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Der Israelit · 1898-10-11 · Heft 79-80 (11.10.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 79-80 (11.10.1898)
Date
1898-10-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1467 Statuten). Anregilug einer (Snquetc über die rechtlichen Verhältnisse der jüdischen Gemeinden Deutschlands. Stellung der Vereine innerhalb einer Smiagogengemeinde nach Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches (Antrag der Gemeinde Beuthen Ober- Schlesien). Antrag des „Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens", betr. das Verhältnis der Unterstützungsgemeinden des D.-J. G.-B. zu den Provinzialbczw. Bezirksverbänden. Antrag der Gemeinde Gollub über die Inspektion des ReligionS- Unterrichtes. Antrag der Gemeinde Potsdam betreffend Gründung einer Alters- und Reliktenkasse für Kultusbeamte. Neuwahl des Ausschusses. (Betreffend den Antrag 6 ist der neue Statutenentwurf durch Nr. 4« der „Mittheilungen" bekannt gegeben worden, die Anträge o, io und 11 sind dieser Tagesordnung beigedruckt.) Der erste Verbandstag findet Montag, den 17. Oktober, Vormittags l0l/2 Uhr statt. Tagesordnung: l. Bericht über die bisherige Entwickelung der Provinzial- und Bezirksverbände. 2. Besprechung der den Verbänden Anfallenden Aufgaben: a. Einrichtung von Religionsunterricht in kleinen Gemeinden, b. Inspektion des Religionsunterrichtes durch die Gemeindeverbände. o. Wanderprediger. <1. Vorbildung der Kantoren und Schächter, e. Provinzielle Wohlthätigkeitsiustitute. Waisen-. Kranken-, Alten- und Armenhäuser, Gefangenenpflege, f. Fürsorge für Knltnsbeamte. 6. Wanderbettelei und Organisation der allgemeinen Armenunterstützung. Arbeitsnachweis. .3 ■ Berlin, -3. Oktober. Die Herren Rabbiner Dr. Map bäum—Berlin und Dr. David— Düsseldorf hatten, wie Berliner Blätter melden, bei dem Herrn Minister des Innern, Freiherrn von der Siecke, eine Audienz, um in Erfüllung eines von dem „Rabbiner-Verband in Deutschland" ihnen ertheilten Auftrages wegen des in Rheydt durch die Beschränkung der Schächlsrecheit im dortigen städtischen Schlachthofe geschaffenen Mißftandes vorstellig zu werden. Herr Rabbiner Dr. Maybaum trug das Gesuch vor, das die religiösen Forderungen ebenso betonte, wie es die hygienischen und humanitären Momente berücksichtigte. Er überreichte zugleich eine Zusammenstellung der Gutachten deutscher wissenschaftlicher Sommitäten, die übereinstimmend das Schächten als die vorzüglichste und einwandfreieste Schlachtmethode bezeichnen. Ec wies namentlich darauf hin, daß in der Militär- Konservenfabrik zu Mainz das Schächten gerade aus hn-nanitären und hygienischen Rücksichten eingeführt sei, und daß die holländische Negierung zu der gleichen Maßnahine aus den gleichen Beweggründen sich entschloffen habe. Herr Rabbiner Dr. David legte namentlich die Mißstände dar, die in Rheydt sich herausgebildet haben, wie dort theils Gewissensbcdrängniß empfunden, theils der Grund zu einer Mißachtung gesetzlicher Vorschriften gelegt wurde. Der j Herr Minister versicherte in seiner Antwort, daß er in Uebereinftimmung mit dem reffortmäßig in erster Reibe zuständigen Herrn Handelsminister der Meinung sei, daß die Rhkydter Schlachthof-Ordnung einen unhaltbaren Zustand geschaffen habe. Eine Nemedur sei dadurch erschwert, daß die Betheiligten die Beschwerdefrist ungenützt hätten verstreichen kaffen. Immerhin müffe und werde sich ein Ausweg finden, um zu verhindern, daß irgendwo die extreme Wahrung des „Hausherrn-Standpunktes" Seitens der Schlachthofbesitzer, d. i. der Communen, sich geltend mache. Der Zwang, ausschließlich im Schlachthofe zu schlachten, sei unvereinbar mit dem Verbot bestimmter Schlachtmethoden. — Eine Stunde später wurde dieselbe Deputation von dem Handelsminifter Herrn Brefeld im Beisein des Unterstaatssekretärs Lohmann empfangen. Der Herr Handelsm'nister sicherte beschleunigte Prüfung und Erledigung der Angelegenheit zu. Die Antisemitenblätter sind natürlich wüthend über die den Rabbinern gegebene Auskunft, sie wollen mnunefjr mit voller Kraft in die Agitation für Schächtverbot im ganzen Reiche eintreten. Köln, 4. Oktober. Am zweiten Tag rr® starb hier plötzlich der Großkaufmann und Stadtverordnete Benjamin L i e b m a n n, Seniorchef der Weltstrma Gebr. Liebmann u Oehme im Atter von 7<» Jahren, nachdem er noch bis Schluß des Gottesdienstes in der Synagoge verweilte. Derselbe war 27 Jahre stellvertretender Vorsitzender der hiesigen Synagogen-Gemeinde und vieler Wohlthätigkeitsvereine und erfreute sich ob seines biederen Charakters, seines leutseligen Wesens und seines großen Wohlthätigkeitsffnnes nicht nur innerhalb der Synagogengemeiude, sondern auch bei Andersgläubigen einer hohen Achtung und Werthschätzung, was schon daraus hervorgeht, daß er 22 Jahre ununterbrochen als einziger Jude durch das Vertrauen seiner Mitbürger dem Stadtverordneten-Eollegiuni angehörte und bei der letzten Wahl von allen politischen Parteien aufgestellt und beinahe einstimmig gewählt wurde. In der Versammlung der Vertrauensmänner der Eentrumspartei hörte man den Ausspruch: „Das ist ein Mann, gegen den wir nichts einzuwenden haben." Der Verstorbene hat sich bei der hier in diesem Jahre stattgehabten starken Bewegung in der Orgelfrage als entschiedener Gegner derselben große Verdienste erworben, und war es hauptsächlich seinem Einflüsse zu verdanken, daß die „Orgelmänner" gegen eine erdrückende Mehrheit unterlegen sind, wie er überhaupt jede Reform innerhalb der Gemeinde bekämpfte. An dem imposanten von über 60 Equipagen begleiteten Leichenbegängniß betheiligte sich ein unabsehbarer Zug von Leidtragenden aller Gesellschaftsklassen und Berufsstände, insbesondere bemerkte man' das gesammte Stadtverordneten-Collegium nebst Stadträthen an deren Spitze Oberbürgermeister Becker, den

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