Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 102-103 (29.12.1898)
- Date
- 1898-12-29
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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fü rb a 0 Brthodoxe <MuderrthumÄ j-C^M OS E Sv“1 29. Dez. 1898.] Mr. 13. msm mm Fmmm WmkM W mA AVSMEM Von Novert HLinlein. päle Wüßne (Fortsetzung.) W. Rabbi Jesaja, seine Frau und sein Haurbochur fanden in dieser Nacht alle drei keinen Schlaf. Von Rabbi Jesaja war dies selbstverständlich, er war der einzige, der ihn nicht aesucht hatte. Rabbi Jesaja ging außer Freitag Nacht niemals zu Bett. Er lernte, lehrte, schrieb uno arbeitete von früh bis spät, so lange, als ihn der Schlaf nicht übermannte. Machte die Natur gebieterisch endlich ihr Recht geltend, so schlief er da, wo er gerade stand oder saß, in den Kleidern einige wenige Stunden und war dann so frisch und neu gestärkt, wie andere, die auf den feinsten Daunen und Flaumfedern der Ruhe pflegen. Als er in jener Nacht wieder allein war, ging er zum zweiten male über denselben Schrank, öffnete eine geheime Seitenthüre derselben und nahm ein großes geschriebenes Werk heraus, in besten Studium er sich vertiefte und worüber er alles andere vergaß. Es war ein großes kabbalistisches Compendium, nach den Figuren zu schließen, die auf jeder Seite in den Text eingeftreut waren. Die Rabbinerin, die zum ersten male den untrüglichen Beweis der kabbalistischen Wunderkrast ihres Gatten in dem ihr so theueren Familienerbstück in Händen zu haben glaubte, musterte in ihrem Schlafzimmer noch einmal die Knöpfe. Ihre Echtheit war zweifellos. Und ihr Mann hatte das -Wunder so schlicht und planlos vollbracht, wie Jemand sonst zwölf Heller aus den Tisch wirft. Wie hat er es nur augesangen und wenn er so spielend über die Geister gebot, warum hatte er nicht auch den Rock und die übrigen theuren Gewänder zur Stelle geschasst '< Und sie durfte nicht fragen. Sie hätte die Hälfte der Knöpfe, ja sie hätte alle für die Lösung des Rälhsels hingegeben! Diese und ähnliche Gedanken wirbelten ihr durch den Kopf und ließen sie erst mit Anbruch des Tages Ruhe finden. Proßnitzer's klarer Verstand faßte die Sache nüchterner aus. Daß an der Herbeischaffung der Goldknöpfe die Wissenschaft der Kabbala keinen Am theil hatte, dar stand ihm fest, je mehr er davon überzeugt war, wie tief sein Meister in die Geheimniste der Kabbala eingedrungen war. Er sagte sich: Von Gott, dem Herrn aller Wunder, wisten wir, daß er kein Wunder umsonst thut, wie ließe sich das also von einem gottbegnadeten Menschen erwarten, wie es sein Lehrer war, der doch immerhin, wie groß auch seine Wundermacht sein möge, sie doch nicht in den Dienst irdischer, vergänglicher Dinge stellen würde. Um so rätselhafter war aber gerade ihm der ganze Vorgang, da er heute Abend noch die glänzenden Knöpfe an dem blauen Rock vor dem Wirthshause gesehen hatte. Umsonst zermarterte er sein Gehirn; eine Erklärung vermochte er nicht zu finden. Lange trug er sich mit dem Gedanken, vor seinen Meister