Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 67 (25.8.1898)
- Date
- 1898-08-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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sich ein Urtheil darüber zu bilden, welchen Zweck wohl das anonyme Inserat mit den darin enthaltenen unrichtigen Angaben erfüllen sollte. W. Haldersta-t. Der Kaufmann Moritz Meyer weigerte sich, bei seiner gerichtlichen Vernehmung als Zeuge den vorgeschriebenen Eid zu leisten. Schon vor der Verhandlung äußerte er anderen Personen gegenüber, daß er den Eid in der vorgeschriebenen Form nicht leisten werde. Als die Reihe an ihn kam, erschien er mit einem Cylinderhute in der Hand am Zengentische und richtete an den Vorsitzenden die Frage, ob es ihm gestattet sei, während der Eidesleistung nach Mischen Neligionsvorschriflen den Hut aufzusetzen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Erster Staatsanwalt Peßler, ersuchte, den Antrag abzulehnen. Es sei unstatthaft, daß ein vor ein christliches Gericht geladener Zeuge während der Eidesleistung die Kopfbedeckung aufbehalte. Meyer berief sich darauf, daß auch vor anderen Gerichten seinen bezüglichen Anträgen stattgegeben worden sei. Das Gericht lehnte den Antrag ab, worauf M. noch einen letzten Versuch machte, indem er bat, eine Entscheidung des Kultusministeriums herbeizuführen. Das Gericht ging jedoch nicht mehr darauf ein. Der Vorsitzende verwies ihn lediglich auf den Beschwerdeweg. M. will sich nun beschwerdeführend an das Staatsministerium wenden. Oester r.- Ungar. Monarch! e. Neu-Sandcz, 1.5. August. Vom Vorstand und Nabbinat der hiesigen Gemeinde erhalten wir folgende Zuschrift: Nicht blos in Erfüllung einer eonventionellen, wenn auch moralischen Pflicht, sondern vielmehr dem hundertfach geäußerten Wun'che unserer armen Glaubensgenossen, welche der Naubwuth des von gewissenlosen Agitatoren und Strebern verhetzten Bauernpöbels in Westgnlizien zum Opfer fielen, und die nun durch die Munisizenz der „Israelitischen Allianz zu Wien" an die Wiedererrichtung ih^er Existenzen schreiten sonnen, nehmen wir hiermit Anlaß, einer hochverehrten „Israelitischen Allianz zu Wien' den tiefempfundenen Dank zum Ausdruck zu bringen. — Man muß das Elend, den Jammer und die Verzweiflung der schwer heimgesuchEn, geplünderten Ittden im Neu-Sandezer und Limanower Bezirke mitangesehen haben, um die Größe und Tragweite der Hilssaction dieses einzigen Institutes, das den Juden stets m der Noth beigestanden ist. ermessen zu können. Fned- Uebende, ehrenhafte Bürger, die stets ihren: ehrlichen und redlichen Erwerbe nachgegangen sind, und die der Bevölkerung, unter der sie leben, nicht den geringsten Anlaß zur Unzufriedenheit geboten haben, sind binnen wenigen Tagen zu Bettlern geworden. Gehöhnt und gedenrüthigt von einer rohen Horde, haben sic nicht blos ihr Vermögen, ihr redlich und schwer erworbenes Gut. sondern auch ihr menschliches Selbstgefühl verloren und wähnten sich von Gott und Menschen verlassen. Es war daher nicht blos die Gabe selbst, sondern auch die edle, feinfühlige Art, mit der die Unterstützungen verabfolgt wurden, welche ihren Muth neu belebten und ihnen Thränen des Glückes und des Dankes erpreßten. Im