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Der Israelit · 1898-07-28 · Heft 59 (28.7.1898) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 59 (28.7.1898)
Date
1898-07-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIX. Jahrgang. M 59. Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Or. JTeffmatm in Mtsinr Donnerstag, de« 28. Juli 5658 (1898). Kür Bittet abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate Juli und Augfust auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Expedition des „Israelit". Leitender A r t i t e U Die Thora als tröstende Mutter. Eine Snbbat-Zlachnm-Brtrachtung. Von Rabbiner Dr. B. Jrievrnan«, Berlin, «min csenjx xssx p i:erun ick P’iO VD N'VL" —. „Wie ein Mann, den seine Mutter tröstet, also werde ich euch trösten und in Jeruschalajim werdet ihr getröstet." Jesaja 66, 13. Wir würdigen unsere Thora am besten, wenn wir sie im Bilde einer tröstenden Mutter betrachten, wenn wir uns den jesajanischen Ausspruch vor Augen halten: „Wie ein Mann, beit seine Mutier tröstet, so tröste ich euch." Wie wir mit dem Worte Mutter die reinste, edelste, selbstloseste Liebe verbinden, also verbindet auch das wahre Jsraelitenherz mit dem Begriffe Religion das Herrlichste, Theuerste, was wir besitzen. Und wie wir den beklagenswertst finden, der den Segen der Mutterliebe nie empfunden, dessen Herz Mutterliebe nie veredelte, dessen Seelenleben sich nicht unter dem Einflüsse edler Mutterliebe entwickelte, also und noch mehr müssen wir den bejammernswürdig nennen, der sich dem veredelnden und beseligenden Einflüsse der Religion entzieht; also wurzelt auch des Menschen reinstes Glück, sein wahres Heil in der Religion, die ihm Pflegerin, Erzieherin und Trösterin ist. Denn die wahre, echte Mutter, die verständige und einsichtsvolle, die auf der Höhe ihrer Aufgabe steht, ist nicht lediglich Pflegerin, sondern auch Erzieherin ihres Kindes. Sie mahnt und warnt, züchtigt und straft das Kind ihrer Liebe. Aus — Liebe. Das hat sie mit dem Vater gemein, das soll sie mit ihm gemein haben. Beide sollen sie gemeinschaftlich an dem Erziehungswerke ihrer Kinder thätig sein. Es soll die Mutter in den züchtigenden Arm oes Vaters nicht hemmend fallen, sie soll ihrem Kinde die Zuchtruthe nicht entziehen, die ihm nur zum Heile gereicht. Wenn aber die elterlichen Ermahnungen nicht gefruchtet, wenn die Warnungen uno Drohungen und Zurechtweisungen nicht genützt haben, wenn auch Züchtigung und Strafe wirkungslos geblieben; wenn der Ungehorsam und der Starrsinn und die Zügellosigkeit das Kind zu Falle gebracht und der Verkommenheit in die Arme getrieben haben, so daß der Vater von fernem entarreten Kinde blutenden Herzens sich abwcndet und es aus seinem Herzen reißt, dann ist es die Mutter, die sich des verlassenen, verlorenen Kindes annimmt, die es tröstet und vor Verzweiflung schützt. Wosi liebt auch der Vater sein Kind. Er sorgt und arbeitet für dasselbe und opfert ihm den besten Theil seines Lebens. Allein trösten, den Hoffnungsstrahl in des Verzweifelten Brust mit zarter Hand senken, des Trostes erfrischenden Thau aus das verdorrte Gemüth erquickend unv erfrischend träufeln, daß es sich wieder dem Leben zukehre, vcrs vermag nur eine Mutter so wirkungsvoll, so erfolgreich, so vollendet.

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