Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 69 (1.9.1898)
- Date
- 1898-09-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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XXXIX. Jahrgang Dritte Srilüge M M 69 des „Israelit*. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Schlüchtern, 28. August. Die Zahl der Mitglieder der hiesigen isr. Gemeinde halte sich in den letzten zwei Jahrzehnten durch Zuzug aus den Landgemeinden so vergrößert, daß die Synagoge denselben nicht inehr genügend Platz bot. Da diese außerdem ringsum von einem Gebäudecomplex dicht umschlossen und die polizeiliche Schließung wegen Feuersgefabr zu besürchten war, entschloß sich die Gemeinde unter Aufbietung aller ihrer Kräfte ein neues Gotteshaus zu errichten. In einem der schönsten Studttheile, umgeben von duftigen Gärten, wurde die neue Synagoge, prachtvoll von Außen und herrlich im Innern, im romanischen Style erbaut; gleichzeitig wurde der Bau eines neuen Schulhauses mit Lehrerwohnung und einer mps in Angriff genommen. Die Einweihung der Synagoge fand vergangenen Freitag, am 2<>. d. unter großen Fest- und Feierlichkeiten statt. Ich war Zeuge cimr wahrhaft freudig erhobenen Stimmung und Begeisterung, die nicht blos bei den Mitgliedern der hiesigen Gemeinde zum Ausbruche gelangte, die auch in einer selten großen Antheilnahme von isr. Gemeinden aus der Nähe und Ferne, deren Mitglieder zu Hunderten zu dieser n'L-r brr» rrnatr herbeiströmten, sich dokumentirte. Was die Festesfreude noch besonders steigerte war der Umstand, daß man bei dieser Gelegenheit die erfreuliche Wahrnehmung machen konnte, daß unter den Mitbürgern der hiesigen Stadt Frieden und Eintracht herrscht, und die „Schmach des Jahrhundert»", der Antisemitismus, welcher den GlaubenS- und Naffenhaß predigt, keinen Eingang gesunden. An den Einweihungsfeierlichkeiten betheiligten sich der Herr Landrath, Geheim rath Roth, der Magistrat und die Stadtverordneten in corpore mit d,m Bürgermeister, Herrn Salomon an der Spitze. Dieselben wohnten nicht nur dem Abschiedsgottesdienste tu der allen Synagoge und der Einweihung des neuen Gotteshauses bei, sondern schloffen sich auch dem Festzuge an. Herr Landrath, Geheim rath Roth spendete bei Ueberreichung des Schlüssels zur neuen Synagoge an den Herrn Bürgermeister, der Gemeinde für die Errichtung des neuen Gotteshauses, das in seiner prachtvollen Schöne eine Zierde der Stadt sei, großes Lob mit der Aufforderung, daß sämmtliche Bürger der Stadt demselben den wohlwollendsten Schutz gewähren lassen mögen. Herr Amtsrichter Zimmer man drückte in einem verbindlichen Schreiben an die Synagogenältesten sein tiefes Bedauern aus, daß er amtlich verhindert gewesen, der Festlichkeit anzuwohnen. Um den Raum Ihres geschätzten Blattes nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen, versage ich mir auf die Einzelheiten der Feier einzugehen, bemerken will ich nur, daß der Festzug und der Weihegottesdienst bei allen Theilnehmern einen imposanten Eindruck hervorgerufen, deffen hehre Wirkung noch lange andauern wird. Aber besonders soll der Abschieds- und Weihereden des Herrn Provinzialrabbiners D r. Koref n aus Hanau gedacht sein, der als bekannter Kanzelredner in tiefgefühlten Worten sSn sv awn n^n rSn Sn cmji die Bedeutung des Weiheaktes in einer Weise zum Ausdruck brachte, welche die ungetheilte Begeisterung aller Zuhörer hervorzurufen, nicht verfehlt hat. Herr Landrath Roth drückte dem Herrn Rabbiner nach Schluß des Gottesdienstes seine volle Anerkennung und Befriedigung aus. Nicht minder ergötzte die Predigt beim Sabbat- Morgengoltesdienst, welche geistreich ausgeführt und von vielen rtmc gewürzt einen nachhaltigen Eindruck hervorgerufen hat. Schließlich will ich nicht versäumen der Synagozenältesten, der Herren I. M. Walther und B. Strauß und des Bauau-schufseS zu erwähnen, welche in aufopfernng'- und hingebungsvoller Weise die Errichtung des Prachtbaues förderten und nicht Zeit und Mühe scheuten, um dieses Denkmal echt jüdischer Opferwilligkeit und Zusammengehörigkeit inS Leben zu rufen. Nicht vergeffen darf ich, daß Herr Lehrerund Cantor M. Schwarzschild und der wohlgcschulte Chor unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Leo Stern durch ihre schöne Gesänge, welche sich allgemeinen Beifalls eisreuten, zur Verherrlichung des FZtes und des Gottesdienstes wesentlich beigetragen haben. Auch des wohldurchdachten und mit tiefem Gefühle vorgetragenen Prologs des Fräulein Bella Strauß vor Eröffnung der neuen Synagoge sei hiermit lobend gedacht. Die Frauen der isr. Gemeinde spendeten ein prachtvolles iw®, ein ebensolches Herr und Frau Nathan Oppenheim aus Eaffel, letztere eine geb. Sichel aus Schlüchtern. Beide rniv sind in dem Atelier des *wd B. Grünest a u m in Eaffel angefertigt. Die jüdische Gemeinde Schlüchtern hat mit dem Neubau einer Synagoge, mit der Errichtung eines neuen Schulgebäudes und einer neuen nipo Institutionen ins Leben gerufen, die der Erbauung des innern Menschen, der religiösen Erziehung der Jugend und der Förderung des echt jüdischen Familienlebens gewidmet sind. Möge der Geist, der aus ihnen spricht