Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-11-07 · Heft 88 (7.11.1898) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 88 (7.11.1898)
Date
1898-11-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448938--47074-2497412
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XXXIX. Jahrgang. Beilage M M 88 de» Israelit". Zettungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. W. Wrescheu, 2. Nov. Der hiesige Literaturverein eröffnete gestern Abend leine diesjährige Arbeitssaison mit einem Vortrage des bekannten Gelehrten und hochgeschätzten Geschichtsforschers des Herrn Prof. Dr. Martin Philippson aus Berlin. Rrckdem der Vereinsvorsitzende Herr Gemeinderabbiner Dr. Lewin den geschätzten Gast in herzlichsten Worten begrüßt und der Freude des Vorstandes Aufdruck verliehen, daß es ihm gelungen, einen solchen Redner für diesen Abend zu gewinnen,' hielt Herr Prof. Dr. Philippson den angekündigten Vortrag „der große Kurfürst und die Juden". Es würde den Rahmen dieser Zeilen überschreiten, von den geistreichen, anregenden und gedankenvollen Ausführungen nur auch einen kurzen Auszug zu geben. Der Vortragende — das sei hier aber doch hervorgehoben — stellte den großen Kurfürsten als ein Muster und Vorbild der Toleranz dar, der es verstanden, auch Fälle gegen die erst unter ihm in die Mark Brandenburg aufgenommenen Juden wie überhaupt gegen die Juden seines ganzen Landes gerichteten Angriffe niederzuschlagen. Dieser Geist der rechten Duldung sei unter den nachmaligen Hohenzollern so recht wieder in dem edlen Kaiser Friedrich III. aufgelebt. Der stürmische Beifall, mit dem die zahlreich erschienene Versammlung den Vortragenden lohnte, bekundete das Interesse, das dieser Vortrag in jeoem der Zuhörer erweckte. Mit Recht wies der Vorsitzende darum in seinem Schlußworte darauf hin, in welchem er dem Prof. PH. den herzlichen Dank namens des Vereins aussprach, daß dieser Abend für den jungen Verein einen Glanzpunkt bedeute und bei seinen mannigfachen Anregungen,', die er bot, auch noch für die Folge nachhaltend wirken werde. Für diesen Winter hat sich der Verein ein größeres Arbeitspensum auferlegt — es sollen noch fünf Vorträge gehalten werden und sechs Referatabende stattsiiiden. Die Vereinsbibliothek weist bereits einhundertzwanzig Rrn. auf — die auch recht fleißig gelesen werden. Es darf dies wohl^als ein erfreuliches Zeichen gelten, daß in unserer Gemeinde das rechte Verständniß für geistige Bestrebungen und die wahre Liebe und Begeisterung für unsere Geschichte und Literatur vorhanden ist, ob auch damit bald die Begeisterung für wirkliches Thoralernen kommt? Fürth, 30. Oct. Am gestrigen 's me» fand im Weißengarten eine Feier statt, die auch für eine größere Oeffentlichkeit Interesse haben dürfte. An Stelle des Herrn Dr. Dessau hat vor einigen Wochen Herr Dr. Stern, bisher Prediger und Religionslehrer ln Kiel, die Leitung der hiesigen israel. Bürgerschule übernommen, und seine feierliche Jnstallirung, verbunden mit einer Ehrung für den scheidenden Direktor, war es, die wir bereits in voriger Nummer kurz berichtet, eine große Zahl der Mitglieder unserer Gemeinde zusammenführte. Auch städtische und staatliche Behörden hatten der an sie ergangenen Einladung Folge geleistet, ingleichen war die Kultusgemeinde durch den Rabb , sowie einige Mit? glieder des Vorstandes vertreten. Nachdem der -p ‘wm in deutscher Uebersetzung als EinleitungSgesang verklungen war, bestieg Herr Bankier M. R a u die Rednertribüne, um die Verdienste des bisherigen Leiters der Anstalt gebührend zu würdigen. Dieser war zum lebhaften Bedauern der Festtheilnehmer nicht anwesend; er hatte es in seiner bekannten Bescheidenheit abgelehnt, Ovationen persönlich entgegenzunehmen. Herr Rau gedachte der Gründung der Anstalt, die vor 36 JaSren erfolgt sei, um auch in Fürth zu zeigen, daß die große Bedeutung, die man in der talmudischen Zeit dem Schulwesen beilegte, auch in unserer Zeit noch ihre Berechtigung und Geltung habe. Ec gedachte des ersten Direktors der Schule, des Herrn Dr. Auerbach, der ihr 10 Jahre vorgeftanden habe, um dann einer ehrenvollen Berufung auf das Halber« städter Rabbinat Folge zu leisten. Ueber 25 Jahre hat dann Dr. Dessau der Schule seine ganze Kraft gewidmet; er hat es durch rastloses Streben erreicht, daß der Anstalt vor fast 20 Jahren die Einjährigen- Berechtigung gewährt wurde, und eine große Zahl tüchtiger Staatsbürger und guter Bmrp blickt zu Dr. Dessau auf als ihrem Lehrer und Vorbild, das er ihnen allzeit gewesen. — Eine Adresse, die das Curatorium der Anstalt dem abgehenden Direktor gewidmet, brachte hierauf Herr kgl. Commerzienrath S. Frankel zur Verlesung und begrüßte dann mit warmen Worten den neuen Leiter der Schule, Herrn Dr. Stern, der in kurzen Zügen mit einem gedrängten Ueberblick über seine Vergangenheit sich den Anwesenden vorstellte. Aus dieser vita sei besonders hervorgchoben, daß Herr Dr. Stern, wie er sich ausdrückte, von seinem vierten Lebensjahre an .zwischen den Knieen eines Israel Hildesheimer aufwuchs" — gewiß eine Gewähr dafür, daß er gewillt und befähigt ist, die israelitische Bürgerschule nach den Intentionen der Stifter und seines Vorgängers zu leiten. — Redner legte dann

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.