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Der Israelit · 1898-10-11 · Heft 79-80 (11.10.1898) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 79-80 (11.10.1898)
Date
1898-10-11
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1476 heitssinn unseren gerechten Ansprüchen Geltung und Gewährung zunächst in den Ländern der Diaspora, dann im eignen Lande der Bestimmung bringen werde. — Diese Rede fand ungetheilte Zustimmung und Beifall; doch märe das allein für uns keine Veranlasiung, ihrer in diesen Blättern Erwähnung zu Ihun, wenn nicht — sonderbarer Zufall! — wenige Tage nachher, der in Wien erscheinende zionistische Mentor Herrn Dr. Deutsch für die Sache des Zionismus rekiamiri und ihn als dessen Parteigänger ausgegeben hätte. Unter der Ueberschrift: „Ein merkwürdiges Büchlein" bringt nämlich das zionistische Hauptorgan, „Die Welt", in ihrer Nummer vom 30. September einen Aussatz, der in breiter Ausführlichkeit mit froher Genugthuung die Thatsache regiftrirt, daß der Gedanke, ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina unter dem Schutze der Mächte zu errichten, bereits im Jahre t807 in Jehudah den Salomo Alkalay, einem sepbardischen Ehacham in Semlin, einen literarischen Fürsprecher gefunden. Seine diesbezüglichen religiös-romantischen Gefühle legte Alkalay in einem Schriftchen betitelt nb bra nieder, das in oben erwähntem Jahre in Wien und bald darauf in Amsterdam aufgelegt worden ist. Auf diese Schrift hat nun Dr. Deutsch einen Parteigänger der Zionisten gelegentlich einer Unterhaltung aufmerksam gemacht und ste ihm auf besten Bitte geliehen. Der Verfaster des Aufsatzes: „Ein merkwürdiges Büchlein" meldet Eingangs seines Artikels diese Thalsache mit den Worten: „Was nun das Büchlein Sna betrifft, so scheint es, wie alle sonstigen Schriften Alkalays auch, vollständig verschollen zu sein, mindestens bin ich demselben nirgends begegnet. Mein Exemplar stamm! aus der Bibliothek unseres Gesinnungsgenossen Dr. Hermann Deutsch zu Fürth in Bayern, der cs einem Gesinnungsgenosten zu Agitationszwecken überlasten hat." Die Thatsache, daß Dr. D. allen zionistischen Bestrebungen vollkommen fernsteht und in der oben erwähnten Rede sich direkt abwehrend gegen düs-Iben ausgesprochen hat, läßt diese GestnnungSgenossenschaft in eigenartigen! Lichte erscheinen, wenn nicht dies Wort im zionistischen Sprachgebrauch „zu Agitationszw».ckeu" eine bloße rhetorische Figur zur Bezeichnung der Liebe sein soll, der jeden frommen Juden an Zion und Jeruscholajim keilet und knüpft. Bemerken wollen wir hier in Ergänzung des Artikels der „Welt" nur noch, daß das Werkchen Alkalltys seinerzeit auch Gegenschriften veranlaßt hat, so z. B. im Jahre lb(iO erschienene Buch rvsrcn rir von Samuel S ch w arz, in welchem mit Bezug aus die Darlegung in Alkalays gesagt wird: „Neuester Zeit erschien eine Broschüre ‘rh d-,: von Jehudah Alkalay, worin nicht die Beweisführung alle Bcach-! tung verdient (diese ist in der That durch phantastische Symbolik verschwommen A. d. V-), sondern der Muth, womit deutlich ausgesprochen ist, daß wir nahe der Messiaszeit, und daß Messias schon vor der Thür, daher die Neichen Israels eingeladen werden, das Paschalik Jerusalem zu einer jüdischen Kolonie anzukausen und alle Vorkehrung zu treffen zu einem unter dem Schutz der Mächte stehenden Judenreiche. Ich stimme dem muthigen und wackern Verfaster bei, daß die Reichen Israels den armen jüdischen Be. wohnern jenes Landes alle nrögliche Hilfe zu kommen lassen mögen, um ihnen durch Ankauf von Grundstücken den Stand zu erleichtern. Doch, was die jünsche Kolonie betrifft, so wäre vielleicht Amerika viel rathsamer als die Türkei." Die Schwarz'sche Schritt hat damals mehrere Austagen erübt; m:in Exemplar ist bereits die zweite dieser Austagen und stammt aus der Bibliothek des Dr. Herm. Deutsch in Fürth. P a l ä st i n a.? Jerusalem. Der in Aussicht stehende Kaiserbesuch in Palästina veranlaßt sowohl die türkischen Behörden, sowie die Privaten zu äußerster Thätigkeit. Außer den schon mitgetheilten Slraßenbauten wird jetzt auch auf der Strecke Jericho, todtes Meer, Jordan-Badeplatz, Jordan-Brücke, Jericho ein neuer Fahrweg gemacht. Am Jordan werden zur Zeit der Anwesenheit des Kaisers eine Menge Beduinen versammelt sein, um dem Kaiser ihre Reiterkunststücke zu zeigen. In Jerusalem selbst wird die Stadtbehörde an der Jaffastr. auf die sogenannte Gottfriedshöhe am Stadlhospital einen Triumphbogen errichten und einen zweiten zwischen dem Lloyd-Hotel und Howards-Hotel. Das ca. 1000 Mtr. lange, zwischen beiden Bögen liegende Stück Jaffastr. soll eine via, triumplialis werden, beide Seiten der Straßen mit Fahnen und Guirlanden geschmückt. Wie man hört, so sind für die Zeit des Kaiserbesuches alle Zimmer und Plätze in den Hotels und Hospizien jetzt schon belegt. Von der Wasserleitung Ain-Arrub-Ierusalem ist es wieder ganz stille geworden, dagegen wurde die ulte salomonische Wasserleitung in letzter Zeit einer gründlichen Repara.'ur unterzogen und führt das Wasser wieder aus den Tempelplatz nach einer 18jährigen Unterbrechung. Für die Stadt im allgemeinen kommt die Wasserleitung kaum in Betracht, da die Angeführte Menge zu gering ist, dieselbe kommt nur den in lür Nähe oes^ Tempelplatzes wohnenden Mohamedanern zu Gute. Uebrigens weilen auch gegenwärtig wichtige Besucher in unserer Stadt. Die Gesandten des Königs Menclik von Abessinien haben aus der Rückreise von Paris eine Pilgerfahrt hierher angeuelen. Der russische General-

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