Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 83 (20.10.1898)
- Date
- 1898-10-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1536 Eichstcttcn bei der ersten Synode vor drei Jahren ihr Entstehen verdankte. Am 13. Dez. 18;>6 wurde über die Ortsfrage entschieden, und zwar ging Gailingen als Sieger hervor. Herr Prof. Bischofs von der technischen Hochschule Karlsruhe fertigte die Pläne, und am 5. Mai 1897 begann der Bau. Herrn Bischofs und den mitwirkenden Handwerkern sprach Herr Rothschild besten Dank aus und schloß mit einem Hoch auf S- K. Hoheit, den Protektor unseres „Friedrichsheims." Nachdem der Chor „Das Badner Land" verklungen war, übernahm Herr Bezirksrabbiner Dr. Levin—Freiburg namens des Landesvorstands die Anstalt und dankte unserem Landesfürsten dafür, daß das Heim, ein Weihegeschenk der bad. Israeliten zu dessen 70. Geburtstag, seinen Namen tragen dürfe; weiterhin gebühre Dank den Herren Epstein—Eichstetten, Julius Ettlinger—Mannheim, Wilhelm Moos und Ludwig Rothschild—Gailingen, sowie den übrigen Herren der Baukommission und all den Helfern und Spendern des Baues. Möge die Anstalt stets ein segenbringender Zufluchtsort für Invaliden der Arbeit und Gebrechliche sein, in der die religiösen Satzungen hochgehalten werden. Glückwünsche zur Einweihungsfeier trafen ein von den Geh. Kabinetten II. KK. HH. des Großherzogs und der Großherzogin, von den Herren Landeskommissär Engelhorn— Konstanz, Regierungsrath Dr. Mayer—Karlsruhe, Regierungsrath Dr. Föhrenbach —Freiburg u. a. Herr Geh. Regierungsrath Jung—Konstanz brachte das warme Jnterefle der Negierung zum Ausdruck und versicherte, daß diese jederzeit der Anstalt Schutz und Förderung angedeihen lassen werde. Herr Oberrath Bensheim—Mannheim entbot die Wünsche des Großh. Oberrathes der Israeliten und der israel. Gemeinde Mannheim, Herr Stadtrath Fritz Hamburger die der Gemeinde Karlsruhe, Herr Vorsteher Dueas die der Gemeinde Freiburg und Herr Vorsteher Rothschild die der Gemeinde Konstanz, Namens des israelitischen Krankenhauses begrüßte Herr Direktor Eisemann die neue Schwesteranstalt. Herr S. Epstein bat den Orlsvorstand und den Hausverwalter der Anstalt, dieser stete Fürsorge zuzuwenden. Herr Vorsteher Harburger versprach names der israel. Gemeinde Gailingen die wohlwollendste Obhut für das Friedrichsheim. Ein Gesang der unermüdlichen „Eintracht" schloß den Weiheakt. Unter Führung des Herrn Pros. Bischofs folgte die Besichtigung der Anstalt. Die Festtheilnehmer nahmen hierauf im Hotel Biedermann das vorzügliche Festessen ein; hier willkommnete Herr Wilhelm Moos den Vertreter der Regierung und die übrigen Gäste, welche aus allen Gauen des Landes erschienen waren und betonte, daß Gailingen die ihm anvertraute Anstalt als ein Kleinod bewahren werde. Herr Rechtsanw. Dr. Friedberg— Karlsruhe gedachte der zahlreichen Wohlfahrtseinrichtungen in dem mit Recht so genannten Musterstaat Baden, wofür der Großh. Regierung Dank gebühre, und schloß mit einem Kaiserhoch seine zündende patriotische Rede. Frau Dr. Rothschild Randegg schilderte in einem sinnigen poetischen Festgruß das Wirken und die Pflichten der neuen Anstalt, während Herr Dr. Rothschild die Glückwünsche von Randegg überbrachte. Auf Anregung des Herrn Dr. Levin wurde an S. K. H. den Großherzog ein Huldigungstelegramm abgesandt, auf das aus Berlin folgende Antwort eintras: „S. K. H. der Großherzog lassen für die bei der Einweihung des „Friedrichsheim für israelitische Sieche und arme Greise" dargebrachte Huldigung herzlich danken. Im höchsten Auftrag: Babo." Es sprachen noch die Herren Dr. Heilbronn, Oberrath Bensheim und W. Rothschild- Wangen. In schönster Stimmung verlief der Nachmittag, gewürzt durch die flotten Weisen der „Konstanzer" und die prächtigen Lieder des Vereins „Eintracht". Abends war Bankett, besucht von etwa 300 Personen. Zu Beginn erntete die „Eintracht" mit ihrem preisgekrönten Chor „Alpensegen" rauschenden Beifall. Herr Dr. Lev in rühmte in feuriger Rede die Gastfreundschaft, den Gemeinsinn, die Wohlthätigkeit und Vaterlandsliebe der Gemeinde Gailingen, in deren Namen Herr W. Moos und auch Herr Dr. Bloch—Konstanz dankte. Es folgte noch eine ganze Reihe Reden. Erst nach Mitternacht lichteten sich die Reihen der Festgüste. Der 12. Okt. t898 wird für Gailingen und die Israeliten Badens stets ein bedeutsamer Dag bleiben. Dänemark. - Kopenhagen. Die verstorbene Königin van Dänemark kam durch die philantropischen Unternehmungen. bei denen sie sich betheiligle, in häufige Berührung mit angesehenen jüdischen Damen, die für diese Institute rc. thätig waren. Besonders die verstorbene Frau Generalkonsul Salomonsen kaut fast täglich mit der Königin zusammen. Die letztere wnßte auch, daß sie, wenn ihre Anstalten Geld brauchten, bei den Juden immer offene Hand fand. Am 7. September wurde ein Kinderheim eingeweiht, welches ein jüdischer Fabrikant, Jacob Moresco, in der Nähe des königlichen Schlosses Bernstorf errichtet hat. Die Königin Luise war schon zu krank, um selbst der Feier amvohnen zu können, aber der König und alle seine zur Zeit im Schlosse anwesenden Kinder nahmen an dem Feste Theil. Der König ernannte den Spender zum Staatsrath und die Königin sandle ihm einen Dankbrief. Es ist übrigens ein öffentliches Geheimniß, daß die jetzt verstorbene Königin mehrmals, wenn auch vergeblich, zu Gunsten der russischen Inden intervenirte.