Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-11-14 · Heft 90 (14.11.1898) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 90 (14.11.1898)
Date
1898-11-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448940--47120-2497460
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXIX. Jahrgang. Zweite Beilage M M 90 üts „Israelit". an—8J..i."wi|.lpbwb—a ■ g g-m. Leitender Artikel. Jlit ZtMomldittkn-Wllhlk« in Mn und dir Hmlitru. Köln, 11. November. Donnerstag, 10. November, Abends war eine Versammlung israelitischer Wähler aller Klaffen in denCrystallpalast hier einberufen. In der Einladung hieß es: „Die baldige Anberaumung einer Ersatzwahl für den verstorbenen Herrn B. Liebmann wurde in der Stadtverordneten-Versammlung damit begründet, daß die Jntereffen der Israeliten nicht während eines ganzen Jahres unvertreten bleiben möchten. Es hat bereits eine Versammlung eines Theils der israelitischen Wähler 2. Klaffe stattgefunden, in welcher keine absolute Majorität erzielt wurde, es ist aber unzweifelhaft, daß sämmtliche Israeliten und nicht nur eine kleine Gruppe sich darüber zu äußern haben, wer diese Interessen in Zukunft vertreten soll. Wir laden daher die israelitischen Wähler aller Klaffen behufs Aufstellung eines Candidaten ein." Die von stark 700 Personen besuchte Versammlung wurde von Herrn Veilchenseld eröffnet und wählte zu ihrem Vorsitzenden Herrn Wilh. Stern, neben dem, theils vom Vorsitzenden, theils von der Versammlung bezeichnet, die Herren Rechtsanwalt Gottschalk, Dagobert Bier, Leipziger und Sally Lehmann als Beisitzer am Vorstandstische Platz nahmen. Rechtsanwalt Meyer: Ich freue mich, daß Sie in so großer Anzahl erschienen sind. In der vorigen Woche hat eine Versammlung der jüdischen Wähler 1. und 2. Claffe stattgefunden. Es lag damals noch nicht der Vorschlag vor, daß zur Stellungnahme in der Candidatenfrage überhaupt nur die Gefammtheit der Judenschaft befugt sei. Die damalige Versammlung hat zu dem wünschenswerthen Ergebniß geführt, daß mein College Bock aufgestellt worden ist,' ich persönlich würde ihm meine Stimme geben, das hindert aber nicht, die Grundlagen zu prüfen, auf denen jener Beschluß gefaßt worden ist, ja wir haben die Verpflichtung dazu. Wir stehen alle auf dem Standpunkt, daß der zu Wählende nicht sein soll ein Vertreter der 2. Claffe oder der jüdischen Wähler, sondern ein Stadtvertreter für das Ganze. Einen jüdischen Vertreter haben wir nicht nöthig. Wenn in den Wahlkämpfen die konfessionelle Seite hervorgekehrt wurde, wenn von einer Partei von einer Vertretung der katholischen oder protestantischen Interessen die Rede war, dann haben wir immer gesagt: es gibt im Stadtrath keinen Vertreter für eine bestimmte Religion, ebenso wenig wie für einen bestimmten Stand. Diejenigen in der Stadtverordnetenversammlung hatten recht, die sagten: wenn auch Herr Liebmann gestorben ist, so sind wir doch auch selbst in der Lage, die Jntereffen unserer jüdischen Mitbürger nach jeder Richtung hin zu wahren. Obgleich auch ich auf diesem Standpunkt stehe, so ist doch zu bemerken, daß die politischen Parteien einen jüdischen Stadtverordneten nicht um deswillen wählen wollen, um uns einen Vertreter zu beschaffen, sondern um uns einen Beweis von Toleranz zu liefern, indem sie dem jüdischen Element, das nicht nur von sinancieller, sondern auch von eminenter intellectueller und culltureller Bedeutung ist, entgegenkommen. Leider nehmen ja die Juden nicht den Theil an der Verwaltung, der ihnen zukommt. Wir sind eine verschwindende Minorität, ich glaube, das Verhältniß ist 1 zu 44; damit scheidet für uns Juden die Candidatenfrage ganz aus. Wir haben mit der Auswahl nichts zu thun. Ja, wenn die Juden sich absonderten, wenn die Parteien nicht wüßten, wer von uns Vertrauen verdient, aber so ist es nicht. Sie haben die in Betracht kommenden Namen Eliel, Dr. Bock und Dr. Eltzbacher gehört, diese Herren stehen nicht so verborgen, daß für sie das Licht entliehen werden müßte aus den zusammenftrahlenden Fünkchen einer großen Menge. Der Standpunkt, den ich hier vertrete, sieht also im Gegensatz zu der neulichen Versammlung, die bestimmt hat, daß Rechtsanwalt Bock, dem ich allerdings für meine Person jederzeit die Stimme geben würde, gewählt werde. Ich beantrage daher, zu beschließen, daß die Versammlung ihr vollstes Vertrauen zu den von den politischen Parteien vorgeschlagenen Candidaten Stübben und Bock ausspricht. Herr Kaufmann erklärt sich für Aufstellung dreier Candidaten. Dr. Auerbach: Als Herr Rechtsanwalt Meyer seine Rede begann, konnten ihm alle freiheitliebenden Geister zustimmen. Mit seinen Ausführungen über die Vertretung jüdischer Interessen bin ich durchaus einverstanden. Was er aber von der Toleranz sagt, die darin liegen soll, daß man uns einen jüdischen Stadtverordneten anbietet, kann ich nicht acceptiren. Man ist nicht tolerant, gegen uns, aber alle Zurücksetzung, die wir erfahren, ist nicht so schlimm, wenn wir uns selbst achten, wenn wir uns nicht selbst den gelben Fleck auf den Rock nähen. Wenn Herr Stelzmann sagt, die jüdischen Mitbürger könnten nicht zwei Jahre lang unvertreten bleiben, da frage ich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.