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Der Israelit · 1898-08-29 · Heft 68 (29.8.1898) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 68 (29.8.1898)
Date
1898-08-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1257 letztes Mal auszuruhen, bevor er in die unbekannte Ferne entflattert. Die religiösen Feste, das sind die wahren himmlischen Genien der Kinderschaar. Die Feste mit ihren mannigfachen, unschuldigen Freuden, mit ihrer heiligen, frohen Weihe, schlingen sich Blumen gleich durch'» Leben, deren überirdischen Duft wir nie so rein und tief empfinden, als im Kindesalter. Es giebt ja doch keine eigentliche, reine Freude, als in der Kindheit. Die Kindheit, das ist der große Kteinodienspeicher, von dessen Schätzen das ganze spätere Leben zehrt, und wehe dem armen Herzen, bei welchem dieser Speicher leer geblieben ist! Seitdem Schulamit in jenes Atter getreten war, wo die Kinder eine reiche Entfaltung der Geistesuud Gemüthskräftc beginnen, hatte sich bei Rüben das Gefühl inniger Freude vertieft, mit welchem er stets ein jedes herannahende Fest zu begrüßen gewohnt war. Es bedurfte nicht mehr der Reminiszenzen, um in ihm die buntglänzende Welt der eigenen Kindheit lvachzurufen, sie lebte vielmehr verkörpert auf vor seinen Augen in dem Gebühren des Kindes. Wie sich das kleine, putzige Ding mit dem neuen Kleidchen, mit dem neuen Schürzchen freute, deren eS zu keinem Festtage fehlen durfte, wie cs sorgenvoll zum Himmel emporlugte, ob derselbe auch ja nur sonnig und klar bleibe, die Ausbrüche des Jubels, wenn die Pfade schön trocken und zum Spazieren einladend waren, und die Luft warm und still, das Alles fühlte er so innig mit, wie etwas Selbsterlebtes .... III. Einige Wochen nach dem Laubhüttenfesie hatte Rüben eine geschäftliche Angelegenheit nach der Stadt geführt und ihn dort einige Tage festgehalten. Die Witterung hatte bereits ein stark winterliches Gepräge. Aschgraue Wolken verhüllten den Himmel und durch die Luft brauste frostiger Spät herbststurm. Am Donnerstag trat Rüben die Rückfahrt all, um nicht über den Sabbat von feiner Familie fern sein zu müssen. Bei der Endstation feines Wohnortes erwartete ihn fein Gefährte, welches ihn den einigen Stunden langen Weg nach Hause beförden sollte. Doch kaum hatte er auf demselben eine Strecke zurückgelegt, als ihlt eilt ungemein heftiger Schneesturm überraschte. Der Schneefall war so reichlich, daß nach kaum einer Stunde die Erde eine hohe Schneeschicht bedeckte. Die Thiere mußten keuchend gegen die Macht des Sturmes ankäinpsen itnd auch Rüben im 'Wagen litt sehr von dent eiskalten Winde, der ihm den Schnee in'» Gesicht blies, und vor welchen! er sich kaum in den Falten seines Reisepelzes zu schützen vermochte. Je mehr er sich seinem gebirgigen Heimathsortc näherte, um so schlimmer wurde es. Die Unebenheiten des Bodens nahmen zu und es gab Stellen, lvo die Pferde bis zu den Knien im angewehlen Schnee versanken. Vor dem letzten steilen Berge angelangt, der ihn von dem Dorfe trennte, mußte er sich entschließen, vom Wagen zu steigen, und die Berglehne zu Fuß emporzuklimmen, denn die Pferde konnten auch da» leere Gefährt nur mit Mühe hinaufziehen. Fast bi» zur Athemlosigkeit erschöpft langte er oben auf der Bergspitze an. Der Wind gestaltete sich hier oben zu einem wahrhaftigen Drkane; sausendes Schneegetümmcl erfüllte die Luft und verhüllte die ganze Welt vor den Blicken. Roch eine halbe Stunde, die aber durch die Unbilden des Wetters zu einer Ewigkeit verlängert zu werden schien, und das Gefährte hielt vor seinem Hause. Als er aber einmal drinnen war in der gut erwärmten Stube bei Weib und Kind, als Schulamit auf seinen Kniecn sitzend ihm mit den zarten Fingern den Schnee aus dem Bart strich, da war auch schon die ausgestandcne Mühsal verwunden und diente nur mehr dazu, uni das ihn erfüllende Wohlgefühl zu steigern. Er durfte sich jedoch nicht lange der freudigen Stimmung des Wiedersehens hingcben. Den Rest des Tages brachte er damit zu, das Versäumte im Geschäfte nachzuholcn und er mußte es feiner Frau überlassen, die dem Kinde mitgcbrachten, manigfaltigen Gegenstände vor den. gespannt zuschauendcu Augen desselben auszupacken. Es kam ja Freitag Abend und Sabbat da hoffte er dann, mit vollem, ungestörten Behagen von den Beschwerden der Fahrt, die Müdigkeit davon steckte ihm noch in allen Gliedern, auSruhen zu können. Schulamit» Freude kannte keine Grenzen; das Füllhorn väterlicher Järtlichkeit hatte sie mit einer wahren Fluth von theueren Angebinden überschüttet. In erster Reihe war für die Anforderungen der bevorstehenden, strengen Jahreszeit an Kleidungsstücken vorgesorgt. Da gab eS warme Pelzhäubchen, Mäntelchen, Stifletten, nicht gerechnet die Puppen und andere da» Herz einer so kleinen Dame ersreuende Spielgegcnstände. Da» Kind schlief diesen Abend unruhig und sein Traum ivar bevölkert von den Bildern des Tage». Insbesondere die Puppen trieben allerhand ergötzlichen Mummenschanz. Die Große, mit dem llachsgelbeu Haar, setzte sich eine» der Häubchen aus rothem Sammt aut den Kopf, schlüpfte in da» feine tveiße Mäntelchen, mit den blanken Metallknöpfen, aber die Füße geschah es nun aus Vergeßlichkeit oder aus schalkischein Muthwillcn — die rotheu Füße ließ sie unbedeckt. So kam sie herangetrippelt, machte einen putzigen Knir und hielt einen laugen, eonfufen Sermon. Der elegante, winterliche Staat und die nakten rothen Füße gaben einen so drolligen

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