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Der Israelit · 1898-12-15 · Heft 99 (15.12.1898) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 99 (15.12.1898)
Date
1898-12-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1860 Zeitung" bemerkt dazu: „Der Prozeß wirft auf die galizische Strafrechtspflege ein grelles Licht. Ein Staatsanwalt kann allerdings die seltsamste Anklage aufbauen; aber ein solche Mißhandlung deZ gesunden Menschenverstandes ist schließlich doch gar zu arg. Eine — in jenem Augenblick ganz natürliche — Aeußerung von Unmuth über eine strafbare Handlung soll ein boshafter Akt sein, um sich und sein Eigen' thum in Gefahr zu setzen! Nach der Logik würde der, der einem Mörder beschimpfende Worte zuruft und dadurch seine Wuth auf sich lenkt, ebenfalls das Verbrechen der öffentlichen Gewaltthäligkeit begehen? Ja, der Herr Staatsanwalt müßte um einen Schrill weitergehen und die Provokation in der Anwesenheit der Juden erkennen, denn daß es Inden-Exzesse ohne Juden nicht gäbe, ist unzweifelhaft richtig. Wir hoffen, daß der Justizminister die besondere Strebsamkeit des Rzeszower Staatsanwalts — Przychodski ist sein Name —im Auge behalten wird. Da der Angeklagte freigesprochen wnrde, erscheint schließlich nur der Staatsanwalt blamirt, und die Sache würde sonst zu keinen Bemerkungen Anlaß bieten. Nun war aber der Gorgel ob dieser Anschuldigung vier Monate in Untersuchungshaft, und deßhalb hat der Anklagescherz de? Herrn Przychodski ein recht ernstes Gesicht, und der Herr Justizminister schuldet der Welt die Aufklärung, wieso derlei Dinge in einem Rechtsstaate geschehen können." P a l ä st i n a.? Jerusalem. Den verschiedenen Berichten über den Empfang des deutschen Kaisers ist noch ein intereffantes Detail nachzutragen, das merkwürdigerweise bis jetzt vollkommen übersehen wurde. Die beiden Oberrabbiner wurden ebensogut wie alle anderen Kirchenfürsten im deutschen Consnlat von den Majestäten empfangen und bei dieser Gelegenheit durch einen liebenswürdigen Händedruck und freundliche Anrede ausgezeichnet. Als dagegen die Frauen der Consule empfangen wurden, insormirte sich die Kaiserin bei der Frau des englischen Eonsuls eingehend über die Fortschritte, welche die Judenmission in der heiligen Stadt gemacht habe. Ueberhaupt zeigte die Kaiserin großes Interesse für die Judenmission. Nach Missionsberichten wäre übrigens das neue Hospital in Jerusalem trotz des gegen dasselbe gerichteten Bannes mit jüdischen Kranken überfüllt. Siebzehn Männer und 24 Frauen sollen in demselben liegen. M a r o c c o. A Fez. Ein Correspondent der All. Jsr. sprach kürzlich seine Befürchtung aus, die Prügelstrafe, zu deren Abschaffung die Alliance so viel beigetragen, den Juden gegenüber wieder in Anwendung bringen zu sehen. Leider hat sich diese seine Voraus sicht bewahrheitet. Vor einigen Tagen erhielt ein armer Jude die Priigelstrafe wegen eines ganz nichtigen Vergehens. Der Correspondent der Alliance hat alsbald die nöthigen Schritte gethan, damit diese barbarische Strafe nicht wieder in Anwendung komme. Er wendete sich an die Konsulen Frankreichs und Englands, die bei dem Maghzen energische Protestationen laut werden ließen. Derselbe Correspondent meldet Folgendes: Eine große Anzahl jüdischer Familien aus Taza flüchteten kürzlich nach Fez. Die einen, um ihren Besitz vor der Habsucht einer unabhängigen und furchtbaren Völkerschaft, den Ghiata, zu schützen, die sich vor Kurzem in der Gegend niedergelaffen haben; die übrigen zahlreicher, um sich vor dem Hunger zu schützen und dem drohenden Elend zu entgehen. Alle, ohne Ausnahme haben Taza verlassen, um den Ge waltthaten der Plünderer zu entgehen, denen sie seit einem Jahr preisgegeben sind. Die Ghiata sind eine sehr unruhige Horde; es ist dem jungen Sultan noch nicht gelungen, sie zu überwältigen. Letzte Nachrichte«. Berlin, 13. Dez. Die von antisemitischer Seite eingebrachten Initiativanträge betreffen das Verbot des Schächtens und die Einführung der Wahlpflicht; in einem Gesetzentwurf soll ferner die Neueinwanderung, wie auch das Verhältniß der in Deutschland sich aufhaltenden ausländischen Juden geregelt werden. Algier, 12. Dez. Heute durchzogen die Antisemiten verschiedene Straßen, worin sie Kundgebungen gegen die Juden veranstalteten. Die Läden in diesen Straßen wurden geschloffen. Es kam zu Thätlichkeiten gegen einige Juden, ernste Zwischenfälle sind jedoch nicht vorgekommen. Der bisherige Maire Max Regis hat seine Entlastung gegeben. Er hielt von dem Balkon des Rathhauses eine Ansprache an die Volksmenge, welche er zur Ruhe aufforderte. Die Truppen sind konsignirt. — Die Vorgänge in Algier werden in der ganzen Presie sehr ernst benrtheilt, obwohl man von dem gestern neu ernannten Präfekten Lutaud eine besondere Energie erwartet. Die Demission des Herrn Negis wurde vom Stellvertreter des Präfekten nicht angenommen. Briefkasten -er Expedition. N- (?. in W r Betrag von M. 8.— bankend empfangen. F H.r Wir empfehlen Ihnen Herrn Morik Gri'inebaum in Crumstadt bei Darmstadt. rSl-Äv>. * ^YY-rnfwamm

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