Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 101 (22.12.1898)
- Date
- 1898-12-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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SÜEMX. Jahrgang. M lOl Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum Begründet von Dr irefptnann in Wtatnr Donnerstag, de» 22. Dezember 5659 (1898). Unsere nächste Nummer, eine Doppelnummer, erscheint Donnerstag, 29. Dezember. Wir beginnen heute mit der Wiedergabe einer überaus interessanten, größeren historischen Erzählung aus dem Leben des Rabbi Jesaja Hurw'tz, bekannt unter dem Namen „Scheloh"*). Der gelehrte Herr Verfasser schildert in derselben in ebenso fesselnder, wie anregender Weise die mannigfachen Schicksale dieses berühmten Frankfurter Rabbinen. Wir hoffen, mit dem Abdruck dieses Werkes, das später auch als Buch erscheinen soll, unseren Lesern eine willkommene Gabe zu bieten. Redaktion des „Israelit". Leitender Artikel. Im IMläm des Nübbinerstmlllllls. * Mainz, 20. Dez. Ein Vierteljahrhundert war bei Beginn dieses Winterhalbjahrs verflossen,seitdem Dr. Israel Hilde s h e i m e r n in felsenfestem Gottvertrauen es unternommen hat, in Berlin ein Rabbinerseminar zur Heranbildung orthodoxer Rabbiner zu eröffnen. Dem gewaltigen Bau, der heute stolz und strahlend dasteht, sieht man es nicht an, wie mühsam die einzelnen Ziegel seiner Mauer zusammengetragen werden muß' ten. Eine Millionenstiftung eines hochherzigen Reichen hatte einst das Breslauer Seminar ins Leben gerufen; und als von allen Einsichtigen die Gefahren erkannt wurden, welche aus diesem Institut für jüd. Geist und jüdisches Leben, wohl entgegen dem Willen seines Stifters, erwuchsen, da trat Dr. Israel Hildesheimer - j auf den Plan, um durch Gründung einer Bildungsstätte für gesetzestreue Leiter der Gemeinden diesen Gefahren entgegenzutreten. Unvergängliche Verdienste für die heiligste Sache hat sich der thatkräftige, unermüdliche, wegen seiner Thora- *) In einem Theil der vorigen Auflage stand irrthümlicherweise „Hafloo". kenntniß vielbewunderte Gesetzeslehrer, durch dieses gewaltige und kühne Werk erworben. Sehr genau wußte er, daß reichfließende Geldmittel eine der ersten Bedingungen sind, um solch ein Institut lebenskräftig zu erhalten. Nächst der Erwerbung eines Grundstücks, ist es nöthig beste Lehrkräfte zu gewinnen und festzuhallen, und für ausgiebige Unterstützung mittelloser Schüler und vieles Andere ist zu sorgen. Auf einen Goldstrom, wie einst in Breslau, war nicht zu rechnen, unzählige Bächlein und gar vieles Quellwasser galt es erst zu entdecken und auszusuchen, und dann die einzelnen Wasseradern nach dem einen Ziele hinzuleiten, wo all die Gewässer vereint ihre Kraft dem einen großen Werke leihen sollten. Bei vielen gemeinnützigen Unternehmungen fließt auf einen warmen Aufruf hin die goldene Unterstützung den edelgesinnten Gründern von selbst zu. Dr. Hildesheimer floß das Gold nicht von selbst zu. In den breiten Schichten des jüdischen Volkes war man sich der großen Roth der Zeit, des Mangels an Männern nicht bewußt. Der Gründer des Berliner Seminars hatte alle geistigen und körperlichen Kräfte in den Dienst seiner heiligen Sache zu stellen, dem Volke mußten erst die Augen geöffnet werden,' daß eine noch größere Gefahr als Orgel und Reform des altheiligen Gottesdienstes, darin bestand, daß Männer, welche solch freventliches Beginnen billigten, an die Spitze der Gemeinden berufen wurden. Die jüdische Geschichte, von der Mitte bis zum Ende des Jahrhunderts, zeigt uns, daß in Gemeinden, wo die