Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1898)
- Date
- 1898-11-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1729 Mittagsmahl hielt die Mitglieder noch lange in froher Stimmung zusammen. Der Schriftführer der Unterstützungs-Kaste: Lehrer Katzenstein. Eydtkuhnen, 17. Nov. In der Generalversammlung des Kriegervereins wurde ein jüdisches Mitglied, und zwar ein ehemaliger tapferer Kämpfer im letzten Feldzuge, in den Vorstand hineingewählt. Aber ein jüngerer Kamerad glaubte sich für berechtigt zu halten einen Protest gegen die satzungsgemäß vollzogene Wahl zu erheben. Mit diesem Protest batte nun der wackere Kamerad kein Glück, und Die Versammlung lehnte daher diesen Widerspruchsantrag ab. Allein mit dieser bloßen Zurückweisung des Protestes gab sich der Vorsitzende des Kriegervereins, ein Reserveoffizier nicht zufrieden. Vielmehr setzte er in seiner Entgegnung auseinander, daß es nicht die Aufgabe und der Zweck der Kriegervereine sein könne und dürfe, religiösen und nationalen Hader zu säen, sondern daß ihre Bestimmung einzig in der Pstege kameradschaftlicher und patriotischer Gesinnung bestehe, und daß die Kriegervereine dementsprechend wirken müßten. Leider habe ein Vereinsmilglied eine gegentheilige Gesinnung an den Tag gelegt. Er sehe sich daher in Anbetracht der schweren Kränkung, die einem verdienten Krieger und alten Mitgliede von einem jüngeren Kameraden zugefügt worden, veranlaßt, die Streichung dieses letzteren aus der Mitgliederliste zu beantragen, sonst würde er selbst auf die Weiterführung des Vorsitzes verzichten müffen. Der Antrag wurde in der sofort eingeleiteten Abstimmung angenommen und der Störenfried aus dem Kriegeroerein entfernt. Hoffentlich wird das gegebene Beispiel auch weitere gute Früchte tragen. Der Antisemitismus ist nirgendwo anders so verwerflich wie in der Armee und den aus ihr sich rekrutirenden Kriegervereinen. Frankreich. Paris, 17. Nov. (NiedermitdenJuden.) Der lustige Alfred CapuS gibt im „Figaro" das Gespräch des antisemitischen Abgeordneten Lasies mit dem Gewaltherrn Drumont während der letzten Kammersitzung wieder. Lasies hat soeben geschrieen: „Nieder mit den Juden! Einige seiner Kollegen beglückwünschen ihn zu dieser Helventhat aufs lebhafteste. — Lasies (bescheiden) : „Zu liebenswürdig, meine theuren Freunde, zu liebenswürdig! ..." — Em Deputirter: „Nein, nein. Sie haben es großartig gemacht ... und welche Stimme!" — Lasies: „Wißen Sie, ob der Meister zufrieden ist?" — Der Deputirte: „ — Drumovt! Aber er muß entzückt fein! . . . Ueberdies kommt er dort selbst, sicher um Sie zu beglückwünschen." — Lasies (sich tief verneigend): „Theurer Meister . . ." — Drumont (zerstreut): „Guten Tag, Lasies, guten Tag" — Lasies: „Darf ich es wagen, Sie zu fragen, wie Ihnen meine kleine Rede gefallen hat?" — Drumont: „Welche Rede?" — Sie haben eine Rede gehalten?" — Lasies (ein wenig au« der Faffunq gebracht): „Mein Gott. . . man kann da« eigentlich keine Rede nennen, gewiffermaßen ..." — drumont : „Kurz! lieber wa« haben Sie gesprochen? Ich habe nichts gehört." — Lasies: „Ich war e«, welcher rief: „Nieder mit den Juden!" — Drumont (ote Stirne runzelnd) „Wahrhaftig, ich erinnere mich ..." — Laste« (stotternd): „Ich glaubte, daß e« Ihnen angenehm fein würde . . Drumont (ihm die Hand auf die Schulter legend): „— Laste«?" — Lasies: „Meister?" Drumont (kalt): „Sie erweisen mir die Freundschaft, künftighin in der Deputirtenkammer nicht mehr zu rufen: „Nieder mit den Juden!" Wenn ich wünschen sollte, daß „Nieder mit den Juden" geschrieen wird, dann werde ich e» selbst thun. Da« ist meine Sache, und kein anderer als ich darf diesen Ruf verkünden." — Laste«: „— Aber ..." — Drumont: „Ich ermächtige Cie „Nieder mit den Juden" zu rufen auf der Straße, oder im Cafe, oder in öffentlichen Versammlungen, aber nicht in der Kammer. In der Kammer rufe ich allein. Ich vermuthe, daß Sie nicht so anspruchsvoll sind „Nieder mit den Juden", öfter zu schreien als ich?" — Lasies (zitternd): „— O!" — Drumont: „In Zukunft bitte ich Sie also zu schweigen . . Lasies (vollständig geknickt und kopflos) „darf ich rufen „Es leben die Juden!" — Drumont: „Schreien Sie überhaupt nicht mehr, das wird bester sein." Rußland.? St. Petersburg. Die Geistlichen der orthodoxen Kirche haben von dem „Heiligen Synod" ein Circular erhalten, in dem sie aufgefordert werben, sehr vorsichtig zu sein, wenn Juden den christlichen Glauben annehmen wollen. Besonder« sollen sie genau prüfen, ob der Tauskandidat nicht etwa äu« materiellen Gründen übertreten will, besonders um damit das Wohnrecht in ganz Rußland zu erwerben. Sobalv ein solcher Verdacht irgend wie vorhandm ist, soll der Tanfkanvidat unerbittlich zurückgewiesen werden. Eine genaue Befolgung dieser Vorschriften würde die Zahl der Uebertritte von der jüdischen auf die christliche Religion auf ein Minimum reduziren. Der Akt des Baron Günzburg wird erfreulicherweise bald Nachahmer finven,esheißr,daßLazareBrodSky sein Grundstück Ouatolicotea, das em Fläch, nraum von 48,600 Acres hat, für die gleichen Zwecke bestimmt hat. Auf diesem Terrain könnten 720 Familien untergebracht werden. Hoffentlich folgen noch andere jüdische Großgrundbesitzer diesem Beispiel. — Der bekannte Orientalist Pereferkowitsch hat ein Buch erscheinen lasten unter dem Titel: „Was ist der