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Der Israelit · 1898-12-22 · Heft 101 (22.12.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 101 (22.12.1898)
Date
1898-12-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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ib9y der Erwähnung, daß in diesem neuen Gesetzeniwurs den Juden jedes Recht aus die Naturalisation abgesprochen wird, nur das Gegentheil könnte überraschen. Auch von einem zweiten Gesetz, das mit Spannung erwartet wird, dem über die Koscher- Fleischtaxe haben wir wenig zu hoffen. Nur eine wichtige Veränd.rung wird es gegenüber dem jetzigen Zustand bringen. Die „aufgeklärten Juden", welche kein koscher Fleisch verzehren, daher auch die Taxe daraus nicht tragen, sollen mit einer ausgleichenden Steuer belegt werden. An sich wäre dreier Akt der Gerechtigkeit ganz schön, wenn er nur nicht darauf hinauslaufcn wird, daß das Erträgniß einer neuen nur von Juden getragenen Steuer für nichtjüdische Zwecke verwendet wird, wie es mit der Koscher- Fleischtaxe geschieht. — Die Regierung hat einen neuen Overbeamten für die jüdische Ackerbaukolonie im Gouvernement Cherson ernannt. Da dieser Mann eine Vertrauensperson der Negierung ist und seine Stimme von entscheidendem Einflüsse für die weitere Entwickelung der Kolonien sein dürste, so ist cs von Wichtigkeit, daß der neuernannte Ober-Inspektor Mohovetzky den Juden günstig gesinnt zu sein scheint. Gleich nach seiner Ernennung hat er eine Reise durch die Kolonien gemacht, überall die Kolonisten zusammenbernfen und sich ihre Wünsche vortragen lassen, sowie ihnen gute Regeln gegeben. — Die jüdische Gemeinde in Barium hat dem Großfürsten Michael Nikolajewitsch zu Gelegenheit seines fünfzigjährigen Militärjubiläums gratulirt. Der Großfürst war früher Generalgouverneur des Kaukasus und hat bei den dortigen Juden ein sehr gutes Andenken an die Zeit seiner Amtsführung hintcrlaffcn. — In Wilna erscheint seit einigen Tagen eine neue Zeitung die „Severo Sapadneje Slovo", die sich damit ankündigt, daß sie kräftig Stellung gegen den Antisemitismus nimmt. Ihr Erscheinen ist um so willkomntener, als bisher in dieser Provinz nur eine Zeitung in russischer Sprache erschieit, der Vilenshy Westnick, der sich durch seine Gehässigkeit gegen die Juden auszeichnetc.? St. Petersburg. Ein bezeichnender Vorfall, der die Lage der Juden in Rußland besser charaklerisirt, als langathmige Auseinandersetzungen es können, verdient bemerkt zu werden. Der Rabbincr in Kremenlschuk hat eine Bekanntmachung erlassen folgenden Inhalts: der Oberst der Garnison hat den Rabbiner zu sich kommen lassen und ihm erklärt, datz er nicht länger dulden werde, daß die Juden iu den Hauptstraßen der Stadt am Sabbat und den jüdischen Feiertagen in so großer Zahl, wie bisher spazieren gingen. Damit sollen sie die Christen, besonders die Offiziere belästigen. Der Rabbiner fordert daher die Juden auf, diese Straße zu vermeiden und ihre Spaziergänge nach anderer Richtung zu lenken. Er fügt sehr charakteristisch hinzu, die Luft ist ja überall dieselbe, diese Angelegenheit ist aber viel wichtiger als man denkt. Also selbst die freie Luft mißgönnt man den Juden. — Aus Kieff wird ein seltenes Erreigniß berichtet. Ein bekannter Advokat Ananjeff hat in der juristischen Gesellschaft dieser Stadt einen Vortrag gehalten und darin, wirklich ein weißer Rabe, für die jüdischen Gemeinden eine erhebliche Erweiterung ihrer Rechte verlangt. — In Bar in Podolien beschäftigen sich viele Juden mit dem Tabaksbau. Die diesmalige Ernte ist sehr gut ausgefallen und die etwas prekäre Situation der jüdischen Pflanzer und Arbeiter ist dadurch nicht unerheblich gebessert. Egypten. § Alexandrien (Von den jüdischen Gefangenen in Omdurman.) Ich habe in meiner letzten Eorrespondenz zugesagt, daß ich dem „Israelit" sobald nur diesbezügliche Nachrichten in den arabischen Blättern vorliegen werden, einen ausführlichen Bericht über die bei den Mahditen in Omdurman gefangen gewesenen, von den Engländern aber am 2. September d. I. befreiten Israeliten einsenden werde. Ich bin nun heute im Stande, mein gegebenes Versprechen einzulösen. Im Ganzen befanden sich bei dem Einzuge der Engländer in Omdurman nur noch fünf jüdische Gefangene vor, da der Jude Passioni aus Livorno, von dem Pater Rossignoli in seinem Buche „J mici dodici anni di prigionia nel Sudan" („Meine zwölfjährige Gefangenschaft im Sudan") so schöne Züge zu erzählen weiß, damals nicht in dieser Stadt anwesend war, sondern, wie seine Nachbarn mittheilten, in einer geschäftlichen Angelegenheit in Senaar an: Blauen Nil weilte. Der Khalife Abdallahi verwendete nämlich gerne die in seine Gewalt gerathenen Israeliten zu geschäftlichen Sendungen und ließ er sie dabei von einigen Derwischen begleiten, damit sie nicht entfliehen sollten. Ueberhaupt war er gegen die jüd. Gefangenen bedeutend nachsichtiger als gegen die Christen und konnten sie sich in Omdurman auch ganz frei bewegen. Sie konnten dort jedem beliebigen Geschäfte nachgehen und wohnen, wo sie wollten, nur die Stadt durften sie ohne seine Erlaubniß nicht verlassen. Fast alle diese israelitischen Gefangenen sind nun noch weiter in Omdurman geblieben, denn erstens sind sie schon an das dortige Klima gewöhnt und dann versprechen sie sich eine glänzende Zukunft, da die Engländer das von den Mahdisten zerstörte Chartum, das Omdurman gegenüber liegt, wieder ausbauen und zur ersten Handelsstadt des Sudans machen werden. Es wird sich daher dort ein großartiger Geschäftsverkehr entwickeln. Auch Passioni wird voraussichtlich noch weiter in

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