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Der Israelit · 1898-10-27 · Heft 85 (27.10.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 85 (27.10.1898)
Date
1898-10-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1570 Tobias Tal; seit 1005 Oberrabbiner der genannten Gemeinde und vordem Rabbiner in Arnheim. Als Schüler des berühmten Amsterdamer Oberrabbiner Dr. I. D. Dünner n, ging er seiner Gemeinde mit dem Beispiele einer streng-religiösen Gesinnung voran und verband er in hohem Maaße px -pn min. Als hochbegabter Redner wrchte er seine Zuhörer zu begeistern und durch sein joviales und liebenswürdiges Wesen erfreute er sich einer allgemeinen Beliebtheit. Unstreitig hat er durch seine Vorträge und wissenschaftlichen Arbeiten für das holl. Judenthum viel geleistet. Auch auf profanem Gebiete fand seine Bctheiligung und seine Mitarbeit stets große Anerkennung. Seine Treue und Anbänglichkeit an das königliche Haus, hat er noch kürzlich bei der Krönungsfeier durch seine Arbeit „Oranienblüthen" bewiesen. Rabb. Tal bekleidete nebenbei interimistisch das Oberrabbinat von Utrecht und Zeeland. Er war Mitglied der Niederl. Literatur - Gesellschaft und Präses des Vereins für jüdische Literatur und Geschichte. Rabbiner Tal war auch Mitarbeiter des „Israelit." Unsere geehrten Leser werden sich gewiß noch der von ebensoviel Kenntniß wie Gemüth zeugenden Skizze: „Aus den Memoiren einer alten Berochos-Gemoroh", die seiner Feder entstammte, erinnern. P a l ä st i n a. Jerusalem. Nun haben auch amerikanische Juden das neue Einwanderungsverbot an eigenem Leibe erfahren müssen. Neun Personen, die landen wollten, und darunter zwei Soldaten aus dem letzten Krieg mußten wiederum umkehren, weil sie sich weigerten, Garantie dafür zu leisten, daß sie nach 30 Tagen das Land wieder verlassen würden. Ihr Hilferuf an den Konsularagenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Jaffa und an den hiesigen Konsul verhallte ungehört, während der französische Konsul zwei Juden aus Algier mit großen Schwierigkeiten zwar, aber Dank seiner Energie doch schließlich hineinbrachte. Man erzählt sich, daß der amerikanische Konsul von dem Generalkonsul in Konstantinopel verständigt sein soll, den türkischen Behörden keine Opposition zu machen. Diese Politik ist sicher sehr bequem, aber sie ist auch etu bitteres Unrecht gegen die betroffenen amerikanischen Juden. Vielleicht schafft Oscar Strauß, der neue amerE kanische Gesandte in Konstantinopel, bekanntlich selbst ein Jude, hierin Wandel. . Da ist der Deutsche Konsul ganz anders aufgetreten. In seiner Beschwerde führt er aus, daß das neue Verbot gesetzwidrig ist, daß dasselbe ferner den deutschen Handel schädigt und das Ansehen der deutsch-jüdischen Kolonie herabzusetzen geeignet ist. Der britische Konsul wiederum hat ztvar auch Protest erhoben, aber da seine Beschwerde noch ohne Antwort ist, hat er denjenigen seiner Schutzbefohlenen, die inzwischen landen wollen, gerathen die Garantie von 10<>0 Fr., die seitens des Gouvernements gefordert wird, zu erlegen. — Von dem Plane der Kaiserreise verlauten noch einzelne Details. Wird bis zum 25. Oetober, dem Tage, da der Kaiser in Haifa landet, kein größerer Regen fallen, so wird der Weg Haifa, Caesarea, Jaffa an der Küste entlang praktikabel sein, sollte aber, was in dieser Jahreszeit nichts seltenes ist, ein heftiger Regenguß eintreteu, so ist dieser Weg nicht fahrbar und dann muß der deutsche Kaiser die reparirte Fahrstraße Kaifa-Sichron-Jaacob-Jaffa benutzen und kommt in diesem Falle durch die jüdische Kolonie Sichron Jaacob. In Jerusalem trifft der Kaiser am 29. Octobcr, früh neun Uhr, ein und rastet im Zeltlager bis drei Uhr. Dann findet der feierliche Einzug statt, bei dem u. a. die Oberrabb. den deutschen Herrscher begrüßen werden. Gegen Abend wird Empfang im deutschen Konsulat sein, bei dem hoffentlich auch die beiden Oberrabbiner dem Kaiser vorgestellt werden. Erfolgt seitens des Konsulates die Bestätigung, so wird bei jener Begrüßung eine Adresse in deutscher und hebräischer Sprache mit einer kurzen Ansprache überreicht werden. Die Kinder des deutsch-jüdischen Waisenhauses und der Lämmlschule sollen im Spalier neben dem Triumphbogen stehen und bei der Ankunft des Kaisers denselben mit einem hebräischen Lied nach der Melodie „Heil Dir im Siegerkranz" begrüßen. Doch sind alle diese Maßnahmen noch von der offiziellen Zustimmung des deutschen Konsuls abhängig, während der Pascha schon zugestimmt hat. > Vermischter,. < Franksirrt a. M. Die „Deutsche Volkswacht" der Herren Hirschel und Köhler rechnet in einer ihrer Nummern heraus, daß von den 101992 Mk> 50 Pfg., sie für das Frankfurter Bismarckdenkmat eingegangen sind, 24 075 Mk. von Juden herrühren und knüpft daran die Bemerkung: „Man sieht, die Juden wissen Bismarck zu schätzen und sie werden wohl wissen warum!" Wenn es den Herren Antisemiten m den Kram paßt, preisen sie Bismarck wieder als einen der Ihrigen „Wie's trefft!" Wien. Hierselbst hat eine interessante Versteigerung stattgefunden; es winden nämlich Kompositionen und deren Aufführungsrecht aus dem Nachlaß des berühmten Solomon nutzer öffentlich feilgeboten, deren Kunftwerth nur auf ca. 8oo st. angegeben war. Es erschienen zahlreiche Mnsikliebhaber, darunter auch bekannte Persönlichkeiten, zn dieser Lizitation. Als a beredte Kunde sich verbreitete, daß auch ein Sohn Salomon Sulzers, der ^olo-(5ellist an der Hofoper, Joses Sulzer, erschienen sei, da mochten es die Anwesenden als einen Akt der Pietät ansehen, daß der Sohn die Kompositionen des Vaters erwerbe, denn sie machten ihm keinerlei Schwierigkeit, in den Besitz derselben zu gelangen, und so erwarb Herr Josef Sulzer die Kompositionen um den Schützungswerth.

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