Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 84 (24.10.1898)
- Date
- 1898-10-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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LK.LIX. Jahrgang. KMage M J*! 84 -es „Jsrneüt“. Literarisches. Herr Mozkin und die Wahrheit über die Colonisation Palästinas von W. Bambus. Wir möchten die Broschüre, welche uns unter diesem Titel vorliegt, und in engem Nahmen viel des Interessanten bietet, kurzweg als das bezeichnen, was sic sein soll und ist, als eine Abwehr gegen unqnalifizirbare Angriffe, welche sich Herr stud. mat. Mozkin in seiner Eigenschaft als Delegierter des Wiener zionistischen Aktions-Komitees geleistet hat. Wohlverstanden in Basel, von der Tribüne des Congreffes herab, wo derartige Angriffe, wie sie gegen die zeitigen Colonisationsvereine gerichtet wurden, ganz dazu geeignet waren, diese Vereine schwer zu schädigen, da den Vertreter!! derselben nicht Zeit genug gegeben wurde, um den Ausführungen des Herrn Mozkin cntgegenzutreten. So erging es denn auch dem Verfasser vorliegender Schrift, welchem zu der Widerlegung eines nahezu zweistündigen Vortrages des Herrn Mozkin nur lö Minuten Zeit gelaffen wurde, und das auch noch durch besonderes Wohlwollen des Präsidenten, Dr. Herzl. Aus diesem Grunde, und auch um die Colonisationsvereinc, wie die Colonisten selbst vor arger Schädigung zu bewahren, nahm der Verfasser seine Zuflucht zu einer Abwehrschrift, der wir einzelne Hauptmomente entnehmen, um, vorausgesetzt, daß der Inhalt der Bambus'schen Broschüre den Thatsachen entspricht, woran wir Nicht zweifeln, nachzuweisen, daß Herr Mozkin zum mindesten leichtfertig verfahren ist, als er so schwere Anschuldigungen an solcher Stelle aussprach, ohne in der Lage zu sein, dieselben zu beweisen. Wir greifen nur Einiges heraus: Herr Mozkin nennt die Schule in Nischon Lezion schlecht, trotzdein authentisch nachgcwiesen ist, das; ihm der Besuch dieser Schule seitens des Administrators, Herrn Hazan, verweigert wurde. In Sichren Jaacob hat ßerr Mozkin die Schule besichtigt, die Kinder geprüft und dem Dirigenten der Schule, Herrn Rappaport, über die zufriedeustellenden Fortschritte der Kinder seine Freude ausgedrückt. In Basel aber erklärt derselbe Herr Mozkin, daß die Schule in Sichron Jaacob ziemlich schlecht sei. Im Falle Nischon Lezion, hätte Herr Mozkin mithin eine wissentliche Unwahrheit ausgesprochen, im Falle Sichron Jaacob aber sich zum mindesten einer bedenklichen Gedankmschwäche schuldig gemacht. Nun führte Herr Mozkin den schlechten Zustand der Schulen in Palästina darauf zurück, daß der Unterricht Mädchen anvcrtraut ist, die nur kurze Zeit ihre Erziehung in Paris genoffen haben, Während doch thatsächlich, wie Herr Mozkin genau wußte, die Lehrerinnen ausschließlich in den Mädchenschulen unterrichten, während die Ober-Aussicht der Schulen um Jaffa Herrn Charenn, in den Schulen um Sichron Jaacob Herrn Nappaport anvertraut ist, welche beide als Schüler des Pariser Nabbinerscminars dort ihr Rabbiner-Examen gemacht haben. Ferner behauptete Herr Mozkin, gerade die kleine Colonisation ginge darauf aus, Mufter-Colonien zu schaffen, während cs Herrn Mozkin bekannt ist und als ehemaliger Schriftführer des Vereins „Esra" bekannt sein muß, daß schon der Mangel an Mitteln allein die kleine Colonisation stets daran verhinderte, Mnstercolonien schaffen zu wollen. So erging sich Herr Mozkin, wenn wir der uns vorliegenden Broschüre Glauben schenken, in einer Fülle von Entstellungen und Unwahrheiten, so daß seine Rede auf den Sachkenner den Eindruck hinterließ, wie etwa der Bericht eines Reporters, dem es einzig darum zu thnn ist, Sensation zu machen, sei cs auch aus Kosten der Wahrheit. Ob er nun von der Chalukkah und deren Tabellen spricht, oder ob er die Jewish Colonisation Association in den Bereich seiner Betrachtungen zieht, überall begegnet man nncontrollirbarcn Ungenanigkeiten, Entstellungen und Unwahrheiten, und wenn Herr Bambus in seiner Abwehrschrift Vieles berichtigt hat, so hat er sich um die Colonisations-Vereine ein hohes Verdienst erworben. Herrn Bambus liegt es aber nicht daran, einen Streit hcraufzubeschwören, deßhalb schließt er seine kleine, doch werthvolle Broschüre mit folgendem Resums: „Herr Mozkin hat entweder wider besseres Wissen die Unwahrheit gesagt oder leichtfertig ihm zugetragenen Klatsch von der Tribüne des Congresses herab weiter getragen. Dieser schwere Vorwurf wird auf Herrn Mozkin hasten bleiben bis es ihm gelingt, seine Anklagen gegen die Administration und gegen die Coloniecn durch sichere Beweise zu erhärten. Er möge nun nicht länger zögern, diese Beweise zu produzieren, wenn er sie nämlich besitzt! Damit er sich aber nicht dahinter verstecke, daß inan solche Beweise nicht öffentlich erbringen kann, ohne den Zeugen, also den Colonisten, zu schaden, so schlage ich ihm vor, diesen Streit einem Schiedsgerichte vorzulegen. Dasselbe möge in irgend einer Großgemeinde in Deutschland, Oesterreich, Frankreich oder England tagen und Jeder von uns soll drei Richter ernennen, die den siebenten coopticren werden. Dieses Schiedsgericht kann unter strengster Discretion ver-