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Der Israelit · 1898-12-15 · Heft 99 (15.12.1898) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 99 (15.12.1898)
Date
1898-12-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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WWWWUWWWWW 1855 Feuilleton. -E-G Verkauft. §»h-'— Eine Erzählung aus Ungarn. ■.va) Von Samuel B. Rosner. Nachdruck verboten- Sie hatten bereits einige Gassen durchschritten, ohne ein Wort miteinander gesprochen zu haben. Er schwieg, weil er nicht wußte, welchen Ton er ihr gegenüber nach dem Vorgefallenen anschlagen solle. Sie wieder suchte ihre Verlegenheit hinter der Betrachtung des um sie her erwachenden abendlichen Treibens zu verbergen. An allen Punkten flammten die Laternen auf. Durch die Scheiben der Auslagefenstcr drang Helle Lichtfluth auf die Gasse und schien das Auge zum Bewundern der hinter ihnen anfgespeicherten Waarcnmuster magnetisch zu zwingen. Kalter Winterdunst senkte sich herab und ließ die entfernteren Dinge wie in einem Nebel erscheinen. Schon war das Feldersche Wohnhaus in Sicht gekommen, als sich Rudolf ermanute, daß er ihr ja doch etwas sagen müsse und daß er ihr dies nirgends so gut sagen könne als hier im Zwielicht des Abends, mitten im geräuschvollen Straßengetriebe. „Schulamit", rief er aus, „um des Himmels willen, was haben Sie gethan!" Sie hatte mittlerweile ihre Fassung wiedererlangt. Sie warf den Kopf in die Höhe und versetzte brüsk: „Nichts, was ich nicht im Stande wäre, zu verantworten." „Möglich", antwortete er kalt, „es ist aber die Frage, ob Ihren Schritt auch jene verantworten könnten, denen Ihre Obhut während Ihres hiesigen Aufenthaltes anvertraut ist. Ich bezweifle es. Es ist denn doch kein so harmlos Ding für ein Mädchen, von einem jungen Manne die briefliche Einladung zu empfangen, zu einer bestimmten Stunde, an einem bestimmten Platze zu erscheinen und dieser Einladung auch Folge zu leisten. Oder möchten Sie es vielleicht in Abrede stellen, daß die Begegnung mit Ihrem „langjährigen Bekannten" verabredet war?" „Und wenn ich das möchte?" trotzte sie. Eine blinde aufschäumende Wuth erstickte ihn fast. „Wenn Sie das möchten", zischte er, „dann werde ich Ihnen ans dem Briefe Jh—res — — Freundes, welcher sich in meinem Besitze befindet, das Gegentheil beweisen. —" Ein langes Stillschweigen folgte auf diese erregt hervorgestoßenen Worte. Sie gingen schweigend, indem sie nach verschiedenen Richtungen vor sich hinstarrten. Plötzlich begann Rudolf wieder mit vollständig veränderter Stimme. Seine Stimme war gedrückt und bewegt vibrirend. „Es thut mir unendlich leid, Fräulein Friedberg, seben zu müssen, daß Sie sich auf dem schlüpfrigen Pflaster der Stadt nicht heimisch fühlen. — Sehen Sie," seine Stimme fiel so plötzlich ab und zitterte so sehr, daß er sich anstrengen mußte, um gehört zu werden, „wir dürfen uns nicht anmaßen, dort wo Ihre Begriffe mit den unsrigen in Widerspruch ge« rathen. Ihnen die Richtigkeit der unsren aufoktroyiren zu wollen. Dazu haben einzig und allein bloß die Eltern ein Recht. N".1er den Augen Ihrer Eltern, dort mögen sich die Regungen Ihres Herzens frei und unabhängig entfalten —wir dürften dies nicht zugeben — ohne uns einer unverantwortlichen Pflichtverletzung schuldig zu machen. Kein Mensch außer mir hat den Brief gesehen und keiner soll ihn je zu Gesicht bekommen, wenn Sie die Bedingung erfüllen wollen, welche ich an Sie stelle und diese — Bedingung — ist-daß Sie je eher wieder unter den Schutz Ihrer theuren Eltern zurückkehren!" Als er dies gesagt hatte, athmete er, wie von einer bösen Last befreit, tief auf. . . . Schulamit blieb einen Augenblick wie betäubt stillestehen. Sie standen gerade vor dem Thoreingange unter dem vollen Schein der Lampe. Sie warf einen jähen Blick auf sein auffallend blaffes Angesicht. Dann streckte sie ihm ihre Hand entgegen und zwang stch aufgeräumt zu lachen, während ihre Mundwinkel in verhaltenem Schmerz zuckten und Thränen sich ihr in die Augen drängten. „Top", sprach sie, „hier meine Hand darauf!" Er lächelte ebenfalls und legte seine Hand in die ihrige. . . . Als er sein Zimmer betrat, stöhnte er laut und schmerzhaft auf. „Aus — für immer.'" hauchte er, seine Augen mit den Händen bedeckend und aus einen Slffel niedersinkend, . . . ich konnte nicht anders!" * Daß es kritische Tage am großen Welthimmel gibt, hat Rudolf Falb längst außer Frage gestellt. Aber es gibt solche nicht minder am Miniaturfirmament einer jeden Familie und eines jeden Individuums. Nun, in Wahrheit ist ja der Unterschied zwischen beiden gar kein so großer. — Wenn sich so ein kleiner Himmel bewölkt, dann verdüstert sich auch der große mit all' seinen Sonnen- und Milchstraßen. Die Menschen schauen zu den Gestirnen hinauf und die Gestirne schauen auf die Menschen hinab. — Mit jedem neugeborenen Menschen — matt könnte sagen, mit jedem Wesen, wenn den Thieren nicht das vernünftige Anschauen abginge — entstehet die ganze Welt aufs neue, und mit dem Verlöschen eines jeden Menschen zerstäuben immer wieder all'

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