Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1898)
- Date
- 1898-11-17
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Herr P i p a n o ist dieser schweren Aufgabe gewachsen. Er besitzt die Kunst der Rede und das Anpassungsvermögen, die auf die Volksseele Eindruck machen. Er drückt sich mit einer so natürlichen Einfachheit aus, dass sogar die Kinder seinen Worten mit Leichtigkeit folgen können, und trotz dem Ernst des Themas versteht er es, seine Rede durch moralische Betrachtungen, durch ansprechende Anekdoten und Einzelheiten so zu schmücken, dass seine arme Zuhörerschaft gespannt und gehoben wird. Oft habe ich mir die Freude bereitet, diesen Vorträgen beizuwohnen. Der letzte, den ich hörte, behandelte den Exodus, und es dürfte schwer halten, ein Publikum zu finden, das mit mehr Schweigen und Wohlwollen, mit mehr Andacht und Aufmerksamkeit die Worte des Herrn D. P i p a n o in sich aufnahm. Dabei giebt es keine geräuschvollere Menge als diese nämlichen Leute, wenn sie der Strasse und ihren täglichen Beschäftigungen zurückgegeben sind. Und ich kann Urnen versichern, dass dieser im Tempel „Maj o r“ gegebene gründliche Moralunterricht seine Früchte trägt. Urtheilen Sie selbst. Naeli der Rede und dem Minchah-Gebete zieht sich ein grosser Theil der Menge zurück. Da näherte ich mich dem Rabbiner und frug ihn, was er von dem moralischen Erfolge seiner Predigt halte. „Ein jeder meiner Zuhörer kehrt beruhigter nach Hause zurück, und wiederholt gewissenhaft seiner Frau und seinen Kindern, was er verstanden hat; er empfiehlt ihnen, meine Rathschläge zu befolgen, und ist dies das beste und schmeichelhafteste Lob für mich." Dies ist meiner Ansicht nach, nützliche und gesunde Arbeit, und ich wünsche allen unseren Gemeinden einen Rabbiner Pipano. -*..... > i--- Bericht des Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina für das Jahr 1897. Frankfurt a. NI., Juli 1898. Den Bericht können wir diesmal mit einer erfreulichen Nachricht beginnen. Unsere Anstalt genügte schon lange nicht mehr für die stets wachsende Zahl verlassener jüdischer Waisenkinder. Jede Post brachte Gesuche um Aufnahme, die wir mit blutendem Herzen aus Mangel an Raum stets ab weisen mussten. Von der Notwendigkeit, unsere Anstalt zu erweitern, überzeugten sich auch alle Diejenigen, welche bei einem Besuche des heiligen Landes unsere Anstalt in Augenschein nahmen, und deren waren nicht Wenige. Sie Alle gaben ihrer Ansicht, dass eine Vermehrung der Zahl unserer Zöglinge der dortigen Bevölkerung zum Segen gereichen würde, auch schriftlichen Ausdruck. Zu den Besuchern, welche alle Institutionen Jerusalems aufs Gründlichste inspizirten, gehörte Herr Bönödict, Inspektor der Schulen der Alliancelsraölite Universelle aus Paris. Nun hatte uns der Direktor unseres Waisenhauses, Herr Dr. Grünhut, bereits im Juli 1898 eineu gründlich durchgearbeiteten Plan des Kgl. Württemb. Bauraths, Herrn Conrad Schick in Jerusalem übersandt, der zunächst den Aufbau eines Oberstocks empfahl und dann stufenweise weiteren Ansban des Hauses in Aussicht nahm. Herr Dr. Grünhut, der im Herbste 1897 ans Gesundheitsrücksichten Europa besuchte, drang mündlich in uns, doch endlich den ersten Theil des Planes znr Ausführung zu bringen. Ohne eigene Mittel zu einer derartigen Ausgabe, wandten wir uns im Juni 1898 an Frau Baronin von Hirsch in Paris. Diese hochherzige Frau, deren edles Herz niemals vergebens angerufen wird, wenn es sich um die Linderung der Noth handelt, stellte uns alsbald den Betrag von 12.500 Mark zur Verfügung, worauf wir die nöthigen Anweisungen nach Jerusalem gaben. Tausend Dank sei der edelmüthigen Spenderin dargebracht. Ihr Name wird auf der Tafel unserer Stifter verzeichnet werden, und segnende Dankbarkeit in den Herzen der Kinder, die durch ihre grossmüthige Hilfe zu einem menschenwürdigen Dasein gelangen, wird ihr für ewige Zeiten erhalten bleiben. Von den Zöglingen, die im Vorjahre in der Anstalt sich befanden, sollen drei, nämlich David Rosenfeld, Isaac Karetzky und Isaac Amdursky, ihre Ausbildung im Ackerbau in „Mikweh-Iisrael" finden. Da die Aufnahme nur im September stattfindet, so benützen wir die Zeit bis dahin, um sie im Französischen weiter ausbilden zu lassen, welches dort die Umgangssprache bildet. Zwei andere Zöglinge, 8. Biwas und David Gutmann, sind bei Handwerksmeistern untergebracht. Gleiches wird demnächst mit David Keke geschehen. (Fortsetzung folgt.) Druck der Job. Wirth’achen Hofbachdruckerei Actieu-Geseilschaft, Mainz.