Namen der Geplünderten vo,r Alt Sandez, Bialawoda, Biczyee, Biegonice, Borowa, Brzezna, Brzeziny, Chelj miez, Ehomranice, Eyganowire, Dombrowka, Dombrowa, Falkowa, Golombkoivice Gwizdowka, Jasienna, Jelna, Jodlomnik. Just, Kamionka, Klenczany, Kaduk, Klodne, Kamicnice, Klimkowka, Krasne, Kobylnice. Lenk«, Leng, Librantowa, Lipie, Lososinadolne, Lososinagorne, Loncko, Laskowa, Milkowa, Menzina, Mordarka, Marrinkowice, Mistkon», Nasciszowa, Neu-Sandez, Niskowa, Olszana, Owieczka, Paszyn, Przydonice, Pionskowa, Pisarzowa, Podole, Posadowa, Rojoaka, Rocmirowa, Siedlec, Strzysyce, Sechna, Swidnik, Stankowo, Sienna, Stadlo. Starawies, Slowikowa, Stronie, Trzctrzewinie, Trzyrierz, Tropie, Ubiad, Ujanowicc, Witowice, Witowicegorne, Witowieedolnc, Zabelcze, Zbenk, Zbikowice, Znamirowice. Zalubincze und Zmionca, denen die Unterstützung dr Israelitischen Allianz zu Wien die Möglichkeit zur Wiederbegründung ihrer Existenzen vcrholfcn hat, sprechen wir daher der hochverehrten Israelitischen Allianz den aufrichtigen Dank Aller ans. Insbesondere dem Borstande Herrn Wilhelm Pappenheim, der die Mühe und Opfer nicht gescheut hat, die geplünderte Gegend zu bereisen und sich persönlich von der Noth zu überzeugen, nicht minder dem Secrctär der Allianz, Herrn Dr. Friedrich S. Kraus und dem Vertrauensmanne Herrn Franz Fischer, welche in hochherziger Weise ihre Mission erfüllten und jede Gabe mit herzerhebenden Worten des Trostes begleitet haben. Aron Nebenzahl, Vorsteher der israel. Eultusgemeinde, — Aron Halb er stamm, Rabbiner. — Dr. jnr. Earl David, — M. M. K l a p h o l z, — I a c o b G r o ß - Hand, — Moses Engländer, — Dr. med. Leon ©Übermann, — N. Tauber, Gcmeinde-Sccrctär. Amerika. li. New-Uork, 10. August. Einer der bekanntesten Deutschen an der amerikanischen Pacificküste, Adolf S u t r 0, ist am 8. August in San Francisco gestorben. Adolf Sutro war im Jahre 1830 in Aachen, Rheinpreußen, als der Sohn des berühmten Rabbiners Sutro, des einzigen Rabbiners Westphalens, der noch fromm war, geboren und kam 1850 nach den Ver. Staaten. Er hatte auf der Reife von den großen Goldentdeckungen in Kalifornien gehört und begab sich sofort dorthin. Im Jahre 1860 besuchte er die Bergwerks-Regionen von Nevada und faßte dort den Plan des großen Tunnels durch das Herz der Berge, ein Unternehmen, mit dem der Name Sutro unvergänglich verbunden ist. Die Vollendung des Tunnels nahm über zehn Jahre in Anspruch, von 1868—1879 und machte Sutro zum vielfachen Millionär. Ein Theil seines Reichthums verwendete er auf die Anlage einer großen öffentlichen Bibliothek und Gemälde-Gallerie. Auch machte er der Stadt San Francisco im Jahre 1887 eine Nachbildung der Bartholdifchen Freiheitsstatue zum Geschenk. Ferner baute er an der Seeküste das Cliff Houfe, einen der großartigsten öffentlichen Vergnügungsplätze der Welt; einen Badepaoillon für öffentliche Zwecke. Es war erwartet worden, die nördliche Pacificbahn werde ihre Geleise bis dorthin ausdehnen, so daß Jedermann für 5 EentS dorthin gelangen könne. Die Bahn kam dieser Erwartung nicht nach und erpreßte ein doppeltes Fahrgeld von den Besuchern. Es kam zu einem hartnäckigen Kampfe zwischen der Bahn und Sutro, ans dem der letztere.