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Der Israelit · 1898-11-21 · Heft 92 (21.11.1898) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 92 (21.11.1898)
Date
1898-11-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIX. Jahrgang. M 99. Der Zsraelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthuin' Begründet von Dr. H>fjmanu in HHain} Montag, den 21. November 5659 (1898). s r Eine Mrrvk nbonnilt man bei allen Postanstalten sür den Monat Dezember auf den „Israelit", Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungoschalter des Wohnsitzes des Bestellers ober bei dein betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Expedition des „Israelit". Leitender Artikel. Etwas über das Kaddischgebet. Von Rabb. Dr. Mar Beermann-Insterburg. Nächst dem Einheitsbekenntniß des Schma und dem Gebet der 18 Benediktionen wird das Kaddischgebet seit alter Zeit ganz besonders verehrt von allen jüdischen Betern. Es hat auch heute, da so vieles aus dem herrlichen Schatze heiliger Güter der großen Masse verloren gegangen ist, fast unangefochten seine Weihe- und Würdestellung in der Synagoge und im jüdischen Volksleben behalten. Auch moderne Dichtungen jüdischer Poeten — wir denken vor Allen an Dr. Mendel Hirsch's „Kaddisch", Jeschurun X — und homiletische Essais bedeutender Kanzelredner suchen es sür die gesummte Weltanschauung und Lebensauffassung des Judenthums als höchst bedeutsam zu verwerten und die herrlichen Ideen, die in ihm wie die Perle in der Muschel verborgen ruhen, zu heben und mit Tiefblick und Forschersinn darzulegen. Neu ist diese Behandlung des Kaddischgebet nicht, neu ist nur Manches, was da hinaus- oder hineingelesen wird; auch frühere Zeiten haben ihr gesammtes Glaubensbewußtsein in den schlichten und doch tiefsinnigen Worten des'^Kaddischgebetes wiedergefunden und ihre sehnsuchtsvollen Träume an den innigen Lauten dieses Gebetes angerankt. Ein Gebet, das so häufig und doch unter so ganz verschiedenen Verhältnissen und unter den entgegengesetzten Stimmungen gesprochen wird, das wie eine süße Melodie leis und lind das ganze gottesdienstliche Leben in allen seinen Wandlungen t begleitete, es mußte religiöse Gemüther zur sinnigen Betrachtilng anregen. Schon der äußere Umstand, daß es nicht in der heiligen Sprache, sondern in aramäischer Mundart abgefaßt war, fiel auf. Um eine Erklärung dieser Eigenthiimlichkeit war man nicht verlegen. Das Gebet sei wegen seines herrlichen Inhaltes und seiner erhabenen Lobpreisungen Gottes, selbst für Engelchöre von so außerordentlicher Schönheit, daß sie uns um dieses Gebetes beneiden würden, falls wir es in der ihnen bekannten heiligen Sprache beteten. Soweit die Volkserklärung, die von den kritischen Tosaphisten zu Berachoth S. 3 a in gewohnter ®vünt>-- lichkeit widerlegt wird Dort findet sich folgender Grund für die aramäische Fassung; es sei wegen der Unwissenden und des Hebräischen Unkundigen, die ebenfalls den Lehrvortrag besuchten («rm* ire) in der damaligen Volkssprache, dem Leschon Targum, abgefaßt worden. Besonders reichhaltig ist die mystische Exegese zu dem Gemeinderesponsum am rrse* n\ In früherer, talmudtscher Zeit, wo die Gemeinde dem Gebets- Vortrag des Gemeindevertreters fast passiv zuhörte und nur die bekannten Responfionen einfügte, war der Satz '"i rvotr tt ein Gegenstand ganz besonderer heiliger Verehrung. Bekannt ist die Boraitha in Berachot 3a. Rabbi Jose erzählte: Einmal war ich unterwegs und trat in eine der Ruinen Jerusalems,

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