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Der Israelit · 1898-08-08 · Heft 62 (8.8.1898) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 62 (8.8.1898)
Date
1898-08-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIX. Jahrgang. M «*. Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orlHodore Zudenthum. Begründet von Dr Strhrnsnn in Mstnz Montag, den 8. August 5658 (1898). Leitender Artikel. Die jüdische Nächstenliebe. Mit besonderer Bezugnahme auf Iins-Uerbot und Ifbo-Uerträge. 0. Der berühmte Verfasser vieler reizender jüdischer Erzählungen, S. K., ist ans eigentümliche Weise zu dieser Dhätigkeit gelangt. Er mar vor Jahren ein Mann von grossem Neichthum. Als er durch Unglücksschläge sein Vermögen verloren hatte, überkam ihn die bange Sorge, woher er die Mittel zu seiner Eristenz gewinnen könne. Da er eine gewisse Fähigkeit und Lust zum Fabulieren in sich fühlte, unternahm er es, eine Geschichte für einen jüdischen Jahreskalender (Luach) gegen ein bescheidenes Honorar zu schreiben. Er schrieb dieselbe in der unter den Glaubensgenossen seines Heimathlandes üblichen jüdisch-deutschen Mundart (Jargon), da es ihm gar n cht in den Sinn kam, sich die Begabung zu einer Arbeit in hochdeutschem Gewände zuzutrauen. Mehrere Jahre später fiel ihn: ein Buch in die Hände, das denselben Titel trug wie seine Jargon- Erzählung : G.l., und den Vermerk ans dem Titelblatt: „Aus dem Französischen überseht." Er begann das Buch zu lesen und wer beschreibt sein Erftauueu, als er sein eigenes Geisteskind in modernem Gewände, angeblich aus Frankreich ftammend, wiedersand. Seine Nachforschungen ergaben, daß ein des Jüdisch-Deutschen kundiger Franzose jene Erzählung ohne Quellenangabe ins Französische übertragen hatte, wonach sie dann den Weg in die richtige deutsche Sprache gefunden hatte. Diese Entdeckung gab dem Verfasser den Mnth, sich in hochdeutscher Sprache zu versuchen und er erlebte den glänzendsten Erfolg. An diese Geschichte werde ich oft erinnert, wenn ich sehe, wie vielmal Juden, die sich des Schatzes, den das Jndenthnm ihnen darbietet, nicht bewußt sind, sich für Ideen und Institutionen begeistern, die sie in dem heutigen Culturlcben vorfinden, ohne zu ahnen, daß cs doch nur Nachahmungen ihrer ureigenen verkannten Lebensgüter sind, Nachahmungen die meistens den Werth des Originals nicht annähernd erreichen. Betrachten wir dies an dem Gebot der „Nächstenliebe" unter Bezugnahme auf das Zinsverbot. Eine der gewichtigsten Belegstellen dieser göttlichen Bestimmung (Lev. 25, 35—H8) lautet*. V. '65. „Wenn dein Bruder sinkt und seine Hand geräth in's Schwanken bei dir. so halte ihn fest, (auch) den Fremdling und Beisasser, daß er neben dir lebe." V 30. „Nimm nicht von ihm Zins und Verinögensvermehrung. Fürchte dich vor deinem Gotte und es lebe dein Bruder bei dir." V. 37. „Dein Geld gib ihm nicht auf Zins und zur Vermögensvermehrung gib ihm nicht deine Speise." V. 38. „Ich bin Haschentt euer Gott, der ich euch qus dem Lande Egypten geführt habe, euch das Land Kanaan zu geben, euch zum Gotte zu sein. „Lasse ihn nicht fallen!" lautet die klassische Erläuterung zu den erstcitirten Worten. So lange die Traglast auf dem Stücken des Ttsierce, kann Einer sie halten, wenn sie schwankt; ist sie aber herabgefallen, so bringen er oftmals fünf Männer nicht fertig, sie wieder aufznladen. (Dorath Eohanüm z. St.) Die vielgepriesenen Werke der Humanität, der „Nächstenliebe", wie sie heute geübt werden, haben den Zweck, den Leidenden, Hilflosen, Verarmten, „Enterbten" auszuhelsen. Den Menschen, die von

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