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Der Israelit · 1898-11-10 · Heft 89 (10.11.1898) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 89 (10.11.1898)
Date
1898-11-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIX. J-chrglM,. M 88 Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das ortHodore ZudenLhum. Begründet von Dr. ft^mann in IKtain] Donnerstag, den 10« November 5659 (1898)« Leitender Artikel Mt ttnit KAtten io den Anssplölhen der ItootflensStzrer. Wien, 8. November. Zum zweiten Male haben begeisterte, für ihre Glaubensgenossen warmsühlende Männer am grünen Tisch berathen, Wege und Mittel zu finden, dem sozialen Elend im Osten und der sittlichen Roth im Westen unter den Juden zu steuern. Aus den verschiedensten Ländern kamen Abgesandte von dem aufrichtigen Wunsche beseelt, für das jüdische Volk das Beste zu leisten. Bei ihren Berathungen haben sie aber ein Radicalmittel, das für Israel zu allen Zeilen allein von Nutzen war — die Stärkung im Glauben — außer Acht gelassen. Wer immer Geschichte des Judenthums objectiv machen will, muß zugeben, daß Israel nur durch seine Glaubensfestigkeit, Aufopferungsfähigkeit für die Gottes idee alle seine weltbeherrschenden Gegner überdauert hat. Die Banden des Glaubens sind auch heute noch zahlreich um die ganze Erde geschlungen und nur an manchen Stellen locker geworden. Werden diese Bünden fester geknüpft, versucht man dann die soziale Frage zu lösen, um die es sich hauptsächlich handelt, so ist ein völliges Zusammenwirken aller Juden zu erhoffen. Um nicht mißverstanden zu werden, sei vorausgeschickt, daß wir mit dem Gesagten nicht bezwecken wollen, das „Auch- und Bauchjudenthum" durch irgend welchen Zwang ins Heerlager der Orthodoxie hinüberzulenken,-denn das Erstarken des orthodoxen Elementes in den letzten 50 Jahren ist nur dem Umstande, daß dasselbe seinen Zuwachs von Männern eigener Empfindung und freien EntschluffeS erhielt, zu verdanken. Daß aber das Judenthum „veralteter" Anschauung, wie man es so gerne nennt, im eigenen Hause Herr sein will, kann demselben nicht verargt werden. Ergeht ein Aufruf an das Gesammtjudenthum, ein gemeinnütziges Werk zu fördern, so ist auch der traditionelle Flügel gerne bereit mitzuwirken, wenn kein Verstoß gegen denselben in Scene gesetzt wird. Wird aber dieser Fehler begangen, so ist das orthodoxe Judenthum schon durch seinen Erhaltungstrieb gezwungen, so gerne es dem Rufe Folge leisten würde, sich fernzuhalten und im eigenen Wirkungskreise Werke der Liebe und Wohlthätigkeit auszuüben. Was kann aber das Herz eines altjüdisch Gesinnten mehr entflammen als die Kunde, Israel opfert nicht mehr dem Götzen der Aufklärung, erinnert sich seines Ursprunges, will nicht mehr Zion aus seiner Liturgie ausmerzen. Welche Freude, Israel im Westen des Continents fühlet mit seinen armen bedrängten Brüdern in Galizien, Rußland, Rumänien >c. >c. Der Vorschlag des Herrn Dr. Herzl, die Herrschaft in der Gemeindestube zu erstreben, kann mit Freuden ausgenommen werden, da ja die meisten größeren in Betracht kommenden Gemeinden von Männern des Jndifferentismus geleitet werden. Eine der größten Gemeinden Europas, die isr. Cultusgemeinde Wien, liefert den besten Beweis. Dort gebietet eine plutokratische Partei, die durch Hinaufschiebung des Wahlcensus auf 10 fl. viele mindergestellte und intelligente Theile der isr. Bevölkerung von der Betheiligung an der Verwaltung ausgeschloffen haben. Die isr. Cultusgemeinde Wien, hat in einem viel schärferen Tone gegen die Verunglimpfung der jüdischen Advokaten durch den Vice-Bürgermeister der Stadt Wien, was ja nur moralische Schläge ohne materiellen Schaden wareir^ — als gegen die Plünderung der

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