Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-11-17 · Heft 91 (17.11.1898) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 91 (17.11.1898)
Date
1898-11-17
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448941--47140-2497481
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1700 dem Vereinsvorsitzenden den Austritt aus dem Verein anzuzeigen. Zum Schluffe spricht der Vorsitzende noch seinen Dank für die Ovation aus, die ihm zu seinem Amtsjubiläum am 15. Mai d. I. seitens oes Vereins dargebracht worden, und die ihm als Beweis der Zusammengehörigkeit so wohlgethan hat. Es folgen nun vertrauliche Mittbeilungen vom Verbände und Vorlesung eines Begrüßungsschreibens von diesem und dem D.-J. G.-V. Die Versammlung nimmt darauf Kenntniß von der Gewährung des Verbandszuschuffes und beauftragt den Vorsitzenden, dem Verbandsvorsianoe Anerkennung und Dank für die bisherige ersprießliche Thätigkeit auszusprechen. Vorsitzender legt Eremplare vom „Israel. Jugendfreund", herausgegeben von Flanter mit warmen Empfehlungsworten auf den Tisch des Hauses nieder. Ebenso warm werden das von Dr. Bamberger— Schrimm herausgebene Schulbuch: „Pirke Aboth", und das von Hauptlehrer N. Eschwege—Höchberg verfaßte Werkchen „Daß Jehudi's" (bei Kaufmann— Frankfurt a. M.) für den Schulgebrauch empfohlen auch Herzberg. „Für unsere Unmündigen" vorgelegt. Herr Dr. Löb fragt den Vorsitzenden, woher es komme, daß die Wahl von Rabbinern zu Delegirten beim Verbände nicht anerkannt werde. Der Vorsitzende antwortet, ihm sei von einer solchen Ausschließung nichts bekannt. Nun erhält Dr. Mannheimer das Wort zu seinem freien Vorträge über das Thema: „Die Aufgabe des jüd. Lehrers besonders an Orten, wo kein Rabbiner ist." Einleitend zu diesem Vortrage, der von tiefer Sachkenntniß zeugte und mit vortrefflichem Humor gewürzt war, bemerkt der Referent, daß er nur Wahrheiten bringe, die allbekannt sein dürften; sein Zweck sei, mit dem Gebotenen nur anregend wirken zu wollen. Der Vortrag zerfiel in zwei Theile. Der erste Tyeil, welcher sich mit der Aufgabe des Lehrers in religiöser Beziehung beschäftigte, schilderte das Verhalten depelben als Prediger beim öffentlichen Gottesdienste, bei Trauungen und sonstigen Familienfesten und enthielt treffliche Fingerzeige zur Erzielung einer ersprießlichen Thätigkeit in diesen Aemtern. Besonders eingehend wurden die Aufgaben des Lehrers bei Ausübung und Ueberwachung der Schechita behandelt und hervorgehoben, daß die vielfach verbreitete Ansicht, die Ausübung der Schechita sei unvereinbar mit der Stellung des jüd. Lehrers zu bedauern fei. Der zweite Theit, der von den Aufgaben des Lehrers in sozialer Beziehung handelte, beleuchtete das Verhältniß deffelben zu der eigenen Gemeinde und deren Gliedern, sowie den Verkehr mit den nichtjüdischen Mitbürgern. Ueberall war die Meinung ausgesprochen, den rechten Takt inne zu halten und die goldene Miltelftraße zu wandeln. Der Vorsitzende dankt dem Referenten für seinen anregenden, gevankenreichen Vortrag und spricht den Wunsch aus, daß derselbe durch Drucklegung weiteren Kreise zugänglich gemacht werde. An der Debatte betheiligen sich die Herren Meyer, Selig, Dr. Löb, Dr. Rosenak, Apt und Speier. Wegen vorgerückter Stunde wird eine Kommission bestehend aus den Herren Landrabbinern und aus den Kollegen Strauß, ^öwenslein und Klein, zu Prüfung der vorgelegten Leitsätze ernannt. Um llj2 Uhr Abends wird die erste Sitzung geschloffen. Nach diesen Verhandlungen fand von Uhr Abends an ein Kommers statt, der überaus fröhlich verlief und die Erwartung sämmtlicher Kollegen weit übertraf. Fast die gesammte isr. Gemeinde, auch Damen, war in den Sälen des Hansahauses erschienen, und bei vorzüglichem Mahle und einem guten Tropfen Gerstensatt durchzog von der ersten Minute an eine animirtc Stimmung die Herzen der Fefttheilnehmer. Es wechselten Reden und Toaste, ernsten und heitern Inhalts, mit Lieder- und Musikvorträgen ab, und hielten die Gesellschaft in fortwährender gespanntester Aufmerksamkeit bis tief in die Nacht hinein. Mit Recht hob man wiederholt die gastliche Aufnahme in der jüdischen Gemeinde und die anerkennenswerthe Thätigkeit des FestcomitöZ rühmend hervor und bezeichnete das herzliche Entgegenkommen als eine Ehrung des Lehrerftandes. Zweite Titzung am 28. August 1888. Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung Morgens Uhr mit geschäftlichen Mittheilungen. Die Kommission schlägt zu dem Thema des Herrn Dr. Mannheimer die Leitsätze in folgende Faffung vor: 1. Die Aufgaben des jüd. Lehrers, besonders an den Orten, wo kein Rabbiner ist, zerfallen in religiöse und soziale. 2. In religiöser Beziehung hat oer jüd. Lehrer die Aufgabe: a) an Stelle des Rabbiners zur Erhaltung des alten ehrwürdigen Gebäudes unseres jüd. Glaubens mit aller Kraft beizutragen und zu wachen, daß kein Stein aus diesem Bau sich löse; b) den Rabbiner als Prediger zu vertreten; Trauungen aber nur dann zu vollziehen, wenn er die Ermächtigung eines Rabbiners hierzu erhalten hat; e) die religrösen Institutionen der Gemeinde zu überwachen, insbesondere sich der Schechita anzunehmen, die als heilige Handlung mit der Stellung des Lehrers nicht im Widerspruche steht. 3. In sozialer Beziehung hat der jüdische Lehrer die Aufgabe: a) innerhalb seiner Gemeinde durch friedliches Wirken die Moral, die Selbstachtung und den Frieden zu erhalten und die sozialen Schäden zu b ess er n, b) im Verkehr mit seinen nichtjüdischen Mitbürgern an den al lg em ein enWohlfahrtsbestreb ungen Ihä-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.