Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 67 (25.8.1898)
- Date
- 1898-08-25
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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ziehung die Bestrebungen des Gemeindebundes und der Lehrervereine dieselben seien. Darum sei es Pflicht des Lehrers trotz mancherlei Verdächtigungen, die wohl einer irrigen Auffassung zuzuschreiben seien, dem Gemeindebunde Dank und Anerkennung zu zollen. Diesen Worten entsprechend erhob sich die Versammlung von ihren Sitzen. Auf die Anfrage, wer von den Kollegen zur Mitarbeit bei der Herausgabe des „statistischen Jahrbuches" bereit sei, erklärten alle Anwesenden, sich dem Gemeindebunde gern zur Verfügung stellen zu wollen, wobei man der Hoffnung Ausdruck gab, daß den Lehrern das Jahrbuch unentgeltlich oder doch zu einem ermäßigten Preise überwiesen werde. Darauf richtete Herr Justizrath Dr. Benfay als Delegirter des D.-J. G.-B Worte der Begrüßung und des Dankes an die Versammlung, den Verhandlungen im Jntereffe der Schule und der Jugend einen segensreichen Erfolg wünschend. Nachdem noch die Herren Landrabbiner Dr. Gronemann—Hannover, welcher das Fehlen seines Kollegen Dr. Lob entschuldigte und Dr. Lewinsky—Hiloesheim warme BegrüßungSwone an die Versammelten gerichtet, fuhr der Vorsitzende in der Berichterstattung fort. Er theilre mit, daß zwei wackere Kollegen und treue Lehrer (Seminarlehrer Sommer und Dr. Kayserling—Hannover) uns im letzten Vereinsjahre durch den Tod entrissen seien. Auch gedachte er des verstorbenen Seminardirektors Dr. Stein—Kassel, dem eine große Anzrhl Lehrer in der Provinz Hannover ihre Ausbildung verdankt, und schildert in kurzen Worten dessen rastlose und segensreiche Arbeit für den jüdischen Lehrerstand und namentlich für die jüdische Volksschule in Hessen, die ihm viel zu verdanken habe. Die Versammlung ehrte das Andenken der Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Weiter wurde berichtet, daß zwei Kollegen (Katzenstein—Hannover und Cohnhoff—Duderstadt) das 25 bezw. 50jährige Dienstjubiläum gefeiert haben, sowie zwei Kollegen (Cohnhoff—Duderstadt und Frankenftein —Osnabrück) in den wohlverdienten Ruhestand getreten seien. Nachdem die Versammlung noch Kenntniß genommen von den eingegangenen Briefen, sowie den Ansichtssendungen der Buchhandlungen Jacobsohn —Breslau und Ebbeke—Bromberg, empfahl der Vorsitzende noch den „Israel. Jugendfreund" von lauter der Unterstützung und Förderung durch die ollegen. Auf Antrag des Kollegen Weinberg— Bodenfelde wurde der Gesammtvorstand durch Zuruf wiedergewählt, sowie die Kollegen Bachenheimer—Harburg und Selig—Emden zu Kassenrevisoren. Darauf hielt Kollege Scheuer, einen Vortrag über das Thema: „Die Gewöhnung, ein Mittel der religiösen Erziehung." Da die Zeit bereits sehr vorgeschritten, wird die Besprechung dieses allgemein als vorzüglich anerkannten Vortrages auf morgen verschoben, und werden zunächst die Mittheilungen des Verbandes entgegengenommen. Die Frage, wie die Kosten der Delegirten für den nächsten Verbandstag zu decken seien, findet eine schöne Lösung, indem sich auf Antrag des Vorsitzenden alle Anwesenden bereit erklären, einen außerordentlichen Beitrag von 1 M. in die Verbandskasse zu zahlen. — Nach Eintritt in die freien Besprechungen ladet Herr Seminardirektor Dr. Knoller die Versammelten zur Theilnahme an oer im November d. I. stallfindenden Jubiläumsfeier der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover ein. Mit einer eingehenden Besprechung der zum Theit noch nicht entschiedenen Gehallsregulirung wird der erste Tag beschlossen. Zweiter Tag der Versammlung. Morgens 7'/? Uhr versammelte man sich im Seminar in der Ohestraße. Zunächst wurde der Vortrag des Kollegen Scheuer besprochen. In der Debatte, an der sich Wolf—Aurich, Meyer—Hannover, Stern—Hildesheim u. a. betheiligen, wird die Zweckmäßigkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen allgemein anerkannt. Meyer—Hannover, Wolf—Aurich und Spanier—Stolzenau schlagen in Gemeinschaft mit dem Referenten die folgende Resolution vor, die zur Annahme gelangt : „Die Gewöhnung ist ein wichtiges Mittel zur religiösen Erziehung und zur Erlangung religiöser Gesinnung und Handlung in Schule und Haus anzuwenden. Sie wurzelt in Vorbild, Beispiel und besonderen zweckentsprechenden Veranstaltungen und findet ihre beste Förderung durch die Volksschule, die auch in dieser Hinsicht die beste Gewähr für das Gelingen bietet. Darauf hielt Herr Kollege Levy—Hannover mit der Oberklasse der Seminarübungsschule eine Lehrprobe über: „Das Verbot des Betruges." In der Besprechung, an der sich Wiesen—Osterode, Stern —Hildesheim, Spanier—Stolzenau, Bachrach—Hameln, Lorge—Wolfenbüttel u. a. beteiligten, wurde, abgesehen von einigen Meinungsverschiedenheiten, der schöne Verlauf und gute Erfolg der Unterrichtsstunde hervorgehoben. — Nachdem man sich wieder im Versammlungslokal eingefunoen, referirt Nagel -Diepholz und Selig— Emden über das Verbandsthema: „Wie ist die jüdische Volksschule in unserer Provinz entstanden, wie hat sie sich entwickelt und was hat sie geleistet?" Die beiden Referenten führten sich einander ergänzend, etwa das Folgende aus: 1. »Die jüdische Schule unserer Provinz ist wie fast alle jüd. Schulen Preußens und Deutschlands aus dem Cheder entstanden und wurde je nach den