Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 102-103 (29.12.1898)
- Date
- 1898-12-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXLX. JahrgMg. IweiteKeil. M M102 & 103 -es „Israelit". Leitender Artikel« Die »U des gesunden ntränten Magens- Zur Verhütung und Linderung von Magenkrankheiten. Mit besonderer Berücksichtigung der jiid. Speisegesetze. Von I)r. P. Münz, pract. Arzt, Nürnberg. (Fortsetzung, *) Der abgerahmten Dickmilch steht an Werth am nächsten clie bei der Butterbereitung zurückbleibende Milch, welche als Buttermilch oder, weil sie ihren Fettgehalt fast vollständig verloren hat, als Magermilch bezeichnet wird. Dem längere Zeit hindurch fortgesetzten Genüsse der Buttermilch werden in vielen Fällen von chronischen Magenerkrankungen, dem chronischen Magengeschwür und den Magencatarrhen, zumal in denjenigen Formen, die mit anhaltender Verstopfung einhergehen, sehr günstige Resultate nachgerühmt. Wenn der Milch ausser dem Fettgehalte auch noch die Käsebestandtheile entzogen werden, wie es z. B. bei der Bereitung von fetten Käsesorten geschieht, so bildet der Rückstand, welcher nichts ^anderes als die wässerigen Bestandteile der Milch, sowie den Milchzucker, die mineralischen Salze und geringe lieste von zurückgebliebenem Fett enthält, das unter dem Namen die Molken!bekannte diätetische Heilmittel. Die Art der Molkengewinnung ist eine verschiedenartige, und je nach der Form derselben richtet sich der religionsgesetzliche Standpunkt. Wenn die Entfernung der festen Bestandtheile aus der Milch, des Käse- und Buttergehaltes, nicht durch Zusatz des Labmagensafts rituell unzulässiger Thiere, sondern durch die Methode der plötzlichen Erwärmung der Milch oder durch Hinzufügen von Kohlenpulver, Alaun, Tamarinden, Mehl, Zucker oder Säuren zur erwärmten Milch erreicht wird,?dann steht dem Genüsse der Molken vom religiösen Standpunkte nichts im Wege. Je nach der Zubereitung unterscheiden wir süsse oder saure Molken; beiden kommt ein gleicher Nährwerth zu. Dass dieser nicht sehr hoch sein kann, belehrt uns schon die Art ihrer Gewinnung, durch welche eben die Milch die eigent¬ *) Vergl. Nr. 92 des „Israelit“. liehen Nährstoffe, Fett und Käse, eingebüsst hat. Dafür zeichnen sich die Molken durch eine andere Eigenschaft aus, welche ihnen in der Krankendiät eine vorzügliche Rolle einräumt. Die Molken bilden nämlich ein kräftiges Mittel zur Anregung des Stoffwechsels und sind infolge dessen im Stande, auch auf die darniederliegende Funktion der Verdauungsorgane, zumal des Darmes einen wohlthätigen Einfluss auszuüben. Abgesehen von ihrer günstigen Wirksamkeit bei einer Reihe von chronischen Erkrankungen der Lunge und der Leber ist ihre Anwendung bei jenen Verdauungsstörungen angezeigt, bei denen vor Allem die Thätigkeit des Darmes gestört ist. Zu vermeiden ist der Gebrauch von Molkencuren bei jenen chronischen Magenerkrankungen, bei denen eine Neigung zur Bildung von Magensäure besteht, Den Molken, zumal den sauren Tamarindenmolken, kommt eine abführende Wirkung zu, während im Gegentkeil die Alaunmolken den Stuhl verhalten. Da der Genuss der Molken leicht Widerwillen erregt und den Appetit vermindert, so ist in allen Fällen die Tagesgabe einzuschränken und darf nicht 750 Gramm überschreiten. Den Molken in ihrer Wirkung sehr nahe stehen zwei andere Milchpräparate, Kumys und Kefir. Der echte Kumys, auch Weinmilch genannt, stellt ein aus der Milch der kaukasischen Steppenstuten bereitetes und in alkoholische Gährung übergegangenes Getränk dar, welches, weil aus Stutenmilch gewonnen, religionsgesetzlich dem Genüsse entzogen ist. Es lässt sich aber Kumys für den rituellen Genuss auch aus Kuhmilch herstellen, ein Präparat, das den echten an Wirksamkeit nicht nachstelit, ihn sogar an Nährwerth übertrifft. Der Kumys schmeckt angenehm säuerlich wie Buttermilch, moussirt sehr stark und wirkt, in grösseren Mengen genossen, durch seinen Alkoholgehalt berauschend. Da viele Magenkranke gegen den Genuss dieses Getränkes recht empfindlich sind, so ist in dieser Beziehung Vorsicht geboten. Je nach dem Alter des Kumys ist auch seine Wirksamkeit verschieden. Ganz junger Kumys besitzt appetiterregende und stuhlfördernde Eigenschaften und findet darum Anwendung bei mangelhaftem Appetit, einhergehend mit Stuhlträgheit. Aelterer Kumys ruft in einer Beziehung die gege.itheilige Wirkung hervor, indem er leicht Verstopfungen verursacht; seine Verwendung ist darum bei Erkrankungen, die mit Diarrhöen einhergehen,