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Der Israelit · 1898-11-10 · Heft 89 (10.11.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 89 (10.11.1898)
Date
1898-11-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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»‘«ij'.v^'^jgHv:- LH» Jahrgang. Erste Seilaar zu M 89 -es „Israelit“. Feuilleton. jüdische Plaudereien. i. Den geneigten Leser, welcher hierunter sogenannte vHv2v'i2n,, d. h. müßige Redereien verstehen möchte, bitte ich, stch deßhalb nicht so rasch von mir abwenden zu wollen. Vielleicht wird es sich auch einmal lohnen, den Betrachtungen eines fbtsa, d. h. eines Müßiggängers, Gehör zu leihen. Ein solcher pvz kann seine Mußezeit auch dazu benutzt haben, um manche Erfahrungen und Betrachtungen zu sammeln, die mitunter recht lehrreich und nutzbringend sein dürften. Sind doch bereits im talmudischen Alterthume die zum Attribut einer jeden Gemeinde erforderlichen zehn L'^v3 von ganz besonderer Wichtigkeit gewesen, was hier nicht erörtert werden soll. Dagegen wünschte ich, einen vielleicht nicht unintereffanten Beitrag für die Geschichte der aus der neuesten Zeit mitzutheilen, der so recht den jüdischen Berliner Volksmund charakterisiren dürfte. Da sitze ich einmal im Cafä, als ein trotz seiner Jahre noch ungebeugter Greis, ein bekannter Synagogendiener, hereintritt und laut zwei Torten bestellt mit den Worten: Sie wissen, Herr Nachbar, daß ich in den nächsten Tagen mein Jubiläum feiere. Da werden in aller Frühe die, wie soll ich sie nun nennen? na, meinetwegen, die „Gebetbummler" erscheinen und mich beglückwünschen. Da muß ich doch traktiren, daher meine Bestellung. Ist es nicht charakteristisch, die für die Synagoge bezahlten zehn mit einem solchen Titel zu bezeichnen? Vielleicht lesen wir noch einmal in irgend einer Lokalzeitung der Provinz, in der doch Alles auf „Deutsch" stehen muß, ein Inserat von etwa folgendem Inhalt: „Wegen übergroßem Fleiß der hiesigen isr. Gemeinde werden zehn isr. Gebetbummler zu engagiren gesucht." Alleroings bin ich jetzt ebenfalls ein ptz geworden, wenn auch in einem anderen Sinne. Ich muß nämlich auf ärztlichen Befehl von jeder ernstlichen Beschäftigung mich zurückziehen und ein piss, d. h. ein Müßiggänger werden. Nun könnte der freundliche Leser sehr leicht zu dem Schlüsse gelangen, daß auch die Worte eines solchen in die Kategorie unnützer Redensarten gehört. Diese Folgerung will ich aber gern zunichte machen, indem ich meine Muße als benutze, um über jüdische Redensarten und Phrasen, wie ste im Umgänge nicht selten Vorkommen, einige Bemerkungen folgen zu lasten. Wir gewinnen nämlich bei gewiffen Redensarten, wenn wir sie bis auf ihren eigentlichen Ursprung zurück verfolgen, beachtenswerthe Beiträge für Geschichte und Cultur, die nicht immer obenaufliegen und leicht zu finden sind, während bei manchen anderen ohne weiteres ihre ursprüngliche Beziehung zu erkennen ist. So z. B. versteht man sofort, wenn zur Bezeichnung einer außerordentlichen Körperkraft die Redensart von Schimschon's n-n3r oder bei einer Verwünschung „wie Kaurach untergehen" gebraucht werden. Ebenso ist es leicht zu verstehen, wenn „Kaurach" überall, wo es in der Gemeinde Streit und Zank gibt, dem Streitsüchtigen zugerufen wird. Ja ein Pural wird sogar hiervon gebildet — denn der „Korchim" gibtgar viele, und „die Söhne Korachs sind nicht gestorben", wird man überall gewahr. Dann kann über die Parschah von Korach in allen Gemeinden gepredigt werden, was daS gelehrte Volk auch in Raschis Worte am Anfang dieses Abschnitts finden will, die da lauten: nm: nv' it ntnc. Diese Parscha wird überall pastend ausgelegt. Eine größere Gelehrsamkeit gehört schon dazu, um die Redensart von KaurachS Reichthum (rrrtty) zu verstehen, denn sie führt uns zum Midrasch, wo der Reichthnm des Korach geschildert wird. Und wenn wir von Hillels Geduld sprechen, so müssen wir sogar die Gemoroh aufschlagen, um die Beispiele von der Sanftmuth Hillels kennen zu lernen. Bei 'viun pV dessen Namen der Betrüger erhält, hat man an die biblische Erzählung zu denken, wie Laban unseren Stammvater Jakob zu hintergehen suchte. Dies hat sogar in der Peßach-Hagada seinen Ausdruck gefunden. Denn in oem ivbi xx wird der SchriftverS '3x -oix ’oix als Beleg hrerfür verwendet, der aber nach einigen Auslegern gar nicht auf Laban, sondern auf Jakob sich bezieht und mit „ein herumirrender Aramäer war mein Vater", d. i. Jakob, übersetzt werden muß.*) Ebenfalls aus der Schrift stammt die Redensart „Pharao's ins", wenn jemand mit seinen Versprechungen einen Anderen hinhält. So hat Pharao nach biblischem Berichte den Moses immer auf inv, d. h. auf morgen verwiesen, wenn er Israel entlasten sollte. Aus andere biblische Personen beziehen sich folgende Redeweisen. Mehr als Salomos Weisheit ist seine reichbesetzte königliche Tafel sprichwörtlich geworden: als Norm wird bei Gelegenheit angenommen rrm* vws nete „wie die Tafel Salomo's zu seiner Zeit." *) Das ist doch noch sehr fraglich. Red.

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