Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 53 (7.7.1898)
- Date
- 1898-07-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448907--46305-2496714- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
L ÜL&I3L Jahrgang, Iwrite Beilage;u M 53 -es ^lsraetil". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. O e sr e r r.- Ungar. M o n a r ch i e. Z. Krakau, 3. Juli. (Mickiewicz über die Juden.) Aus Anlaß der Säcularfeier des polnischen Dichters Adam Mickiewicz herrscht unter den Polen eine überaus festliche Stimmung. Obgleich der hundertjährige Geburtstag desselben erst am 24. Dezember l. I. sich fährt, wird derselbe bereits seil nahezu drei Wochen abwechselnd in allen bierländischen Städten und Dörfern solenn begangen. Den Glanzpunkt dieses Gedenktages, sozusagen die ..Piece de resistanee“ desselben, war jedoch die am 27. und 28. d. Monates Hierselbst stattgefundene nationale Doppelscier, nämlich des genannten hundertjährigen Jubiläums und der gleichzeitigen Enthüllung des hier errichteten Denkmales dieses polnischen Dichterfürsten. Während nun die Mickiewiezfeier die ganze polnische Nation enthusiasmirt, gewahrt man leider zu aleicher Zeit das entsetzliche, jeden human denkenden Menschen wahrhaft erstarrende „schlangenbedeckte Medusenhaupt" der bei uns immer mehr um sich greifenden Judenhetze, die einen häßlichen, unstreitig entweihenden schwarzen Schatten aus diese nationale Feier wirst; und unwillkürlich fühlt man sich gedrängt, einen Vergleich anzustellen zwischen der antisemitischen Versolgungswuth der gegenwärtigen degenerirten Epigonen der einstigen polnischen Patrioten und den judenfreundlichen Gesinnungen des unsterblichen Barden Adam Mickiewicz! — Bekanntlich stammte Letzgenannter mütterlicherseits von Juden her. Diesbezüglich erzählt Gras Branicki in seinem Werke: „Das Thor der Buße" (..Brama pokuta“) daß ihm einst Mickiewicz sagte: „Mein Vater stammte von Masuren her; die Ahnen meiner Mutter waren gelauste Juden, und ich rühme mich, daß ich zur Hälfte ein „Masur" und zur Hälfte Jude bin!" Im Gegensätze zu denjenigen pseudo-polnischen Patrioten hatte Mickiewicz, der die Juden von seiner frühesten Jugend genau kannte, die beste Meinung von ihren Eigenschaften und forderte auch stets mit der Kraft seiner fascinirenden Worte, daß den Juden in Polen, als „ungemein nützlichen Bestandtheil" der Bevölkerung, vollständige Gleichberechtigung gewährt werde! Dies erhält zur Genüge aus seiner Kritik des phantastischen Dramas „Ungöttliche Komödie" („Aieboska Komedya") des frömmelnden polnischen Dichters Grafen Siegmund Krasinski, worin dieser unter anderen Völkerschaften auch die Juden in schlechtes Licht darstellte. Darüber äußerte sich Mickiewicz (in der slavrschen Literatur) „was zunächst die Juden betrifft, kann man sagen, daß der Verfasser (Krasinski) gegen seine eigene Nation sich vergangen, indem er dieselben als für den Adel und das Landvolk verderbenbringend und als Gefahr für das Christenthum darstellte. Er hat in den Mund einiger von ihm geschaffener jüdischer Typen Worte von Haß und Verachtung gegen die Christen gelegt. Allerdings gibt es jüdische Secten und Fanatiker, die in Voruriheile und Aberglauben versunken sind. Allein man darf so nicht von dem gesammten jüdischen Volke denken; man darf auch nicht die Absicht der göttlichen Vorsehung zu vereiteln suchen, die nicht ohne Grund es fügte, daß die Juden seit vielen Jahrhunderten in Polen sind und daß ihr Loos mit dem der polnischen Nation innig verknüpft ist!" — Gegenüber seinem intimen jüdischen Freunde, dem Franzosen Armand Lewy, der bekanntlich Mickiewiez nach Konstantinopel begleitete und ihm daselbst im Sterben die Augen zudrückte, äußerte sich Mickiewicz.' „Ich wünsche nicht, daß die Juden aus Polen auswandern, denn die Union Polens mit den Israeliten ist mit zur Befestigung der polnischen Republik prädestinirt, wie sie einst durch die Union mit Litthauen militärisch befestigt wurde. Der Bauer und der Jude sind uns gleich nothwenoig, man muß beide zu wahren Polen umgestallen." Mickiewicz hat die Juden auch des aufrichtigen polnischen Patriotismus fähig gehalten, wie dies aus der meisterhaften Darstellung des berühmten jüdischen Patrioten in der Person des Cymbalspielers „Iankiel" im „Pan Tadeusz" überzeugend heroorgelit, und daß er den Juden auch persönlichen Muth und militärische Tapferkeit zuerkannte, zeugt sattsam die Thatsache, daß er im Jahre 1855 während des Krimkrieges an die türkische Regierung ein Memorandum richtete, worin er, im Hinblicke auf die Verfolgungen der Juden in Rußland, die Bildung eines jüdischen Regimentes proponirte, und dabei die — wie er hinzufügte — auch vom polnischen Schriftsteller Czajkowski (Mohamed Sadik) anerkannte Tüchtigkeit der jüdischen Soldaten zur Zosziuskos und während des polnischen Aufstandes im Jahre 1831 rühmend hervorhob! So vorurtheilsfrei dachte der größte Sohn der polnischen Nation, der bekanntermaßen als Opfer seiner glühenden Vaterlandsliebe stets ein nomadenhaftes Märtyrerleben in der Fremde führte. K Neutra, 3. Juli. Der greife Bischof Beude Hierselbst, hat einen neuen Beweis seiner allezeit betätigten Toleranz gegeben. Die jüdische Ge-