Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 79-80 (11.10.1898)
- Date
- 1898-10-11
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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1482 zur Vereinfachung für den Kafsirer wie für die Beitragspflichtigen auf den Bezirkskonferenzen erhoben werden möchten. Hervorgehoben sei, daß der Verein 90 zahlende Mitglieder zählt. Hierauf ergriff Herr Synagogenrath Carlebach das Wort. In einer längeren Ansprache würdigte er die Bedeutung des oft recht schwierigen Amtes des israelitischen Religionslehrcrs. In Erkenntniß deflen wende auch der Großh. Oberrath dem Lehrer und der Schule unausgesetzte Aufmerksamkeit zu. Erft neuerdings habe er den Mitgliedern der Synode eine Vorlage zugestellt, worin die Pensionirung der Religionslehrer und die Versorgung der Hinterbliebenen auf eine rechtliche Grundlage gestellt werden. Er selbst freue sich, wo immer er auch, wie in dieser von einmüthigem Geiste getragenen Versammlung, das Bestreben wahrnehme, jüdischen Geist zu pflegen. Herr Carlebach schloß nul dem Wunsch, me Bestrebungen der Lehrerschaft möchten sich verwirklichen zum Segen für diese selbst, für die Schule und das Judenthum. (Bravo!) Die Verhandlungen fanden hierauf eine längere Unterbrechung durch das gemeinsame Mittagsmahl. Wie sehr die badischen Neligionslehrer das ihnen von der Behörde entgegengebrachte Wohlwollen anerkennen, brachte Kollege W o l f—S ennfeld zum Ausdruck. Er feierte in einem Toast Herrn Oberrath Dr. Mayer, Regierungsrath in Karlsruhe, als den Gönner der Lehrerschaft und Förderer der Schule. In diesem Sinne entbot auch der Vorstand des Lehrervereins Herrn Negierungsrath Dr. Mayer die Versicherung der dankbarsten Ergebenheit der badischen Neligionslehrer. Auch der Thätigkeit des Vorstandes wurde in anerkennenden Worten gedacht. Nachmittags wurden die Verhandlungen unter Leitung des inzwischen eingetroffenen Vereinsvorsitzenden sortgesetzt. Thalmann—Wer 1 heim unterzog in dem Referat: „Die brblischen Geschichtsbücher von S. Müller" den Gegenstand seiner Betrachtung eurer eingehenden, bis auss Kleinste sich erstreckenden kritischen Durchsicht. Insbesondere führte er, gestützt auf maßgebende Kommentatoren der Bibel, wie Jbn Esra, Baal Haturim, Abarbanel, S. R. Hirsch u. A. den Nachweis, daß die Müller'schen Bücher völlig auf der Grundlage des traditionellen Judenthums stehen. Am Schlüsse seiner beifällig aufgenommenen Ausführungen sprach er sein Unheil in folgendem Resume aus: „Müller's Geschichte ist infolge ihrer vorzüglichen pädagogischen und methodischen Anlage, durch ihre lebendige Darstellungsweise, die sie gleich geeignet macht für Lehrer und Schüler, durch die kindliche, dem Worte der Bibel angepaßte und in ihrer Diktion doch herrliche Sprache, durch die peinliche Berücksichtigung der Altersstufe des Schülers, durch den religiösen Geist, der aus ihr spricht und der den schönsten Ausdruck findet in dem [ Schlußwort der Geschichte —, in hervorragendstem Maße dazu angetban, religiös-sittliche Charaktere zu bilden und treue Liebe zum Judenthum zu erwecken und zu festigen. Darum ist Müller's Geschichte zum Gebrauch aufs Wärmste zu empfehlen, und es ist zu wünschen, daß sie in allen Schulen Eingang finde." Der Correferent, Drieten—Tauberbischofsheim, wies zunächst auf die anerkennenden Gutachten hin, die von pädagogischen und theologischen Autoritäten aller Richtungen über die Müller'schen Bücher abgegeben werden. Diese Urtheile stimmen mit den eigenen Erfahrungen des Referenten überein. Im Schulgebrauch werde man am die psychologischen Feinheiten aufmerksam, die sich systematisch durch das ganze Werk bindurchzögen und die dasGemüth des Kindes ansprächen, den wichtigsten Faktor zur Erzeugung eines sittlich guten und religiös frommen Wandels. Der Referent vergleicht nun unter Verwendung eines überreichen Materials das Müller'sche Werk mit allen ihm bekannten im Gebrauch befindlichen Geschichtsbüchern (13) und gelangt zum Schlüsse: „Während die dem Müller'schen Werk vorgcworfenen Mängel — wenn sie Mängel genannt werden können, sich zum größten Theil auch in den andern biblischen Geschichten finden, sucht man die Vorzüge, die es besitzt, in allen andern im Gebrauche stehenden Lehrbüchern vergebens. Seinen Titel: „Ein Buch für unsere Kinder verdient cs vollkommen." — Ans Antrag von Sommer—Pforzheim wurde dann eine Resolution angenoinmen, deren HaiiplpassnS laulN; „Die Generalversammlung des Landesvereins der israelitischen R'Nigionslehrer nimmt mit Freuden Kennmiß von den anerkennenden Begutachtungen verschiedener Neligionsbehörden und namhafter Fachmänner über Müller's „Biblische Geschichte" und schließt sich auf Grund der erstatteten eingehenden Referate diesen Uribeilen rückhaltlos an."*) Erst jetzt konnte der Bericht des Vereinsvorsitzenden über die Thätigkeit des Vereins im ersten Jahre seines Bestehens erfolgen, ^er Verein wurde ins Leben gerufen aus einer konstituirenoen Lanoesversammlung in Karlsruhe im August 1d97. Ein Bericht hierüber ging allen jüdischen Zeitungen zu; zu gleicher Zeit wurden die organisatorischen Arbeiten, Ausarbeitung der Statuten 2C. in Angriff genommen. Der Gr. Oberrath brachte dem neuen Verein seit dem Gründuugslage das ausgesprochenste Wohlwollen entgegen. Der Bericht über den Verlaus der Lanüesversammlung, sowie die Statuten des Vereins wurden im Verordnungsblatte des Gr. Oberraths veröffentlicht. Seit einiger Zeit war der Gr. Oberrath der Frage näher getreten, den Religionslehrern einen Ruhegehalt und deren Hinterbliebenen eine Fürsorge *) Man vergleiche hierzu den Leitartikel in '.Uv. 46 des Israelit. ‘ Red. d. Bl. für die idr. Schule.