Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 77-78 (29.9.1898)
- Date
- 1898-09-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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2LX.iLM.jL. Jahrgang. Ml? & *8. Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr. ITeljman« in Wlstnz Donnerstage den 29. September 5659 (1898). Unsere nächste Nummer, eine Doppelnummer, erscheint des heiligen Laub- JlljS®' hüttensestes wegen Dienstag, den 11. Oktober. Jnseratenannahme bis Montag, 10. Oktober, Vormittags 10 Uhr. Leitende Artikel. Gin Wort öei Gelegenheit. -1- Noch stehen wir unter dem Eindrücke der „furchtbaren Tage". Die Zeit der Selbstprüfung, eine ernste Zeit für jeden, der sie mit Ernst zu erfassen versteht, hat ihre Lehre, die sie an uns zu richten gewöhnt ist, gegeben und ist wieder von uns geschieden. Werden wir auch die Sprache dieser ehrwürdigen Lehrmeisterin beherzigen, werden ihre Worte auch nicht von uns nur gedankenlos nachgelallt, um dann leicht wieder vergessen zu werden? Haben wir dem Mahnruf dieser letzten Wochen mit dem Herzen gelauscht, so haben sie nicht umsonst gesprochen. Denn dann betreten wir ja auch nicht gedankenlos die Hütten, in denen der Allgütige unsere Väter hat wohnen lassen; dann geleiten uns die Nachklänge des Schaufor noch in diese Hütten; dann führt uns der Schaufor-Gedanken steter ernstester Selbstprüfung in den Schutz unseres liebevoll sorgenden Allvaters. Und das eine als Anlaß zum andern, nnb dieses als Folge jenes wird unser Leben hindurch in schöttster Wechselwirkung harmonieren. Und doch mag in unseren Tagen so mancher der ganzen Bedeutung jener „furchtbaren Tage" für's Leben sich bewußt sein, mag im Ganzen und Großen in feiner Lebensführung auch die Konsequenz der Anschauungen ziehen, die Bedeutung und Wesen der „Zeit der Rückkehr" dem denkenden Juden einprägen, mag im selben Sinne seine Kinder zu erziehen bestrebt sein, mag Anspruch haben auf den Ehrentitel ein „braver, guter Jehudi" zu sein — und doch fehlt ihm in einem Punkt die richtige Anschauung vom jüdischen Gesetz. Indes gerade daraus, wie dieses Jahr der Festescyklus die Wochentage wählt, könnte er so leicht lernen was ihm fehlt, um fürder diese neugewonnene Lehre im eigenen Leben wie bei der Erziehung zu bethätigen. Es nahte der Rausch-Haschonoh heran. Wird ein solcher Mann, der, wie eben skizziert, als Typus einer großen Anzahl unserer modernen „Frommen" im Geiste, vor uns steht, —■ wird er auch „Schaufor hören?" Ob er auch „Schaufor hören" wird. Er ist doch einer der „Frommsten" in der Stadt! Und in der That, alle Achtung! — Es ist keine bloß zur Schau getragene Frömmigkeit, um sich als würdiges Vorstandsmitglied für die kommenden Wahlen zu präsentieren, es ist keine Frömmigkeit, um sich in Würden und Aemtern erhalten zu können, es ist nicht nur Gewohnheit, es ist Treue zum Gesetz, festgegründet auf nimmer zu erschütternder Grundlage wahrer Erkenntniß und genügender Kenntniß der Quellen des Gesetzes, mit der er ausgerüstet ist. Es ist Frömmigkeit, die zugleich aus achter „Religion", aus rechter Menschenliebe entquillt, mit Redlichkeit und Rechtlichkeit in Handel und Wandel gepaart, getragen von der Fähigkeit, sich für Ideale zu begeistern, gefördert von Opferfreudigkeit, die nur in tiefer Ueberzeugung wurzeln kann. Er widmet seine Kräfte nicht nur leidenden Mitmenschen, er weiht gern die Opfer, die die Sabbatruhe von dem Kaufmann fordert, der Heiligung des höchsten Namens. Und es wäre noch eine Frage ob er „Schaufor hören" wird? Ob er ein „Lulow" hat? Welche Frage! Und