Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 63 (11.8.1898)
- Date
- 1898-08-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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1161 deutlich zeigt, wie sehr die religiöse Gedankenwelt hier verinnerlicht wird: Es war einmal ein ariner Viehhirt, der war gar unwissend, daß er nicht Hebräisch beten konnte. Da sagte er jeden Tag: Lieber Gott, du weißt ja, daß ich dir gut bin. Allen Menschen hüte ich ihr Vieh um Lohn. Dein Vieh würde ich umsonst hüten. Kam ein Weiser, der solches hörte und es ihm verwies. Darauf erschien Gott dem Weisen in: Traum und sprach: Geh zu dem Hirten, daß er wieder bete in seiner Weise, sonst würdest Du nur für jene Welt einen Bürger entzogen haben." Ist das nicht im Geiste jenes Talmudwortes „Gott will das H?rz. (Sanhedrin 10ti I>)? Naturgemäß haben derartige Fehler auf die Richtigkeit des Systems einen schwer wieder gutzumachenden störenden Einfluß. Allein das Große an dem Buche, mit dessen positiven Resultaten wir an manchen Punkten und auch in der Grundansicht nicht ganz übereinstimmen können, besteht darin, daß es in herzgewinnender Frische und Begeisterung wieder einmal in der jüdischen Geschichte eine mit tausend Opfern unter tausend Verhältnissen bewährte Wahrheit zu Tage treten sieht, die wie ein rolher Faden alle Phasen dieser Geschichte durchzieht. Die Nebersetzung des Buches ist eine meisterhaste. Zeitrrngsnachrichterr und Correspondenzen. Deutschland. L. Friedberg, 9. August. Der israelitische Krankenverein beging vorgestern das Fest seines 100jährigen Bestehens. Die synagogale Feier trug einen ernsten, feierlichen Charakter, denn es galt vor Allem die Todten zu ehren. Nach einigen einleitenden Gesängen, die abwechselnd von den beiden Eantoren vorgetragen wurden, hielt Herr Lehrer Ehr mann die Festrede. Er wies nach, daß der Verein ursprünglich einen viel umfassenderen Zweck velfolgte als eine gewöhnliche Krankenkasse. Er beleuchtete die materiellen und sozialen Verhältnisse der hiesigen israel. Gemeinde zur Zeit der Gründnng des Vereins und hob besonders die große Opferwilligkeit hervor, welche die Begründer dadurch gezeigt, daß sie trotz ihrer großen Armuth fünf Jahre lang ohne jede Gegenleistung Beiträge bezahlt hatten, welche bei manchen wohl ein Sechstel ihres ganzen Einkommens betrugen. Er wies auf den großen Segen hin, den der Verein besonders in der ersten Zeit feines Bestehens verbreitet hatte und gedachte in ehrender Weise der verstorbenen Vereinsärzle, der Herren Dokloren Renner, Trapp und Steinhäußer. Am Abend fand in der Restauration Jsenburger ein Festesten statt, welches zahlreiche Theilnehmer vereinigte, und das einen sehr angeregten Verlauf nahm. Der Präsident, H. A. Maaß brachte einen Trinkspruch auf H. Lehrer Ehrmann aus, besten Verdienste um die würdige Begehung der Feier betonend. Der Letztere theilte verschiedene interessante Einzelheiten aus der Geschichte des Vereins mit und brachte ein Hoch auf den Vorstand aus, indem er den Wunsch aussprach, es möge demselben gelingen, den Verein zu einer neuen Blüthe zu bringen. Der Präsident überreichte den ältesten Mitgliedern, Herrn und Frau Moses Jsenburger, ein prachtvolles Blumenbouquet. H. M. Jsenburger toastete auf den Präsidenten, auf dessen Schultern fast die ganze Arbeitslast zur Veranstaltung des Festes geruht hatte. Es braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß auch der Armen gedacht wurde. Die zahlreich eingelaufenen Glückwunschschreiben zeigten, daß man die Verdienste des Vereins sowohl am hiesigen Platze als auch auswärts zu würdigen versteht. Möge er auch weiter blühen und gedeihen! O e ft e r r.- U n g a r. Monarchie. W. Wien Ein leuchtendes Beispiel der Edelherzigkeit und Toleranz bietet der berühmte Philantrop Baron Fr. L e i t e n b e r g e r, der den unglücklichen Opfern österreichischer Regierungskunst, den galizischen Juden 500 fl. gespendet hat. Diesen edlen Katholiken dürfen sich all' jene groben Herren zum Muster nehmen, die die Geschicke Oesterreichs in Händen haben, namentlich aber jene, die in Galizien die Wühlarbeit der antisemitischen Maulwürfe nicht nur nicht gehindert, sondern sogar unterstützt haben. Rechtlosigkeit geht mit Herzlosigkeit, Intoleranz mit Gewaltthätigkeit Hand in Hand! Doch Baron Leitenbergers edle That ist nicht nur in materieller Beziehung von größtem Nutzen, sondern auch in moralischer vom höchsten Werthe, denn sie gibt uns das Vertrauen in die Edelherzigkeit wieder, die uns angesichts der entsetzlichen Vorgänge gänzlich geschwunden ist. Möge das hochherzige Vorgehen des Baron Leitenberger auf seine vornehmen Standesgenoffen nachdrücklich einwirken. England. V London Zwar ist die Fremdenbill für diese Session durch den Zeitmangel des Unterhauses beseitigt, denn sie kommt nicht zur Verhandlung, aber die Agitation dauert fort. Die Primrose Liga hat in wenigen Wochen viele Tausende von Unterschriften gesammelt für eine Petition gegen die fremde Einwanderung, darunter 2630 aus dem Ostend, 2427 von Eisenbahnbeamten, 1820 von Omnibus- und Pferdebahn-Angestellten re. Der Lord Mayor und alle seine Angestellten, sowie fast der ganze Stadtrath haben die Petition ebenfalls unterschrieben.