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Der Israelit · 1898-12-01 · Heft 95 (1.12.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 95 (1.12.1898)
Date
1898-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1772 die Wahrhaftigkeit der biblischen Erzählungen, soweit solche angezweifelt werde, drei Momente anführte: „Die Tradition, die Forschung innerhalb des Schristthums und die tatsächlich übereinftimmendenForschungSergebnisse der Hieroglyphen- und Keilinschristen, sowie der neuesten Ausgrabungen im Orient, welch letztere insbesondere die bisher verstocktesten Sceptiker in aufrichtige Bekenner des Bibelworts verwandelte. Das Buch Esther war es vornehmlich, welches von vielen Gelehrten, sowohl innerhalb wie außerhalb des Judenthums als apokryph bezeichnet und in das Bereich der Fabel verwiesen wurde. Dem zu ihnen gehörigen bedeutenden Gelehrten Professor Julius O p p e r t in Paris (ein geborener Hamburger) war cs darum zu thun, durch seine Forschungen auf dem Gebiete der archäologischen Studien, die von ihm vertretenen Ableugnungen zu beweisen, er mußte aber ehrlich bekennen, daß er sich geirrt und freudig erklärte er, daß Alles, was im Buche Esther erzählt, durchaus und buchstäblich wahr sei. So ginge es auch anderen Forschern, als sie dazu gelangten, bis dahin unverständliche Hieroglyphen und Keilinschristen zu entziffern. Es wäre nicht möglich, auch nur annährend die große Menge des mit bewundernswerther Ausdauer durch wiffenschaftliches Forschen beigebrachten Materials des Redners hier behandeln, oder auch nur im Extract wiedergeben zu wollen, das würde unzweifelhaft den zur Verfügung stehenden Raum bei Weitem überschreiten; genug der Redner bekämpfte und beseitigte an der Hand des Dargebotenen, alle von Ungläubigen erhobenen Zweifel mit logischer Schärfe in solch überzeugender Weise und befriedigte damit seine, ihm mit gespannter Aufmerksamkeit folgenden, überaus zahlreich erschienenen Zuhörer, so vollends, das diese ihm beim Schluffe des Vortrages nvn lrmro no« brausenden Beifall zollten und viele den Wunsch auf Drucklegung der für weite Kreise glcichintereffanten Arbeit zu erkennen gaben. H. B. Frankreich. Paris, 28. Nov. Es ist schon darauf hingewiesen worden, daß die Affaire DreyfuS ihren Schatten in einem Roman vorauswarf, welcher inehr als ein Jahr vor der gegen den Kapitän erhobenen Beschuldigung des HochvecratheS erschienen ist. Der Roman erschien im Petit Journal und heißt „Die beiden Brüder". Sein Autor ist Louis Letang. Im November 1891 wurde. Capitän DreyfuS verdächtigt und verhaftet. Schon im Juni 1893 erschien dieser Roman, welcher bis in alle Details die Affaire DreyfuS darstellt, ein umgekehrter „Schlüsselroman", welcher Ereignisie erzählt, die erst in einer späteren Zukunft wirklich eingetreteen sind. Ein junger Officier, Hauptmann Philippe Dormelles, hat soeben eine Position im Kriegsministerium erhalten. Zwei seiner Collegen, Amelien und Daniel wollen ihn verderben. Eine Frau ist das Motiv ihres Haffes. Amelien, so heißt es in dem Roman, sein Monocle mit einer sicheren Geste ins Auge kneifend, sagt zu Daniel: Philipp Dormelles kennt durch seine Stellung im Kriegsminifterim alle Geheimniffe der nationalen Verteidigung. Da man diesen Menschen nicht durch einen Unfall verschwinden laffen kann, werden wir ihn entehren, er wird dadurch auch sicher getödtet. Daniel, welcher in seinem Kopfe lange Zeit den Plan mit bis in die kleinsten Details ausgearbeitet hatte, erwidert darauf: Das ist sehr leicht, der Chef des Dormelles, Oberstlieutenant Alleward, ist mein Freund, und ich brauche, wenn ich in das Kriegsmininisterium komme, mich nur umzusehen, wo sich die Schachtel mit den geheimen Aktenstücken befindet. Man kann dem Chef des Capitäns Philippe Dormelles leicht ein compromittirendes Aktenstück in die Hände spielen, welches er dann unter den geheimen Papieren findet. Man schreibt ein Couvert mit der Adresse des Francis Merz, von welchem man in Paris weiß, daß er der Strohmann des Mayors v. Slippen, des Chefs der Spionage des deutschen Generalstabes ist. Ein Brief mit einem geschickten Text wird hineingelegt, welcher von der Schrift des Dormelles ist, die so ausgezeichnet nachgeahmt ist, daß Philippe selbst kaum leugnen kann, daß es seine Schrift sei. . . . Die Fälscher setzen sich zusammen, entwerfen den „geschickt fabricirten Brief" und sind entzückt, wie ausgezeichnet die Fälschung gelungen ist. Man hat dem Chef des Philippe Dormelles das Aktenstück, welches an einen fremden Militär-Attache adressirt ist, in die Hände gespielt. Dormelles wird natürlich verhaftet; man sendet ihn in das Gefängniß Cherche-Midi. Daniel, der Fälscher, sagt, daß man nun die Presse benützen müffe, um die öffentliche Meinung gegen den Hochverräter aufzuregen. „An demselben Abende der Verhaftung muß ein mir ergebenes Journal einen großen Lärmartikel veröffentlichen, welcher Phillippe Dormelles des Hochverrathes anklagt." Das geschieht im Roman und das geschah bekanntlich auch in der Wirklichkeit. Im Roman heißt die Zeitung Le Vigilant. Auf der ersten Seite erzählt sie von dem Hochverrath, welchen Hauptmann Philipp DormelleS begangen hätte, indem er geheime Dokumente an eine fremde Macht ausgeliefert hat. Dieser Artikel schließt mit den Worten: „Eine'Hausdurchsuchung wurde in der Wohnung des Verräthers vorgenommen und führte zur Entdeckung wichtiger Dokumente, welche sich insbesondere auf die Fabrikation des rauchlosen Pulvers beziehen. Philippe Dormelles war gezwungen, fein Verbrechen.einzugestehen. . . ." Dasselbe war in der Wirklichkeit der Fall. Der KriegSminister^Mercier wurde, durch

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