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Der Israelit · 1898-11-21 · Heft 92 (21.11.1898) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 92 (21.11.1898)
Date
1898-11-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1709 Fe«lllet»«. Verkauft. Eine Erzählung aus Ungarn. 26) Von Samuel B. Rosuer. Nachdruck verboten. Die Worte des jungen Mannes waren wie ein Feuerbrand in die ruhige Seele des Mädchens gefallen. Sie konnte eine eigenartige Aufregung den ganzen Tag nicht los werden. Es war ein Weckruf gewesen, an die gewaltigen Geister der Leidenschaft, die bei ihr bisher unter der weißen Hülle kindlicher Unschuld geschlummert hatten. Nicht die Person Glasers, die ihr vollkommen gleichgiltig war, übte diese Wirkung aus, sondern seine Worte. Es blieb Alles ruhig in ihr bei dem Gedanken an die Person Glasers, aber seine Worte beschworen in ihr die Ahnung einer Empfindungswelt herauf, die so unendlich verschieden war von Allem, was sie bisher gefühlt und empfunden. Sie war auffällig zerstreut und forderte dadurch die stichelnden Redensarten der Mädchen heraus. Rudolf ging schweigsam und mürrisch im Hause umher. Allmählig jedoch traten die abnormen Erscheinungen wieder zurück und die Dinge im Hause des Professors Felder nahmen ihre alte Physiognomie wieder an. Nur in dem Verhältnisse Rudolfs zu Schulamit bildete jener Tag einen tief einschneidenden Wendepunkt von bleibender Wirkung. An die Stelle der früheren, familiären Herzlichkeit war von Seite Rudolfs ein verschloffener Ernst und kühl-höfliche Gemeffenheit getreten. Einige Zeit entging diese Veränderung in dem Benehmen Rudolfs der Aufmerksamkeit Schulamits. Es war ja auch nicht möglich, daß sie es wahrnehme, wendete sie ihm doch kein gesteigerteres Jntereffe zu, als den übrigen Familienmitgliedern. Wenigstens dünkte ihr, als ob dem so wäre. Es war aber in Wirklichkeit keineswegs der Fall. Es giebt ein großes Gebiet des unbewußten Seelenlebens, welches insbesondere bei solchen Individuen vorherrscht, bei denen das Gemüth den Verstand überwuchert. Gleichsam unter der Oberfläche bilden sich bei solchen Personen mächtige seelische Formationen und beeinfluffen ihr ganzes Thun, ohne daß sie von deren Existenz klare Kenntniß hätten. Schulamit wurde plötzlich von einer schmerzlichen Niedergeschlagenheit befallen, deren Ursache zu entdecken sie vergeblich bemüht war. Wie ein unbestimmter, dunkler Schatten bedrückte ihr etwas die Seele. Sie war einsilbig niedergeschlagen und suchte die Einsamkeit. Von Frau Felder zur Rede gestellt, gerieth sie in Verwirrung und wußte keine bestimmte Antwort zu geben. Endlich brachte ihr ein unverhoffter Moment die Aufklärung. Es war bei einer Gelegenheit, als eine befreundete Dame mit ihrer Tochter, einem anmuthigen Mädchen von siebzehn Jahren, zu Besuche anwesend war. Man saß im Salon beisammen. Frau Felder unterhielt sich mit ihrem Gast, während Rudolf seinen ganzen Witz zur Unterhaltung des Mädchens aufwandte. Er war ein angenehmer Gesellschafter und versenkte sich derart in das Gespräch mit seinem Gegenüber, daß alle übrigen anwesenden Personen, Schulamit mitinbegriffen, für ihn nicht zu existiren schienen. Da fühlte Schulamit einen stechenden Schmerz in ihrem Herzen und ein ungekanntes, unendlich bitteres Gefühl quoll in ihr empor. Es war ihr so unsäglich elend ums Gemüth, daß sie ihre ganze Willensstärke auswenden mußte, um nicht in Thränen auszubrechen. Sie begann eine ostentativ laut geführte Conversation mit Herminen, wobei sie sich aber dennoch nicht enthalten konnte, von Zeit zu Zeit zu Rudolf hinüberzuschielen. O, der Nichtswürdige.' Er wollte noch immer nicht von ihr Notiz nehmen, machte durchaus keine Miene, vor Aerger aus der Haut zu fahren. Ja, wenn sie ihn wenigstens mit irgend einem hübschen jungen Mann hätte ärgern können. Aber so — was konnte ihm daran liegen, daß sie mit Herminen plauderte! Eine Weile ertrug sie es geduldig, doch endlich fühlte sie ihre Kräfte ermatten. Sie vermochte es nicht länger, mit anzusehen und auf einmal war ihr die Ursache all ihrer Unruhe und Bekümmerniß in den letzten Tagen klar geworden. Sie empfahl sich, so rasch als es anging, ohne auffallend zu werden, von der Gesellschaft und eilte in ihr Zimmer, wo sie in heftige Thränen ausbrach. Sie kränkte sich über die beleidigende Nichtbeachtung — gewiß, über nichts anderes sonst. — Allerdings es war eine ganz kindische Empfindelei von ihr — nichts anderes, absolut.' — aber ja, sie wollte kindisch, sie wollte empfindlich sein! Es lag ihr ja eigentlich nichts an dem ganzen Rudolf, aber es war empörend von ihm, daß er es auf ihre Verletzung abgesehen hatte, in dem Hause seiner Eltern, wo sie doch fremd und ein Gast war. Und sie glaubte sich plötzlich in dem sonst so gastlichen Hause von einem solchen eisigen Hauch der Liebelosigkeit angeweht, daß sie gerne auf der Stelle ihre Sachen gepackt und schnurstreichs heimgelaufen wäre zu Väterchen und Mütterchen, wo ihr solche Kränkungen erspart blieben. Nachdem sich aber die leidenschaftliche Erregung gelegt hatte, begannen kühlere Gedanken in ihr auf-

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