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Der Israelit · 1898-10-20 · Heft 83 (20.10.1898) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 83 (20.10.1898)
Date
1898-10-20
Page
– (sequence 30)
Language
German
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14 Die israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover. Zweiter Bericht. Umfassend den Zeitraum vom 1. Juni 1895 bis zum 15, September 1897. (III. Fortsetzung und Schluss. *) Wie sich aus dem Vorstehenden ergiebt, haben sich die Verhältnisse der israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem, bis auf die finanziellen, seit unserem jüngsten Rechenschaftsberichte in erfreulicher Weise konsolidirt. Die Verleihung der Rechte einer juristischen Person gab ihr nicht nur ein festeres Gefüge, eine Erstarkung ihrer inneren Kraft, sondern auch den Freunden und Gönnern der Anstalt das ermuthigende Bewusstsein, ihre Bestrebungen von der Staatsbehörde geprüft, gutgeheissen und förderungswürdig erklärt zu sehen. Diese Erkenntnis legt dem Vorstande und Kuratorium die Verpflichtung auf, nunmehr an die längst nothwendig gewordene Erweiterung der Anstalt, an die Vergrösserung des Grundbesitzes, an die Erbauung neuer Gewächshäuser und die Beschaffung eines geeigneten Absatzgebietes für die gezogenen Feld- und Gartenfrüchte heranzutreten. So wurde denn, wie im Vorstehenden bereits näher ausgeführt, neben den bisherigen Gebäuden ein neues zweistöckiges Haus, zur Aufnahme weiterer 24 Zöglinge errichtet, und das Terrain durch sehr vorteilhaften Ankauf von Grundstücken erweitert, um durch seine Grösse die Möglichkeit zu bieten, die Lehrlinge daselbst vollauf beschäftigen und in allen Zweigen der Garten- und Bodenkultur unterrichten und ausbilden zu können. Den grossen Schwierigkeiten aber, welche ein lohnender Absatz unserer Garten- und Felderzeugnisse bisher bereitete, nach Möglichkeit auszuweichen, machen wir seit April d J. den Versuch des direkten Verkaufs an das Publikum; wir schlossen einen Vertrag mit unserem bisherigen Anstaltsgärtner 8. Minden, gemäss welchem derselbe in einem in der Stadt Hannover unter der Firma S. Minden & Co. errichteten Geschäftslokale den Verkauf unserer Erzeugnisse übernommen hat. Aus dieser Einrichtung erwächst gleichzeitig noch für unsere Lehrlinge der Vortheil, dass die dazu Befähigten Gelegenheit finden, sich in Dekorationsarbeiten, in Kranz- und Biumenbindon und dergl. auszubilden. *) 8. Nr. 670. Alle erwähnten Erwerbungen und Aufwendungen durften, ohne grossen Nachtheil für die Anstalt, nicht länger verschoben werden, und so waren wir gezwungen, nachdem bislang die erhofften und selbst in Aussicht gestellten, erheblichen Unterstützungen aiisblieben, zur Bestreitung alles dessen mit einem hiesigen, grösseren Institute in Verbindung wegen Aufnahme einer Anleihe zu treten. Erwachsen uns daraus auch neue Sorgen, so dürfen wir doch nunmehr hoffen, unsere Anstalt zu einem Musterinstitut zu erheben, würdig der Nachahmung nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern. Allerdings bedarf es hierzu noch vieler Arbeit, weiterer Einrichtung und vor Allem grösserer Mittel. Welch einem ausserordentlichen Bedürfnisse übrigens die Gründung unserer Anstalt entsprach, beweist schon der Umstand, dass dieselbe, im Jahre 1893 mit 9 Zöglingen eröffnet, gegenwärtig zwischen 60 und 70 Zöglingen Heim und Ausbildung gewährt. Der von mancher befreundeten Seite nus ertheilte Rath, im Hinblicke aut die schwierige finanzielle Lage die Anzahl dev Zöglinge zu beschränken, konnte nach reiflicher Erwägung nicht befolgt werden, da abgesehen von der ersten Einrichtung, die Generalkosten sich durch die vermehrte Zahl der Zöglinge nicht bedeutend vergrößern, während das zu einer gediegenen und vielseitigen Ausbildung nothwendig« Sach- und Fachmaterial, wie auch die Lehrkräfte und Anstaltsbeamten vorhanden sein müssen, ohne Rücksicht auf die Zahl der die Anstalt besuchenden Zöglinge. Ein grosser Uebelstand, mit welchem wir seit Bestehen der Anstalt zu kämpfen hatten, ist die Folge einer vielfach unter unseren Glaubensgenossen verbreiteten irrigen Ansicht, dass Knaben, welche wegen körperlicher Mängel oder geistiger Schwäche für andere Berufsarten sich nicht eignen, für den Gärtner beruf immer noch gut genug und in unserer Anstalt am besten aufgehoben seien. Nicht allein, dass solche von der Natur vernachlässigte Zöglinge niemals tüchtige, für ihr Fortkommen selbst sorgende Gärtner und Landwirthe werden können, sind sie

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