Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 57 (21.7.1898)
- Date
- 1898-07-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1049 zweideutige Erklärung abgab, „die Leitung des Vereins werde allen religiösen Satzungen vollkommen entsprechen" das Vertrauen schenken, daß er schon das Richtige anordnen und treffen werde. Bei geschehener Ablehnung des Jacobsen'schen Antrages aber, war es vom Antragsteller keineswegs richtig, ostentativ seine fernere Beiheiligung an dem in der Geburt sich noch befindlichen Verein abzulehnen, um ihn, wäre die Minorität seinem Beispiele gefolgt, todtgeboren zur Welt zu bringen. Im Gegentheil, weiter Mitwirken und zu verbessern trachten. Gesinnungsgenoffen anwerben und für den eigentlichen Zweck des Vereins: „Materielle und moralische Unterstützung für unsere segensreich wirkende Talmud-Thoraschule herbeizuschaffen", mit aller Macht einzutreten, das tväre jedenfalls seinem passiven Grollen vorzuziehen Wird doch der Mensch selbst, dessen Herzenstrieb, nach Ausspruch unserer rrvr von Jugend an böse ist, mwe r o-isn & ur durch liebevolle Erziehung und Belehrung seinem hohen Zwecke entgegengebracht, wie die Talmud-Thoraschule diese hohe Aufgabe in so schöner Weise erfüllt. Wäre hierbei nicht Passivität eine schwere Sünde? — Ich bin auf religiösem Gebiete weder tolerant noch liberal, konnte aber in der Einverleibung des angezogenen Paragraphen eine tvirkliche Gefahr für die immerhin religiösen Interessen des Vereins nicht erblicken. Wie bereits hervorgehoben, will der Verein als Hauptzweck die ehemaligen Schüler der Talmud-Thoraschule zum gemeinsamen Wirken für diese anhalten und bei geselligem Zusammettsein dazu anregen. „Dabei soll nicht das religiöse Privatleben des Individuums hinderlich sein oder gar zur Erörterung gelangen; es wiirde sich wohl Mancher dadurch verhindert fühlen dem Verein beizutreten, und das sollte mit dem gedachten Paragraphen vermieden werden; im Uebrigen aber würden weder die Sabbatu. Feiertage, sowie die Speisegesetzc bei Versammlungen außer Acht gelassen werden", so lautete ungefähr die Interpretation des Vorsitzenden. Die Praxis wird dem hoffentlich entsprechen und Herr Jacobsen umsonst Gespenster gesehen haben. Schließlich kann ich nicht umhin, die Schlußbemerkung von E'26 als durchaus unpassend zurückzuweisen?) H. B. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. A. Wien, 18. Juli. Aus Lemberg wird berichtet, daß im Dorfe Bursztyn gestern ohne jeden Anlaß antisemitische Exzesse stattfanden. Umfassende Sicherheilsvorkehrungen seien getroffen, gegenwärtig sei die Ruhe hergestellt. — Ueber die bereits gemeldeten neuerlichen *) Wir müssen gestehen, daß wir einen Verein, der, wie der Herr Korrespondent selbst zugiebt, religiöse Interessen verfolgen soll und dabei den bewußten $ ausgenommen hat, für eine Anomalie halten. Red. d. Jsr. Judenexzeffe in Galizien berichtet die „Wiener Allg. Ztg." wie folgt: Bahnarbeiter geriethen im Orte Bursztyn mit jüdischen Metzgern in Streit, der bald in Tätlichkeiten ausartete. Die Bahnarbeiter drangen in die Fleischgewölbe, zerstörten die Geschäftseinrichtung und zogen dann zur Wohnung des Ortsrabbiners, wo sie alle Fensterscheiben zertrümmerten und die gesammte Wohnungseinrichtung zerstörten. Dem sich zur Wehr setzenden Rabbiner wurde ein Arm gebrochen. In Reszieszow drangen plötzlich Bauern in die Wohnungen der Juden und demolirten diese. Frankreich.? Paris. Zum Andenken an die voriges Jahr verunglückte Baronin Leouino hat der Baron Gustav Rothschild eine Stiftung in das Leben gerufen, auS der 20 alte Leute jährliche Pensionen von 600 FrcS. erhalten sollen. Dieselben müssen israelitisch, Männer über 65, Frauen über 60 Jahre alt sein.? Bayonire. Hier existirt ein Preis Saur6gues, der für diejenigen Eltern bestimmt ist, welche ihre Kinder mit den größten eigenen Opfern ausbilden lassen. Diesesmal hat ihn Madame Wittwe Levy erhalten, die als Svrachlehrerin die Mittel seit dem Tode ihres Gattes erwarb, der sie vermögenslos zurückließ, um ih-e beiden Kinder studiren zu lassen. Die Tochter macht jetzt ihr Examen als Doetorin der Medizin und der Sohn wird Lehrer des Deutschen. Trotzdem sie alle Kosten dieser Studien selbst und allein von dem Ertrage ihrer Unterrichtsstunden bestritt, fand sie die Mittel noch armen Kindern umsonst Unterricht zu geben. Der Preis ist ihr zu gönnen, aber wenn ein solcher Preis auch anderwärts existirte, wie oft würden ihn jüdische Eltern erhalten müssen. B. P^ronne. Ein Zeichen der Zeit ist es, daß dem Gemeinderathe hier eine Bittschrift unterbreitet wurde, welche um Abschaffung der Judengaffe ersucht. An Stelle der Bus äs« juifs will man den Namen eines der Helden haben, welche sich anläßlich der Belagerung der Stadt im Jahre 1536 ausgezeichnet haben. Im Gemeinderathe selber kam eS zu einer längeren erregten Debatte, bis ein Mitglied der Communalvertretung darlegte, daß die willkürliche Abänderung alter Straßennahmen für die Erforschung derOrtsgeschichte verhängnisvoll werden könne. Diesen Ausführungen trat der Gemeinderath bei, und so müssen die armen Bittsteller sich des ferneren mit dem Bestehen einer „Judengaffe" trösten. Indien.? Kalkutta. Miß Mathilda Cohen ist die erste jüdische Dame in Indien, die sich die akademische Auszeichnungen erworben hat. Sie wandte sich an das indische Gouvernement, um Zulassung als Advokatin zu finden. Nachdem dieses Gesuch von der Regierung abgelehnt wurde, hat sie jetzt in