Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 99 (15.12.1898)
- Date
- 1898-12-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1852 — Am Sonntag, den 4. Dez. d. I. wurde in gemeinschaftlicher Sitzung des Vorstandes und Repräsentanten-Collegiums Herr Moritz Marburg einstimmig zum Vorstandsmilgliede der deutschisraelit. Gemeinde gewählt und hat derselbe. Wie heute allgemein bekannt wurde, diese ehrenvolle Wahl angenommen. Herr Marburg sen., Chef des Welthauses M. M. Marburg, entstammt einer althamburgischen hervorragenden, streng-frommen Familie und hat sich um das Gemeinwesen als Präses des Jsr. Waisenhauscollegiums, wie als Mitglied der Talmud-Thora-Direction schon hochverdient gemacht, so daß sein nunmehriges Wirken als Gemeindevorsteher der berühmten Hamburger nbnp zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. H. B. A Lübeck, 12. Dez. Am 7. d. M. erschien bei einem unserer Vorsteher ein Hülfesuchender, der eine ganze Reihe warmer Empfehlungsschreiben mit sich führte. Der Mann, etwa Mitte der Fünfziger, von hagerer Statur, etwas über mittelgroß, mit stark ergrautem Vollbart, eingefallenen Backen und unangenehm stechenden, lauernden Augen, nannte sich E. Hamm aus Südrußland und trat recht anspruchsvoll auf. Sein ganzes Wesen und Benehmen flößte dem Vorsteher Mißtrauen ein, welches noch verstärkt ward durch zwei Empfehlungsschreiben, welche er aus der Menge herausgriff und die den Stempel der Fälschung an sich trugen. Er versprach dem Petenten auf Grund der beiden Zeugniffe für ihn etwas sammeln zu wollen und bestellte ihn zum folgenden Morgen wieder zu sich. Der Betrüger muß aber doch Entlarvung gefürchtet haben, denn er ließ die Zeugnisse zurück und kam nicht wieder. Leider ließ sich der Vorsteher von dem tiefwurzelnden jüdischen Mitleid bestimmen, dem sofort erregten Verdacht nicht die natürliche Consequenz folgen und den Schwindler verhaften zu lassen. Wenigstens aber mögen Andere durch diese Zeilen vor dem Betrüger gewarnt sein und soll zum Ueberfluß noch hier der Wortlaut der beiden Empfehlungen folgen. Die eine ist aus einem Briefbogen geschrieben, mit dem Aufdruck Ober-Rabbiner Dr. S. Margulius Odessa, vom 12. Oktober 1898 datiert und mit dem gleichlautenden Blaustempel, außer der Unterschrift beglaubigt und lautet: Auf Verlangen bescheinige ich hiermit, daß Herr E. Hamm gewesener (Mtsbesitzer und Militärlieferant war und seine Familie, aus Frau und sechs .stinder bestehend, durch Ausweisung nicht mehr imstande ist zu ernähren. Da er eine wohlhabende Verwandtschaft in Amerika hat, ist zu wiinsäen, daß er sich dorthin begebe. Mittellos wie er ist, erdreiste ich mich, denselben als mir persönlich bekannten der Milde und Wohlthätigstit edler Menschenfreunde aufs wärmste zu empfehlen. Die andere steht auf der Rückseite der Visitenkarte des Herrn Dr. I. Hildesheimer, Rabbiner und Seminar-Direktor, Berlin, Gipsstraße 12a und lautet: Ueberreicher dieses ist mir brieflich wie persönlich bekannt Selbiger sehr religiös, war einst wohlhabend, jedoch, durch bekannten Ausweis in sehr pekuniären Verhältnissen sich befindet. Empfehle denselben bei seiner Durchreise zu unterstützen. Jnowrazlaw, 11. Dez. Einer der biedersten Ehrenmänner unserer Gemeinde ist am Freitag, den 2. d. M., kurz vor Sabbateintritt im Atter von 63 Jahren v'obvn "nb ,tobi ns» 62» svb zur ewigen Ruhe eingegangen. Es ist dies der fromme und würdige HerrB. Berget, der ein Sohn deswegen seiner großen talmudischen Gelehrsamkeit und seiner Charakterhoheit berühmten R. Meyer Berget ‘rpim aus Rawicz und länger denn dreißig Jahre in hiesiger Stadt segensreich lebte und wirkte. Er folgte seiner ihm vor etwa acht Manaten dahingeschiedenen edlen Gattin, die ein Muster von Edelsinn und Gottesfurcht, von Nächstenliebe und Fürsorge für die Armen und Kranken war, so zwar, daß hier das Wort der Schrift seine volle Anwendung findet: h-b: ab cniösi e.-pra s'S'wni r-rnx-n. Der Verblichene war ein streng gesetzestreuer Jude und besaß die edelsten Eigenschaften des Geistes und Herzens. Wohlbewandert auf dem biblischtalmudischen Gebiete stellte er mit Hintansetzung seiner persönlichen Interessen seine Kenntnisse bereitwilligst der Gemeinde und den gemeinnützigen Vereinen derselben zur Verfügung. So gehörte er dem Rabbinatscollegium als Mitglied an und förderte die religiösen Angelegenheiten nach besten Kräften. Eines der ältesten und würdigsten Mitglieder des Beih- Hamidrasch-Vereins, widmete er diesem viele Jahre hindurch unschätzbare Dienste. Er war dessen langjähriger vorzüglicher Vorleser aus der Thora, an allen Sabbaten, Feier- und Fasttagen ein trefflicher Vorbeter und ypw ^s. Trotz seines recht ansehnlichen Wohlstandes war er von seltener Genügsamkeit und Anspruchslosigkeit. Die Schlichtheit seines Wesens, seine Leutseligkeit und Freundlichkeit gegen Jedermann, seine Herzensgüte, Wahrheits- und Gerechtigkeitsliebe gewannen ihm die Sympathien aller derer, die ihn kannten. Von letzterem legte ein untrügliches Zeugniß ab das ungemein zahlreiche Gefolge, das ihn nach seiner letzten Ruhestätte geleitete. Fast die ganze Gemeinde in allen ihren Schichten war vertreten. Auch mehrere Geschwister und andere Verwandte von außerhalb, unter Letzteren auch der Schwager des Verstorbenen, Herr Seminar-Rabbiner Dr. Levy aus Breslau — ein Jnowraztawer Kind — halten sich eingesunden, um dem thcuren Todten die letzte Ehre zu erweisen. Auf dem Friedhöfe gab der Oberrabbiner Herr Dr. Kohn in tiefempfundenen Worten dem wehmüthigen Schmerz-