Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1898)
- Date
- 1898-12-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448945--47232-2497577- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1780 das Kol-Nidre Gebet in jüdischem Terte gebracht, die Uebersetzung natürlich so, wie man sie am besten zum Hetzen und Lügen brauchen kann, corrigirt und dazu bemerkt: Wie man mit einem Volke in Frieden leben könne, das seine Schwüre von vornhinein als nichtig erklärt, da müßten die Juden freilich jeden Prozeß gewinnen »c. Natürlich wußte der Artikelschreiber recht gut, daß er infam und niederträchtig gelogen, da ja schon längst auch von christlichen Gelehrten festgestellt ist, daß sich das Kol-Nidre nur auf die Gelübde betreffs der eigenen Person, niemals aber auf gegenüber Anderen eingegangenen Verpflichtungen beziehen kann. Trotzdem spricht er in der neuesten Nummer von der Klage des „jiid. Denunziantenvereins". Der antisemitischen Preffe, die einzig und allein vom Denunziren, Verdrehen, Lügen und Ehrabschneiden ihr schmutziges und abscheuliches Dasein fristet, steht es gut au, von einem Denunziantenverein zu sprechen. Wenn irgendwo ein Verbrechen oder eine Gesetzwidrigkeit geschehen, so ist selbe nach dem „Deutschen Vollsblatt" unzweifelhaft von einem Juden begangen worden und wenn die rein-christliche Abstammung des angeblichen Juden auch bis auf Gottfried von Bouillon zurück bewiesen wird, thut nichts, so war es doch ein Jude, weil es den Antisemiten so in den Kram paßt. So brachte es die hiesige Antisemitenpresse fertig, aus Piquart, Brisson, Scheurer-Kestner u. A. Juden zu machen. Bei Besprechung der gegen ihn angestrengten Klagen bemerkt der Herausgeber des D. V. mit der ihm eigenen Bescheidenheit: „Natürlich werden wir den lieben mosaischen Mitbürgern in allen Fällen gehörig die Zähne zeigen." Werden die aber zittern und in die Knie sinken, wenn Wenng ihnen die Zähne zeigt.' In seinem Größenwahn hält er sich wohl selber für den „furor teutonicus“, der durch die Klagen der Juden geweckt werden soll, wie er nämlich meint. „Dem l5entral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" will er ein für alle Mal sagen, daß ihn derselbe nach Belieben denunziren kann, und daß derselbe aus den bereits stattgehabten 30 oder 40 Prozeßverhandlungen lernen könne, daß das D. V. auf die verehrliche Judenschaft huste. Das Deutsche Volksblatt und seine Preßkosaken können sich hingegen ihrerseits gesagt sein lassen, daß weder der Centralverein d. St. j. Gl., noch die sonstigen berufenen Organe sich durch die großsprecherischen tapfer klingen sollenden Phrasen von Maulhelden und Zungendreschern davon abhalten lassen werden, sich um ihr gutes Recht zu rühren. Die dreißig oder vierzig verlorenen Prozesse würden — wenn es auch noch viel mehr wären — kein Abschreckungsmittel bilden. Herr Wenng mag sich selber sehr heldenhaft Vorkommen, wenn er im D. V. dröhnend auf sein Rüstzeug schlägt; er wird aber die Leute, die ihm so unbeguem sind, nicht einschüchtern. Diese werden ihm nach wie vor scharf auf die Finger sehen und wie schon so oft, auch noch manches Mal tüchtig auf die Finger klopfen. Der Artikel schließt ungemein herrisch: „Das Fürchten werden uns die Juden nicht lernen." Wie weit betreffs des Fürchten die Fähigkeiteu beim D. V. ausgebildet sind und ob es noch eines Lernen bedürfte, wissen wir nicht. Eines sollte es aber zweifellos lernen, gleichviel ob von den Juden oder von wem sonst, nämlich das Schamgefühl. vermischtes. Berlin, -7. Rov. Zum Rabbiner der jüdischen Eemeiv.dc in Berlin ist Dr. (stoldschmidr zu Uönigshütte von der gemischten stonnnission gewählt worden. Die Wahl liat noch die (stenehinigung der 'ilepväfcntanteu tu fiitbeit. Worms. Der Vorsteher der ier. Religionögeineindc zn Eich, hiesigen Rabbinats, Inda (stnttmann, bat vom Großherz'oge anlässlich dessen Geburtstages das allge-, meine Ehrenzeichen für langjährige treue Dienste erhalten. Gloqan .sterr Rabbiner Tr. B e u j a m t u R ivvner ein vorzüglicher Ka izelredner, der sog liberalen Richtung als einer der Hanpjsührer angehörend, ist nach langwierigem peiden mit -s. d. Mts. gestorben 2N Iavre waltete er hier seines Amtes. Jttfterbnrg 25. Rov. Der gestern oom kansmännischen Verein im Gc'ellschaflshanse veranstaltete Vortragsabend ivar so rege besucht, das; das Vereinsziiitmer die Zahl der Erschienenen kaum zu fassen vermochte. Ruf der TageSord nnng stand ein Vortrag des vertu Rabbiner Dr. Beer mann über „Iansmche Probleme vor Göthe". Der Red ner, der in sarbenprächtigen Bildern sprach, wußte die Aufmerksamkeit der zahlreichen Zuhörer durch seine ebenso interessanten wie geistreichen Ausführungen bis zum letzten Atigenblick zn fcstelii: einen formvollendeteren Vortrag ivird man liier nicht oft gehört haben. Säinintliche hiesige Blätter, selbst daö konservative „Lstprenß. sageblatt", ergehen sich über den Redner, wie über Inhalt und Iorm des Vortrages, in den höchsten VobeSerhebungen. «Die Hochflmh der diesjährigen Vorträge gestaltet uns leider nicht, aus das Thema selbst näher einzugehen. Red.» Berichtigung. In dem Artikel stondon von Nr. v-l, Seite 1757, Spalte 2, >2. Zeile v. o., nun) eS heißen: die Wohlfahrt deS heiligen VandeS. Briefkasten der Redaetion. Auf verschiedene Anfragen: Iahrzeit von Rabbi tcstincha Bamberger 7"Lt ist heute den 14. Kislew. M. Sch. in G.: Ausnahme Ihres frenndl. gesandten Artikels folgt in nächster Rümmer. Sie haben Recht, man kann dazu nicht länger schweigen. Briefkasten der Expedition. L. V. F.: Betrag von M- 15 bankend erhalten-