Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1898)
- Date
- 1898-11-03
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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Xitlt. Zahrgo-Ig. Zweite KrUazr M M 87 -es „Israelit“. Leitende Artikel. Abraham. ^3*- Von S. Andorn. Ueber „die Bibel" ist schon unendlich viel geschrieben worden — aber es läßt sich immer noch darüber schreiben Immer noch ist „das Buch der Bücher" nicht in seiner ganzen Vielseitigkeit erkannt. ES hat sich ein Lessing gefunden, der aus den Gesängen eines Homer die ewig giltigen Regeln der Dichtkunst abgeleitet hat; kein großer Geist aber hat bisher das künstlerische Gefüge der biblischen Darstellung genügend beleuchtet. Und doch enthält der Wochenabschnitt allein, der am vergangenen Sabbat zur Verlesung kam, zwei künstlerischen Thaten: er bietet eine Jdealgestalt, zu der ein Seitenstück in der ganzen Weltliteratur schwerlich vorhanden ist; er verräth eine Methode der Charakteristik, an welcher der größte Dramatiker lernen kann. Ja, das Gemälde, das die Bibel von Abraham entwirft, ist ein Kunstgebilde ersten Ranges, denn es zeigt uns die sittliche Idee in vollendetster Gestaltung. Doch auch die Art, wie die einzelnen Züge zum Bilde zusammengefügt werden, verräth die höchste Kunst, und es verlohnt sehr wohl, ihr eine eingehendere Betrachtung zu widmen. Als ein Greis tritt uns Abraham bei seiner Berufung entgegen, als ein Greis den Jahren nach, aber als ein Jüngling an Thatkraft. Wenn andere Männer in der Vollkraft der Jahre weitgreifende Entschlüsse fassen, große Thaten vollbringen, so fordert das ja schon unsere Bewunderung heraus. In dem Alter, in dem andere sich bereits mit dem Gedanken des Abscheidens vertraut gemacht haben, reißt sich Abraham von Heimath und Familienkreis los, zieht in unbekannte Fernen, übernimmt eine gewaltige Aufgabe. Und diesen Jüngling im Greisenhaare vermag nicht die Roth des Lebens niederzudrücken. Von Kanaan eilt er nach Egypten; von dort ausgewiesen, kehrt er ungebeugten Muthes nach Kanaan zurück. — Und wie er körperlich keine Spur greisenhafter Schwäche verräth, so zeigt er sich auch von den sittlichen Gebrechen frei, welche man so häufig dem Alter zur Last zu legen pflegt. Nicht der leiseste Hauch von Selbstsucht schlummert in seiner reinen Seele. Er will den Frieden zwischen sich und den lieben Verwandten aufrechterhalten. Das ist nur durch Trennung möglich. Auch vor diesem äußersten Mittel scheut Abraham nicht zurück. Um aber jeden Schein der Selbstsucht zu meiden, überläßt er dem weit jüngeren Manne, die Wahl, unter den vorhandenen Weideplätzen. Es hebt die Vorzüge Abrahamwirksam hervor, daß sein theurer Neffe seine selbstlose Denkart durchaus nicht theilte. Gerade in der Gruppirung der Persönlichkeiten, mit welcher die Bibel Abraham umgibt, zeigt sich wieder eine hohe künstlerische Vollendung. Es ist ja natürlich, daß kein unverdorbener Mensch sich dem Einfluß entziehen kann, den Abrahams gewaltige Persönlichkeit auf seine Umgebung übt. Lot sowohl wie Aner, Eskal und Mamreh sind im Umgänge mit Abraham geläutert worden, haben seine Tugenden sich zu eigen gemacht (oergl. hinsichtlich Lot's, Gen. Cap. 19). Aber es fehlt doch unendlich viel, daß sie sich zu Abrahams sittlicher Höhe emporgeschwungen hätten. Lot hat noch nicht den Egoismus überwunden, er wählt sich in selbstsüchtiger, unbescheidener und undankbarer Gesinnung die bessere Gegend, Abrahams Freunde haben immer noch nicht von ihrem „hohen Verbündeten" gelernt, das Gute um des Guten willen zu thun. Abraham weist für sich jede Entschädigung zurück, sei es auch die geringfügigste bv: -w un oine, aber er reklamirt den Beuteantheil seiner Verbündeten aran p*?n 'ns 12bitwt. In dramatischerer Weise hätten Abrahams hohe Tugenden überhaupt nicht zur Geltung kommen können, als in jener Darstellung seines Kriegszuges gegen Ketor-Laomer und seines Zusammentreffens mit dem Könige von Sodom. Zugleich stehen diese Auftritte im wirksamsten Gegensätze zu der vorangegangenen Scheidungsszme. Hier sehen wir den alten Abraham von rührender Nachgiebigkeit erfüllt, dort wird er uns mit dem Schwerte in der Hand, in überraschender, heldenhafter Thatkraft vorgeführt. Wie viel höher steht doch dieser Abraham, als die gepriesenen Gestalten Homers. Ihr Heldenthum ist rohe Rauflust und beruht in der Stärke ihrer Fäuste, Abrahams Mannhaftigkeit ist eine sittliche, ebenso groß im Nachgeben, wie in der durch Waffengewalt bewirkten Wiederherstellung des Rechts. Uno dann, welch' üblen Eindruck machen die siegesberauschten beutebeladenen griechischen Heroen. Man wendet sich von diesen Heldengestalten, wie z. B., dem Neoptolem, mit Abscheu. Wie schlicht, wie rein menschlich, wie selbstlos tritt der große Ahnherr eines Volkes auf, das man so gern als das Urbild der Selbstsucht darzustellen beliebt. Wahrlich von der Jdealgestalt eines Abraham gilt mit Recht der Ausspruch nrc rrm