Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 86 (31.10.1898)
- Date
- 1898-10-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XLXXIX. Jahrgang. M 8«. Der Israelit. Em Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. ar*Iima«w in tttdini. Montag, de« 31. Oktober 5659 (1898), Leitender Artikel.? v C V f 1) 5. Mainz, 30. CctoDcr. In dem furchtbaren Drama, das seit länger als vier Jahren nufer herrliches, sonniges Nachbarland in feinem Innersten ausivühlt, ist endlich gestern ein Wendepunkt zum Guten eingetreten. Der Kassatwnshos hat die Revision des kriegsgerichtlichen Urtbeils gegen Drevsus genehmigt und die Veranstaltung einer weiteren Untersuchung, die er selbst zu leiten hat, beschlossen. Damit ist im Prinzip das kriegsgerichtliche Urtheil umgestoßen und die Unschuld des Dreyfns verkündet. Möge aus dieser freudigen Thatsache unter göttlichem Beistände sich der Friede entwickeln; der Friede für Frankreich, der Friede für unsere Brüder in diesem Lande. Möge man jenseits der Vogesen endlich einsehen lernen, das, was man dort vor hundert Jahren bereits erkannt und in alle Welt getragen, es aber inzwischen wieder vergessen zu haben schien: daß das jüdische Volk ein friedliches, Nützliches und den Ländern, die es ausgenommen, ein treu ergebenes ist, daß wir erfüllt sind von dem Geiste der Menschlichkeit und Brüderlichkeit, von dem Geiste der fortschreitenden Erkenntniß, der den Inhalt bildet unserer heiligen Lehre. Vor siebenundzwanzig Jahren, zur Zeit des völkermordenden deutsch-französischen Krieges, als viele Tausende von französischen Juden Leben, Gesundheit und Vermögen für ihr Vaterland geopfert, damals herrschte in Frankreich nur eine Stimme über die hohen Tugenden der jüdischen Brüder, die französische Presse aller Parteien wetteiferte im Lobe und in der Anerkennung unserer Glaubensgenossen. Des jüdischen Commandanten Franchetti's Leiche, der löwenmuthig in der Schlacht bei Villiers gekämpft, wurde, unter Begleitung von Jules Favre und sämmtlichen Generälen des Generalstabs, die wie die Kinder weinten, bestattet. Man trug die Juden auf Händen. Man sah zu deutlich, was sie dem Vaterlande geleistet. Ach, zu schnell war eS vergessen. „Aber wenn auch Diese Dich vergessen. Ich vergesse Dich nicht," spricht Gott und so mar es auch Er, der diesmal wieder der Gerechtigkeit zum Siege verhalf und das wahnbethörte französische Volk die Wahrheit finden ließ. Unsere Brüder in Frankreich aber mögen aus den Vorgängen daselbst doch endlich eine Lehre ziehen. Nicht von der Verfassung eines Landes und nicht von dessen Gesetzen, nicht von den Consistorien und deren Verfügungen mögen sie die Freiheit erwarten. Ein Sklave ist der Mensch, solange er seine Freiheit von etwas Anderem erwartet, denn von Gott. Nur das Gottesgesetz vermag uns die wahre Freiheit und nur das Bewußtsein von dem besonderen Schutze Gottes vermag uns die wahre Sicherheit zu geben. Wo wir auch sein mögen, sind wir bei Ihm, in jeglicher Noth ist Er bei uns. Ec schützt. Ec stützt, Er rettet uns, Er führt uns über den Tod hinaus zum ewigen Leben. Seien wir nur Seines Schutzes würdig und wir können immerdar getrost der Zukunft entgegenfchauen wir ncn -wrjw ney nns o. „Du bist bei nur. Dein Stab und Deine Stütze, sie werden mich trösten."