Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 81 (13.10.1898)
- Date
- 1898-10-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXIX. Jahrgang. Zweite Keilllge M M 81 öes „Jataelit“. Zeituttgsnachrichtett und Corresporr-errzen. Deutschland. F. Berlin, 5. Oktober. (Antisemitisches.) Interessante Gesichtspunkte kamen zur Erörterung in der Strafsache gegen den Apotheker Oehlmann und den Buchdrucker Heinrich Ah'.feld in Hannover. Beide sind am 24. Mai vom dortigen Landgerichte von der Anklage der Beleidigung freigesprochen worden. Oehlmann hatte als Vorsitzender des Antisemitenvereins ein Flugblatt versaßt, welches sich gegen die jüdischen Geschäftsleute von Hannover richtete, und Ahlfeld hatte es gedruckt. Der Kaufmann B. Benjamin und 12 weitere in Hannover wohnende Geschäftsleute mosaischer Konfession hatten gegen beide Herren Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Das Landgericht hat den Inhalt des Flugblattes eingehend geprüft und als beleidigend charakterisirt. Es hat den Angeklagten den Schutz des § 1v3 nicht zugesprochen, aber doch auf Freisprechung erkannt, „weil nicht die jüdischen Geschäftsleute in Hannover, sondern die Gesammtheit derselben beleidigt sei." — Die Revision der 14 Nebenkläger gegen dieses Urtheil wurde gestern vor dem Reichsgericht durch Justizrath Haber- Hannover vertreten. Der Reichsanwalt schloß sich den Ausführungen desselben an und verwies auf verschiedene Neichsgerichtsurtheile, aus denen heroorgehe, daß auch eine Kollektiv-Mehrheit beleidigt werden könne, und daß jeder, der zu derselben gerechnet werde, das Recht habe Strafantrag zu stellen. So habe z. B. vor einigen Jahren jemand die „jüdischen Geschäftsleute am Brühl in Leipzig" beleidigt und das Reichsgericht habe jeden einzelnen derselben als durch die Aeußerung getroffen angesehen. — Das Reichsgericht hob das hannoversche Urtheil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. '< Berlin. Bei Gelegenheit der Reise unseres Kaisers nach Palästina mag es nicht unangebracht erscheinen, an die Reise zu erinnern, die sein Vater, der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm, 1888 ebenfalls nach Jerusalem gemacht hat. Von seiner rücksichtsvollen Haltung den verachteten Juden gegenüber schreibt Prof. Martin Philipps, in seinem ausgezeichneten Buche, „Friedrich als Kronprinz und Kaiser", auf Seite 11.7, wie folgt: Auch die Gefühle der jerusatemitischen Juden schonte er in seiner gütigen Art. Als ihm jemand ein Stück der alten Tempelmauer, an der die Israeliten seit Jahrhunderten ihre Klage über den Vertust der heiligen Stadt anstimmen, zur Erinnerung abhämmern wollte, befahl der Kronprinz aus dein erwähnten Grunde, es zu unterlassen und begnügte sich mit einem Mauerpflänzchen. Solche Züge reden deutlicher von dem Charakter des unvergeßlichen Fürsten, als es dicke Bände voll Lobreden thun könnten. F. Wrefcherr. Die Blätter theilen das folgende Schreiben mit, welches Erzbischof Dr. v. Stablewski an die Witlwe des verstorbenen königlichen Kreisphysikus Dr. Paradies Hierselbst, zur Zeit, als er hier noch Probst war, richtete. „Sehr geehrte FrauEs gibt Schmerzen, in denen jeder menschliche Trost vergeblich wäre, und die nur lindern kann ein Ausblick nach Oben-' Und doch, sehr geehrte Frau, kann ich mir nicht versagen, Ihnen in dieser traurigen Stunde zu erklären, daß Ihr Schmerz auch unser Schmerz ist, daß, wenn Sie in dem Verblichenen mit Recht einen innig geliebten Gatten betrauern, wir einen menschenfreundlichen, uneigennützigen Arzt und edlen Mitbürger betrauern. Er fiel wie ein tapferer Soldat, als Opfer seines erhabenen Berufes. An seinem Grabe darf ihm deßhalb das Zeugniß nicht versagt werden, daß er in seinem reinen, aufrichtigen Herzen weder die Schranken der Religion noch der Rationalität kannte, um seine Menschenliebe zu bethätigen. Dies mar das Geheimuiß, durch welches sich der Verblichene die Achtung uns die Liebe so weiter Kreise erworben hat. Ihr Schmerz, sehr geehrte Frau Kreisphysikus, um den Vertust eines solchen Gatten möge, wenn nicht Trost, so doch Beruhigung und Linderung in dem Glücke finden, daß das Andenken Ihres theuren Verstorbenen bei Freunden und Bekannten stets in Ehren bleiben wird. Mil der Versicherung des aufrichtigsten Mitgefühls zeichne ich hochachtungsvoll Dr. v. Stablewski." W. Hamburg, 3. Oft. Der türkische israelitische Unlerthan R. A. Alcalai, ein an der Börse sehr bekannter Agent, der seit einer Reihe von Jahren mit seiner zahlreichen Familie in Hamburg ansässig war, wurde vor einigen Monaten, weil er der hiesigen Behörde sich mißliebig gemacht hatte, ausgewiesen und siedelte in Folge dessen nach Altona über. Die dortige Behörde wies ihn auch aus Altona aus, und als Alcalai über die betreffende Verfügung Beschwerde bei der Regierung in Schleswig erhob, ließ diese ihn sogar aus dem ganzen preußischen Staatsgebiete ausweisen. Alcalai begab sich hierauf auf mehrere Wochen nach Berlin und beschwerte sich über die Ausweisung bei dem türkischen Botschafter daselbst. Dieser nahm sich in energischer Weise feines Landsmannes au, und die Schleswiger Regierung mußte