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Der Israelit · 1898-10-13 · Heft 81 (13.10.1898) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 81 (13.10.1898)
Date
1898-10-13
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1503 Bauer. Alle werben um ihn, alle protegiren ihn. Er ist hierzulande das, was der sogenannte kleine Mann in Wien. Beide werden in Zeitungen, in politischen Programmen verhätschelt. Aber es Hilst ihnen wenig. Die ökononiische Noth des galizischen Bauers läßt sich nicht bannen. Vergeblich sind die vielen Tausende Gulden jährlich im LandesbudgeL als Hilfe für den Bauernstand nach Mißwachs und lleberschwemmungen. Sowie in anderen ökonomischen und sozialen Fragen, so zeigen unsere Landespolitiker auch in dieser Frage ihre Unkenntniß der ökonomischen Gesetze und Verhältnisse. Mit Subventionen und Geschenken ist noch niemals einem ökonomischen Nothstand abgeholfen worden. Auch die sogenannten Jvölka roliiic/H“ können bisher nur schwachen Erfolg aufweisen, weil kleine arme Parcellenbauern auch mit vereinten Kräften schwach bleiben und wenig leisten können. Daher werden auch die K«>lka rolnicze fortwährend subventionirt. Der Großgrundbesitz greift hilfreich ein, allein bei der allgemeinen Krisis der Landwirthschaft ist auch für ihn die Zeit der Noth gekommen. Und fragt man, ob die Verhätschelten wenigstens Dankgefühl an den Tag legen, ob sie für die polnische Nation, für deren nationales Leben gewonnen sind, so kann diese Frage schwerlich durchwegs bejaht werden. Vom ostgalizischen Bauer wagt gewiß Niemand dies zu behaupten. Aber auch der westgalizische Bauer hat in Sachen der Dankbarkeit und des Nationalgefühls eine zweifelhafte Vergangenheit. Daher wurde die Gründung der westgalizischen Volkspartei von der Majorität unseres Landtages sehr mißtrauisch begrüßt, und in der Thai ist ein großer Theil dieser Partei bald zur Stojalowski-Partei übergangen, deren Programm den Bauern mehr zuzusagen scheint, als dasjenige der Volkspartei, obschon auch letzteres antisemitisch gewürzt ist. Und wie steht es mit den Juden? Sie sind in Galizien Handwerker, Gewerbs- und Handelsleute, Großindustrielle, aber auch Landwirthe, nämlich Gutsbesitzer, Gutspächter, Gutsverwalter, Branntweinbrenner, Förster. Sie sind notorisch fleißig und arbeitsam. Sie zahlen relativ die meisten Steuern. Sie stellen relativ den größten Eonsum, sowohl für Rohstoffe als für Manufaktc und Fabrikate. Sie bauen in den Städten die meisten Häuser und gründen die meisten Industrie - Etabliffements, so daß man mit Recht behaupten kann, daß Lemberg, Krakau, Przemysl, Stanislau, Rzeszow, Tarnow, Jaroslau, Kolomea, ihren Aufschwung und ihre Entwickelung den Juden verdanken. Sie ermöglichten durch ihre Spareinlagen Geschäfte und Transaktionen der Banken. Bei Subskriptionen zu wohlthätigen Zwecken schreiten sie oben an. Sie assimiliren sich seit Jahrzehnten mit den Polen so weit als möglich und die jüngere Generation ist sogar ziemlich völlig assimilirt. Und welches ist unser Lohn, was ist unser Loos? Wir werden fortwährend sozial gekränkt und verletzt. In den Zeitungen werden sie mit Hohn überschüttet. Eine antisemitische Propaganda wird meist mit Jubel begrüßt. Weil einzelne Juden Wucherer sind, wird fortwährend die ganze jüdische Bevölkerung als Wuchergesellschaft bezeichnet. Ist das gerecht? Ist es dem Lande und der Zukunft derselben nützlich? Die jüngsten Bauernunruhen haben gezeigt, wohin es führt, wenn rohe und niedrige Instinkte bei der Maffe erweckt werden. Leider wird auch jetzt nach diesen Ereignissen in einem Theile der Presse gegen die Juden fröhlich weiter gehetzt und der jüdische Name nicht anders als mit Haß und Spott ausgesprochen. Es wäre wahrlich zum Verzweifeln, wenn wir nicht der Constitution des 3. Mai eingedenk wären. Möge diese Tradition, so schreibt der hiesige „Israelit", die Anhänger des Judenhasses auf der schiefen Ebene aufhalten, die sie zum Schaden des Landes und der Nation zu betreten begonnen haben. Rußland. H. Petersburg (Der Abrüstungsvorschlag des Czaren.) Der St. Petersburger Timescorrespondent gibt aus vertrauenswerther Quelle folgende Darstellung der dankenSwerthen Anregung, auf welche der russische Abrüstungsvorschlag zurückzuführen ist: Vor etwa drei Monaten vollendete der bekannte jüdische Banquier M. Bloch den letzten Band eines ausführlichen Werkes über den Krieg der Zukunft, seine Consequenzen und die Mittel, wie er zu verhindern wäre. Der Minister des Innern, M. Gorymikin, konnte sich nicht entschließen, die Erlaubniß zur Veröffentlichung des Buches zu geben. Glücklicherweise unterhält aber Herr M. B., welcher bereits mehrere Schriften über russische Finanzfragen publicirt hat, Beziehungen zum Finanzminister, und durch diesen erlangte er eine Audienz beim Kaiser. Die Audienz dauerte länger als eine Stunde. Es gelang Herrn M. B., den Kaiser durch seine Schilderung des ökonomischen Elends und der finanziellen Ueberbürdung, unter welcher die modernen Völker infolge der riesenhaften Rüstungen zu leiden haben, außerordentlich zu interessiren. Der Czar stellte eine Menge Fragen über alle Details des Gegenstandes, und das Resultat der Audienz war der Abrüstungsvorschlag, von welchen: die Welt so viel Gutes erwartet. England.? London. Allgemein fühlt man hier den Mangel einer Anstalt für Erziehung jüdischer Knaben zur Handarbeit. Wie bei der großen Anzahl jüdischer Kinder, die sich in der größten Armuth befinden, gar nicht anders möglich ist, kommen hie und wieder

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