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Der Israelit · 1898-12-01 · Heft 95 (1.12.1898) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 95 (1.12.1898)
Date
1898-12-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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*> ■-- <***^JZ***&!**t&3?^^ rV«IIW«DEDWWWWWWW 1788 von den Griechen entlehnt. Aber wenn die Juden auch vielleicht von ihnen gelernt haben, so haben sie es selbstständig und mit ganz anderen Schlußfolgerungen verarbeitet. Besonders soll vieles Galen entlehnt sein; allein dieser lebte 130—200 n. d. n. Z., während die Mischna etwa um 150 geschrieben wurde. Uebrigens steckte Galen noch in hyppokratischen Saftanschauungen, wenn er auch die Wichtigkeit der Organenveränderungen zu schätzen wußte; nur von zwei Sektionen berichtet er, der eines Hahns und der eines Affen. Auch hatten seine Zeitgenoffen in Asien wohl kaum eine Ahnung von den griechischen (?) Arbeiten des in Rom praktizirenden Galen. Um die Ueberlegenheit des Talmud zu zeigen, genügen einige Beispiele. Bei Hyppokrates ist die Zahl der Knochen 91, im Talmud ganz korrekt 248. Vom System der Knochenmißbildungen ist bei den Griechen kaum die Rede. Rab nimmt an, daß die Aorta Blut führe, bei Galen führt sie Luft. R. Se'ir kannte Giftigkeit der Ausathmungsluft — bei uns erst im 18. Jahrhundert erkannt. Das Gehirn wird als Sitz des Intellekts erwähnt, wogegen sich Aristoteles noch mit allen Kräften wehrte. Zittern des Kopfes, schreibt R. Levi Höhlen im Rückenmark zu. Die Tuberkulose wird in ihrem anatomischen Auftreten klar beschrieben, von ähnlichen Prozeffen genau unterschieden und ihre Gefährlichkeit anerkannt, die erst durch Koch über alle Zweifel erhoben worden ist. Der Talmud hatte auch erkannt, daß Brustfellentzündung die häufigste Folge der Tuberkulose sei; auch das wurde bis vor einigen Jahrzehnten heftig bestritten. In Bezug auf Augen- und Frauenkrankheiten waren die Talmudisten gleichfalls überlegen. Dasjenige, was uns heute als unerreichbares Ideal vorschwebt, jedem einzelnen Individuum gesetzlich hygienische Vorschriften zu geben, nach denen es sich unweigerlich richten muß, war bei den Talmudisten erreicht. Dort hatte jedes Individuum seinen hygienischen Gesetz-Kodex (?), heute vermag der Staat nur auf Maffengesundheit zu wirken. Da ist es zu begreifen, daß die Juden des Mittelalters trotz Ghetto und aller Angriffe auf ihr Leben nicht der Vernichtung anheimsielen. Die Medizin des Talmuds, die Jahrtausende überdauerte und ihrer Zeit Jahrtausende vorausgeeitt ist, zeigt die göttliche Hand in diesem Schriftthum, und heute wie je gilt von ihm das Wort des Ben Bag Bag: „Drehe es und wende es, wie du willst, stets wirst du Großes und Bedeutendes und Wahres darin finden." Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest, 24. Nov. Die katholische Volkspartei gründete in vielen Städten christliche Konsum vereine, um ihren Anhängern zu ermöglichen, ihren Ruf: „Kaufet nicht bei Juden!" zur That werden zu lassen. Angesichts der vielen Mißbräuche, die sich die Leiter derselben zu Schulden kommen ließen, richtete nun der Zipser Bischof Paul Szmrecsanyi an die Geistlichkeit seiner Diözese einen Hirtenbrief, in welchem er ihr die Pflege der Konsumvereine wohl ans Herz bindet, aber die den Zielen solcher Verbände ganz entgegengesetzten Bestrebungen streng verurtheilt. Der Kirchenfürst führt unter anderem Folgendes aus: „Die größte Sorgfalt ist darauf zu richten, daß die Kaffen- und Waarenwerwälter moralisch vollkommen verläßliche Männer seien und die auch materiell die erforderliche Garantie bieten sollen; der Direktions- und Aufsichtsrath aber werde aus den intelligentesten, materiell unabhängigen, achtenswerthen Mitgliedern des Publikums konstituirt. Dabei muß von dem Konsumverbande ferngehalten werden einerseits die übertriebene Gewinnsucht, andererseits der Rassenhaß und der ausschließliche Geist der Parteipolitik. Es darf niemals außer Acht gelaffen werden, daß den Zielen des Verbandes ganz entgegengesetzte, von diesen allweichende, fremden Zwecken dienende Bestrebungen früher oder spater den Verband zu einer Krise führen würden, deren unausbleibliche Rückwirkung in erster Reihe der Geistliche zu fühlen hätte; hingegen wird ein gut organisirter, nach gesunden wirthschaftlichen Prinzipien wirkender Verband zu einem wirkungsvollen Faktor in der Erreichung der zum Kreise des Pastoralen Berufes gehörenden hehren Ziele werden." Amerika.? St. LouiS. Auch unsere Stadt ist ein Zufluchtsort für Tausende der flüchtenden russischen Juden geworden, die hierher allerlei neue Industrie eingeführt haben. Man schätzt die russischen Juden hier auf mindestens 15,000 Seelen, die meistens in der Bekleidungsbranche arbeiten. Ihre geschickte und billige Arbeitskraft hat der hiesigen Kleiderindustrie einen ganz besonderen Aufschwung verliehen. Die italienischen Arbeiter arbeiten zwar ebenso billig, aber lange nicht so gut, wie die Juden. vermischtes Magdeburg. Im Berliner Tageblatt wiro darüber .«läge geführt, daß ein hiesiger jüdischer Arzt, der sich jlvor zwei Jahren hier niedergelassen hatte, auf seine zweimalige Meldung zum Beitritt za der hiesigen Medicinischen Gesellschaft von dieser mit großer Stimmenmehrheit abgelehnt worden ist. Ene Begründung der Ablehnung wurde nicht gegeben; doch will der Betreffende dahin aufgeklart werden, daß er von der Medicinischen Gesellschaft nur deßhalb ausgeschlossen worden sei, weil er Zude ist. „ Nun gehören," so heißt es dann in dem Schreiben wcitcr, „aber trotzdem schon mehrere jüdische Aerzte der Gesellschaft als Mitglieder an, und einer von diesen Herren hat es für angemessen befunden, nach erfolgter Abstimmung eine Erklärung zu fordern und eine Discussion über die Gründe der erfolgten Ablehnung herbeizuführen, ist jedoch mit dem Bescheid zurückgewiesen worden, daß ein Discussion hierüber nicht zulässig war. Eine Motivirmig des gegebenen Bescheides ist ebenfalls nicht erfolgt.

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