Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 101 (22.12.1898)
- Date
- 1898-12-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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für düsAv- JVr Wrthodoxe -MuderrthumÄ O S £ S vOlNr. 12. 22. Dez. 1898.] mSM \mmm '■J-yry •T-MfLC iTtä^swjr*- m I, Von Robert Hanlein. päte Wuhne i. Vor genau dreihundert Jahren lebte in Frankfurt a. M. Rabbiner Jefaja Hurwitz. Er war einer der bedeutendsten Männer seiner Zeit und da« wollte damals viel sagen, wo Kenntniß der Thora und gewissenhafte Erfüllung ihrer Gebote Gemeingut der jüdischen Zerstreuten in allen Ländern ihrer Zerstreuung war. Rabbi Jesaja überragte seine Zeitgenossen durch seinen tiefen, hellen Geist, der alle Gebiete der Thora mit wunderbarer Vertrautheit beherrschte. Auch in die Wissenschaft der Kabbala war rr tief eingedrungen. Mit seinem durchdringenden Verstand verband er ein edles Herz und eine innige, aufrichtige Frömmigkeit, welche die Gedanken des hohen Geistes und die Regungen dieses guten Herzens in herrliche Thaten umfetzten. Was außer diesen Vorzügen des Geistes und Herzens Rabbi Jesaja noch vor anderen Rabbinen vortheithaft auszeichnete, war der Besitz irdischer Reichthümer. Ec verwandte diesen Wohlstand in einer Weise zum Wohle seiner Mitmenschen, die uns geradezu unglaublich klingen würde, wenn wir nicht zuverläisige Zeugnisse darüber hätten. Rabbr Jesaja setzte sich nie zu Tische nieder, ohne daß wenigstens achtzig Gäste an seinem Mahl theilnahmen!*) Dieser einzige Zug gibt uns einen Maßstab für die unaewöhnliche Wohllhätigkeit, die im Hause *) Bezeugt von seinem Sohne Rabbi Schefte! in der Vorrede des Buches: „Wowe Hoamudim." -- des Frankfurter Rabbiners geübt wurde. Dieses Haus und das Leben seiner Bewohner gehörten der ganzen Welt. Hunderte von Schülern hatten sich um den weltberühmten Lehrer aus aller Herren Länder zusammengefunden. Ihre Ausbildung und Versorgung galt Rabbi Jesaja unter den zahlreichen Liebesthaten, die feine Wirksamkeit auszeichnete, als Gegenstand besonderer Fürsorge. Unter den Schülern, die zum großen Theil schon im gereisten Mannesalter standen, befand sich ein junger Mann, Namens Wolf Proßnitzer, der erst siebenzehn Jahre zählte und trotzdem von Rabbi Jesaja mit besonderer Auszeichnung behandelt wurde. Er hatte ein großes Wisien, und führte einen für seine Jugend so frommen Lebenswandel, daß er in dem Hause des Rabbiners als sogenannter Haus- Bachur Aufnahme gefunden hatte, also wie ein Hauslehrer als zur Familie gehörig betrachtet wurde. Rabbi Jesaja hatte mit seinem Hausbochur das Pensum durchgesprochen, das er mit den Kindern im Talmud durchnehmen sollte, als die Rabbinerin ganz erregt ins Zimmer trat. „Lieber Mann, Dein Pelz fehlt, ebenso Deine sämmtlichen Schabbeskleider, und der schöne, blaue Jomtofrock mit den goldnen Knöpfen! Die hat Niemand anders genommen, als —" „Sprich' nicht weiter, liebe Frau," unterbrach mit sanflmüthiger Bescheidenheit R Jesaja die Aufregung seiner würdigen Ehehälfte. Dieselbe war in