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Der Israelit · 1898-07-25 · Heft 58 (25.7.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 58 (25.7.1898)
Date
1898-07-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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HXIX. Jahrgang. Beilage M M 58 -es „Israelit". Leitender Artikel. In den „neun Tagen". Von W. W. Cöln, den 19. Juli. Der mr vor dem Erinnerungstage der Zerstörung des Tempels heißt pn mit». Die Volkssprache nennt ihn „Schwarz-mv>", einen Sabbat, den man sich demgemäß schattenumdüstert, dunkelumflort vorstellte, statt Licht „Dunkel" und statt Helle „schwarze Finsterniß mit sich führend". Damit bat jedoch der Volksmund dem ganzen Cyklus der drei Trauerwochen, der mit nvm n beginnt und mit 2*» *u endet, seinen wirklichen Charakter genommen und dessen ganze Bedeutung als unter dem Zeichen des „Schwarz" stehend betrachtet. In Wirklichkeit aber ist es gerade die Lehre des „Lichtes", des vollendetsten Lebens, die uns der Vor-rne» zum 2x2 "2 bringt; und unter seinem „Lichte" betrachtet, erhalten auch die übrigen Tage der sog. drei Wochen die ihnen gebührende Bedeutung. Pök p iwtr pn, so beginnt die Prophetenrede des Königsenkels nw\ die von einer Gotteserscheinung berichtet, in welcher ihm das Verhältniß Israels zum göttlichen Gesetze, wie es sein sollte und der sündhafte Abfall von demselben durch Bild und Gleichniß sichtbar gemacht wurde. Es war eine göttliche Erscheinung, rtom rmm by mn nit?*, die er sah in Bezug auf Jehuda und Jeruscholajim. TiTir schaute er, wie es nicht mehr das stolze, starke, mächtige Reich Jehuda ist, sondern wie es ohne König und Szepter machtlos und unbewaffnet durch die Geschichte schreitet. 2HNP als der Mittelpunkt des geistigen Lebens, zeigte ihm das Gottesgesicht, wie es, des Tempels entbehrend, öde und verwüstet daliegt. Ohne Staat und ohne Tempel stellt sich Israel in seinem allerersten Gesichte dem Manne dar, der als der Feuer- und Kraftredner aller Zeiten dem Geiste des Tauroh-Wortes und des ewig lebendig jüdischen Strebens eine solche Sprache weiht, wie sie deutlicher und bewußtvoller von keiner Menschenzunge jemals geredet wurde, nw weist im Aufträge Gottes darauf hin, daß nicht die Zerstörung von Staat und Tempel in erster Linie den Grund unserer Trauer bildet, sondern die Ursachen derselben, Israels Abfall, der Gegensatz zu dem von Gott gesteckten Ziele. Er weist darauf hin, wie der Zweck unseres Fastens und Trauerns die Erkenntniß der Thatsache ist, daß wir nicht über die in Schutt und Moder verwandelten Stein- und Holzmassen, nicht über die abhanden gekommene Krone, Thron und Scepter des Königshauses trauern, sondern, daß wir vor Allem die Nothwendigkeit beklagen, daß Staat und Tempel zerstört werden mußten, daß wir so sündhaft waren, Gottes Gesetz in einen Codex subjektiver Neigungen und Wünsche umzuschachteln, der nur der Mode, nicht aber dem wirklichen Gehalt des Lebens dient. Die drei Wochen mit ihrem Fasten und Trauern wollen demnach nur „Licht" bringen in unser ganzes Goluß- Gesckick, wollen zeigen, daß unser Goluß-Leiden nur die Rückkehr zum Wirklich-Guten bezweckt, daß die Zerstörung Jerusalems, unserer sittlichen Befreiung dienen sollte, um uns den Aufstieg zu neuem, wahren Leben, zur ewigen Erlösung aus dem Goluß und die Errichtung des unzerstörbaren Tempels zu bringen. Das Gesicht, das mit” schaute, will am pn mit» auch von uns geschaut, erkannt und anerkannt werden. So ausgerüstet mit der richtigen Erkenntniß von der Bedeutung der „drei Wochen" schreiten wir dem Gedächtnißtage des Falles von irw entgegen. Ausgerüstet mit dem Siegesgedanken, daß der Geist, der dem pn mir und dem ganzen Cyklus der drei Wochen zu Grunde liegt, nur aus unsere Verbesserung und Veredelung zielt, daß er uns vom Goluß-Dunkel zum Freiheitslichte führen möchte, daß er derselbe Geist ist, der uns an den freudevollsten Tagen des freudereichsten, herrlichsten, erhabensten vi' bis zur Gipfelblüthe der höchsten, himmlichften Freude trägt. Hier wie dort, in Trauer und Freude, herrscht nur ein Geist, eine Lehre, eine Wahrheit. Der ganze Inhalt unserer Golus-Aufgabe läßt sich dahin zusammenfassen: wir selbst sollen durch unsere Lebensführung es zu erreichen suchen, uns sie dt^ zu bringen. Literarischer Gericht. mxö :"nn hy o"vro "ibd- Th. 1, so Bl. Munkücs 1895. Th. II, 64 Bl. Munkäcs 1898. Verlag des Herausgebers, Oberrabbiner Samuel Brach, Nyir-Müda (Ungarn). Herr Rabbiner Brach hat sich durch die Herausgabe des so inhaltreichen Werkes des Rabbi Moses Schik b'pD über die 613 Gesetze der Thora den Dank aller Freunde des Studiums unserer heiligen Wissenschaft verdient. Weltberühmt und vielbewundert sind die mvf die Gutachtensammlung. des R. Mos. Schik. In der Hinterlassenschaft dieses großen Meisters

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