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Der Israelit · 1898-12-19 · Heft 100 (19.12.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 100 (19.12.1898)
Date
1898-12-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1662 Im Jahre vorher war seine Schrift, Ln der er seine Studien über die Juden und die praktischen Vorschläge, die sich ihm daran knüpfen, nieder legte, von der Metzer-Akademie mit einem Preise gekrönt worden 8). Wenn die große Belesenheit, die er in diesem Werke entfaltet, ihn auch manche unbegründete Anschuldigung wiederholen läßt, die von früheren Schriftstellern gegen die Juden erhoben war, wenn er auch den Klagen Ausdruck verleiht, mit denen der kleine Bauer gegen ihren Handel aufzutreten pflegt, so wird doch auch sein Gefühl rege für den gewaltigen nationalen Schmerz der Verbannung, der Zerstreuung und des Elendes, die Jahrtausende währen. Er will für die jüdische Sache eintreten, und sein weiches Herz wird mit gerechtem Stolz erfüllt bei dem Gedanken daß er, der katholische Priester, sich dazu die nöthige Unbefangenheit bewahrt hat;v) er spricht als Geistlicher gegen jede Verfolgung ^) und verlangt für die Juden volle Religionsfreiheit^); er will ihre Hebung aus ihrer gedrückten politischen und socialen Lage, und sie zu erringen, hat der Deputirte von Lothringen'- Hauptstadt in der Versammlung der Volksvertreter redlich mitgewirkt. Der Gegensatz, der zwischen den Zuständen herrschte, in denen der Staat die Juden seit Jahrhunderten erhalten hatte, und den Wünschen der Bevölkerung, wie sie die geistige Entwickelung derselben herbeigeführt hat, war nach all den Symptomen, die wir beobachten konnten, ein vollständiger. Den Männern, die gewählt waren, die Gesinnung der Nation zu vertreten, und denen namentlich, die selbst Zeugniß gegeben hatten von ihrer milden und menschlichen Denkungsart, lag es jetzt ob, die Ideen der Zeit einwirken zu lassen auf die bestehenden Verhältnisse, den Juden zu verschaffen, was man ihnen wünschte, Gleichberechtigung mit ihren Mitbürgern. (Fortsetzung folgt.) 8) Essai sur la regen€ration phyeique, morale et politique des Julis. Metz 1788. 10) Ce qu’un r&bbin (Leon de Modfene) n'a point tent6, un pretre catholiqne fespfere l’exäcuter avec succös. Le public ne verra pas saus intörSt un ministre de la religion catholiqne se faire l’avocat des plus grand ennemis de sa religion. (p. 127). 11) Charitg est le cri de i’övangile et quand je rois des chretiens persöcuteurs, je suis tentö de croire qu’ils ne Tont pas lu. (p. 127). 12) Lentiäre iibertä religieuse accordde anx Jüifa sera un grand pas en avant pons les rfeformer. (p. 132). Z-ttimg»rtckchrrchtei» und «srrefpondenrerr. Deutschland. AttS Tüddeutschlaud. In jüngster Zeit erfuhren zwei Erscheinungen in diesen geschätzten Blättern Besprechungen, welche bei näherer Betrachtung einen inner« Zusammenhang haben: Da» Bestreben de» Gemeindebundes, eine Centralbehärde herbeizuführen, und die Literaturoereine. Wenn wir uns nämlich fragen, woher es kommt, daß der Gemeindebund es wagt, seine Absicht kund zu geben, nachdem er viele Jahre hindurch behauptete, über den Parteien zu stehen, und nicht in da» religiöse Gebiet eingreifen zu wollen, und wenn wir andererseits nicht nur den Unwerth der Literaluroereine, sondern auch den großen Schaden in Erwägung ziehen, welchen sie dem wahren Judenthume zufügen, so werden wir zu dem Resultate kommen, daß der Erfolg der Letztgenannten zu dem erst erwähnten Beginnen aufmunterte. E» läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß die Zahl derer, welche jetzt noch den Muth haben, öffentlich zu erklären, daß der Unterschied zwischen Orthodoxie und Neologie größer sei, als zwischen Katholicismus und Protestantismus, heute bedeutend geringer ist, als ededem; es hat vielmehr in vielen Kreisen eine gewiffe Amalgamirung stattgefunden, und durch diese bekam der Gemeindebund die Lust, die nach sogroßen und schweren Kämpfen errungene, starke Position der Orthodoxie anzugreifen. Diese im Entstehen begriffene Verschmelzung der orthodoxen und neologen Parteien ist aber eine Folge der Thättgkeit de» Gemeindebunds und der Literaturvereine. Zuerst wurden die B'ne Brith-Logen von der Neologie in'» Treffen geführt, und wirklich ist es ihr gelungen herbeizuführen, daß die orthodoxen Mitglieder dieser Logen sich glücklich schätzen, wenn nach einem in einem Koscher-Restaurant gehaltenen Gastmahle „gebenscht" wird, wenn auch selbstredend vor dem Benschen au» Rücksicht auf die „gebildeteren" Neologen kein Wörtchen Thora gesprochen werden darf. Sodann wurden die Literatmvereine begründet. Die Helle Freude, welche ein Hauptführer der Neologie bei Gelegenheit einer Delegirtenversammlung zum Ausdruck brachte, dabei die Literaturvereine als Stellvertreter des früheren „Lernens" feiernd, war ganz natürlich und ge» rechtfertigt. Die Orthodoxen haben diese Lockspeisen so gern hingenommen, daß dieser Sport oon ihnen , noch eifriger betrieben wird, als mm den Neokogen. Wenn von den Tausenden von Ästitgliedernder hun-

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