Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 96 (5.12.1898)
- Date
- 1898-12-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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SJUUX. Joksmg. JH 96 Der Israelit. Ein Aenlrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Vr. Drhrrranrr in Mkstnz Montag, den 5. Dezember 5659 (1898). Leitender Artikel. Ein wichtiges Ereigniß?! Von M. Schweitzer, Glogau. Parturiunt montes, uascitur ridiculus mus. (Horaz.) Himmlische Wonne durchfluthete wohl jedes für alles Gute, Wahre und Rechte empfängliche jüdische Herz, als es von dem durch ein Berliner jüdisches Blatt an hervorragender Stelle gemeldeten, wichtigen Ereigniß erfuhr: Die jüdischen Literaturvereine Deutschlands haben jetzt die Ziffer hundert erreicht. Im Betreff der raia sind wir gewissen Reihen gegenüber sehr mißtrauisch. Bei ihnen ist es ein längst überwundener: Standpunkt nrtn b: bvn nana. „Wer ohne na-Q etwas genießt, begeht eine Untreue." Aber diesmal hat eine Stimme aus diesen Reihen, einem plötzlichen Impuls folgend, sogar rj’nrw in einem Falle gesprochen, für den man vergeblich im „Schulchan oruch" eine diesbezügliche Vorschrift suchen wird. Die Kunde, daß es jetzt hundert Vereine gibt, hat so ihn begeisternd gestimmt, daß er wnp — vielleicht gar ohne Kopfbedeckung — gesprochen hat. Es muß doch ein unverwüstlicher Kern im Kn*p:r der Gewöhnung der Jugend stecken; jahrelanges Neben allesdessen, was das Gesetz verbietet, reicht nicht so weit, um im gehobenen Moment eine TDia zu unterdrücken. Es ist schade um diese wrirup, wenn sie gesprochen worden sein sollte, es scheint, daß es eine nbvab naia war. Hat am Ende das Beispiel der ehemaligen Synode in Augsburg oder Leipzig, die ebenfalls mit einer ume* in der Eröffnungsrede gewürzt wurde, gewirkt? Hundert Literaturvereine! Eine stattliche Zahl! Wir begreifen wohl den Siegesrausch der Gründer und Förderer dieser außerhalb der Groß-Gemeinden noch neuen Erscheinung. Wenn man die Lobsprüche hört, die während dieser neuesten Gründerperiode in verschiedenen Zeitschriften diesen Vereinen gemacht worden sind, meint man wirklich, das Judenthum hätte, dem Dornröschen gleich, hundert Jahre geschlafen, und es mußte erst Prinz-Literaturverein kommen, um es aus dem Schlaf zu befreien. Dagegen muß man doch laut protestiren. Die Vereine, in denen jüdische Literatur gepflegt wurde, wo Talmud, Mischna, Kodizes, Bibelkommentare die Lehrstoffe waren, haben nie aufgehört. In all den Gemeinden, die heute ihre Literaturvereine haben, bestand sicher auch vorher ein derartiges Institut und ein großer Theil der Mitglieder fand sich gewiß mindestens am tue» ein, um einen „Schiur" anzuhören. Die Alten waren uns sogar weit voraus. Bei ihnen fand die Werthschätzung der Thora auch in jenen Vereinigungen, die allgemeinen Gemeindezwecken dienten, dadurch Ausdruck, daß das „Lernen mit zum Zweck des Vereins" gehörte. Jeder Gemilußchasodim-Verein, jeder Malbisch-Arumim-Verein, jeder Hachnosaß-Kalloh- Verein war gleichzeitig auch jüdischer Literaturverein. Jedenfalls war der Gedanke maßgebend, daß ohne Thorakenntniß kein Pflichtgebot in richtiger Weise geübt werden kann Tan pxn ny x^. Ganz gewaltig stechen die Literaturvereine der Alten von denen der Neuzeit ab. Da gab es keine Mitgliederbeiträge, sie hatten nicht einmal Statuten, kein Jahresbericht wurde veröffentlicht und die Voctragsthemen wurden nicht hinausposaunt. Jeder, der am Quell der Thora schöpfen wollte, war geladen; willkommen jeder, der aus Augenblicke die Last des Tages vergeffend, an ihrem Geist sich erfrischen wollte. Nicht einmal ein Wintervergnügen, das heute jeder Verein haben muß, leisteten sie sich; es müßte denn sein, daß gerade eine