Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 79-80 (11.10.1898)
- Date
- 1898-10-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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>•!l-jW5 XXXlX. Jahrgang. Zweite Beil. M J\s 79 ä- 80 lies ..Israelit Literarische Umschau. Die Krau im Talmud. Non Dr. N. Klugmaun. Frankfurt a. M. 1898 (I. Kanffmann). UnterJ>cm obigen Titel liegt uns eine 87 Seiten starke Schrift vor, welche den „ersten Band" zu einer Reihenfolge von Untersuchungen bildet, die unter dem Gesammttitel „Vergleichende Studien zur Stellung der Frau im Alterthum" erscheinen sollen. Der Verfasser gebietet über reiches Material; namentlich sind die Hinweise auf die Werthschätzung der Frau bei Völkern des Alterthums und der Gegenwart, wie sich aus der Literatur, den Volksgebräuchen, der Gesetzgebung und dem Volkswitz ergiebt, höchst beachtenswerth und liefern den Beweis, daß die jüdische Auffassung von dem Werthe des Weibes und der Stellung, welche der Talmud ihr einräumt, nicht nur gegen die andern gleichzeitigen nichtjüdischen Lebensgemeinschaften nicht znrücksteht, sondern ihr weit voraus ist, und daß auch die Gegenwart in Beziehung auf die Stellung der Frau noch manches vom Talmud lernen kann. Dieser vergleichende Theil bildet, wenn auch der kleinere, den werthvolleren Theil der Schrift, welche alle Phasen des Frauenlebens in streng wissenschaftlicher Ordnung behandelt. Heber das eigentliche Thema, das schon so oft behandelt worden, konnte der Verfasser nicht viel Neues bringen, aber, und dies ist das besondere Verdienst, der Verfasser hat es verstanden, den Gegenstand zu vertiefen und das Bild zu vervollständigen. Wenn nun auch Fleiß, wissenschaftliche Forschung mtb Darstellung diese Schrift empfehlen, so können wir doch nicht umhin, auf einige ernste Mängel aufmerksam zu machen, deren Fehlen dem Buche von Vorthcil gewesen wäre. Der Verfasser liebt es Citate zu bringen, die aber oft gar nicht angebracht sind. Wenn er glaubt, daß der Frau das körperangreifende Studium mit Rücksicht auf ihre geringen physischen Kräfte nicht zur Pflicht gemacht sei, und hierzu den Ausspruch Hamlets citirt: „Schwachheit, dein Name ist Weib!" so hat er ganz übersehen, daß Hamlet hier von der Charakterschwäche spricht, und somit dieses Citat gar nicht am Platze hier ist. In einer wissenschaftlichen Abhandlung machen solche Kenntniß-Offenbarungen einen gar üblen Eindruck. Unerfindlich ist, wie der Verfasser dazu kommt, S. 16 zu schreiben: „Em, die Erzieherin des Abaji", als ob dieses Em ein Eigenname wäre, während der Verfasser in der Fußnote ganz richtig auf die Erklärung Naschis, daß dieses Wort „Erzieherin" bedeute, hinweist. Es war dies sicherlich die Frau seines Onkels, Rabba bar Nachmani, der ihn ins Haus genommen, welche er ans Liebe Mutter nannte. S. 26 beschäftigt sich mit der talmudischen Auffassung der Vorschrift über die Leviratsehe. Daß die Bestimmung b'j rp* sDrut. 25, 6.) nicht bedeute die Namenserhaltung, sondern die Uebertragung des Crbtheils des Verstorbenen aus den Levir „heiße gewiß, wie der geistreiche A. Geiger bemerkt, dem Schriftwort seinen natürlichen Sinn entreißen, und ihm eine künstliche Deutung aufzwingen". Sinn ist das gar keine Entdeckung des „geistreichen" A. Geiger, sondern es ist gar kein Geringerer als Raba selbst, welcher Jebam. 24 a bemerkt, daß die Erklärung dem einfachen Wortsinn nicht zu entsprechen scheine, aber die tr; die Umwandlung erfordere. Allein die Schwierigkeit liegt nicht in dem, was der Verfasser anführt, denn Erbübernahme und Namenswechsel schließen sich nicht aus; die Schwierigkeit liegt vielmehr in der fremdartig scheinenden Auffassung des Wortes -22; andererseits würde aber auch die Beziehung dieses Wortes aus den der neuen Ehe entsprossenen Sohn, wie der einfache Sinn zu sein scheint, ans andere Schwierigkeiten stoßen, wie der Talmild selbst es auseinandersetzt (vgl. auch Malbin zur betr. Stelle im Sifre). Nun sei aber bemerkt, daß viele derartige Erklärungen im Talmud nicht aus der Schrift etwas herausdeuten, sondern die überlieferte Tradition an diese anlehnen wollen (vgl. Maimonides Einl. zum Mischna-Comm.), und wenn uns der alte Sprachgebrauch der Sprache so bekannt wäre, wie er es uns nicht ist, so würde sich manches, was uns jetzt sonderbar und gezwungen erscheint, als das Einfache aufklären. Die ganze Schwierigkeit, die der traditionellen Auffassung entgegensteht, liegt in dem "hr. "ira; wie wäre es nun, wenn dieses nicht aec.. sondern »lat. wäre i Ein Ausfall des 8 wäre wohl nicht nn möglich, oder wenn '8 zu ergänzen wäre, dann wären alle Schwierigkeiten gehoben. Im Anhang knüpft der Verfasser an das vorhin Erwähnte einige Bemerkungen, die nichts weiter als Vermnthungen sind und eine Auslegung eines talmudischen Ausspruchs, welche in Wirklichkeit dem Worte „seinen natürlichen Sinn entreißt und ihni eine künstliche Umdeutung aufzwingt." Denn S. 77 bemerkt der Verfasser, er vermuthe, daß in Alt-Israel, ähnlich wie bei manchen anderen Völkern, die Erbtochterehe „im gewissen Sinne eine Ehe mit Mutterrecht war," daß nämlich der, welcher eine Erbtochter heirathete, auf sein Vaterrecht insofern verzichten