicht verantwortlich. crür mein Stabeilen-, Eisenil kurzu> landw. Maschinengeschäft suche per sofort ein. Lehrling, mit guter Schulbildung. [736V Julius Gasseuheimer, Themar i. Thüring. Buchhalter gegen hohen Salair in einer kleinen Stadt sofort gesucht, geschloss. Offert, unt. T. 1349 postl Mannheim 17378] Lehrling. mit guten Schultenntnisseu suchen [7381 Gebrüder «ahn, Mnuufact. u. Trieot. EngroS, Mannheim. dsntikes silbernes EHp 'bv >4 bestehend aus rwri VV irai mj?p Gewicht 3 */8 Kilo, preiswürdig zu verkaufen. Photographie zu Diensten. Offerten an C. Beruheim, Regensbnrg erbeten. [7373