Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 51 (30.6.1898)
- Date
- 1898-06-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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läJkXlX. Juhrgang. Zweite Mlage M J^s 51 ürs „JsrntttT. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. LR. Berlin, 26. Juni. Die heutige Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde verlief sehr friedlich. Es war auch nicht der geringste Grund zu einer Aufregung vorhanden. Zunächst verlas der Vorsitzende ein Schreiben des Herrn Dr. Maybaum, welches einen Jrrthum berichtigen sollte. In der ersten Sitzung, am 12. Juni, hatte Herr Professor L e w i n bemerkt, daß unter dem vom Vorstand eingesorderten Gutachten des Rabbinats, die Gebeibuchfrage in den Orgelsynagogen betreffend, die Unterschrift des Herrn Dr. Weiße fehle, ein Beweis, daß im Rabbinat auch darüber principielle Verschiedenheiten herrschen. Herr Dr. Maybaum theilt nun mit, die Unterschrift des Herrn Weiße fehle nur deßhalb, weil er gerade um diese Zeit zur Beerdigung seines Vaters habe reisen müssen und eine Verzögerung der Absendung des Schriftstücks nicht habe stattfinden können. Herr Gustav Löwenberg beantragt Ernirung, der Vorsitzende meint jedoch, soviel Glauben müffe nran den Worten des Herrn Dr. Maybaum schon schenken, damit sei die Sache erledigt. Zur Revision des Gebetbuches für die drei Orgelsynagogen wird eine gemischte Commission bestehend aus den Herren: Geheimrath Blumenthal, Geheimrath Senator, Justizrath Apolant und Professor Lew in eingesetzt. — Von einer Zuwendung der Frau Franziska Ginsberg von 10,0<>0 Mark für das Krankenhaus und 50i» Mark für die Altersversorgungsanstalt wird Kenntniß genommen. Es erfolgten noch eine Vorlage betreffend den Tarif für die Plätze in der zu den Festtagen zu eröffnenden Synagoge in der Lützowstraße, sowie Rechnungsabschlüsse an Spezialverwaltungen, die sämmtlich dechargirt werden. — Die heutige Sitzung dürfte wohl die letzte vor den Ferien gewesen sein. R u m ä n i e n. K. Bukarest, im Mai. Unseren unglücklichen rumänischen Glaubensgenossen wird das Leben immer schwerer gemacht. Da sind neue über Auftrag und Drängen der angeblich liberalen Regierung Stourdza- Pherekydes durch die Kammer verkündete drakonische Gesetze. Das gefährlichste dieser Gesetze ist das über den niederen und höheren Unterricht. Nach dem Wortlaut dieses ungerechten in der gegenwärtigen Session von der Kammer votirten und bereits vom König sanctionirten und verlautbarten ungerechten Gesetzes, sind bloß den rumänischen Söhnen die Gymnasien, Lyceen und Universitäten zugänglich. Die Söhne der Fremden (Juden) werden nur dann zugelassen, wenn in den Claffen Plätze erledigt sind. In diesem Falle werden die jüdischen Schüler der Zahlung der Schultaxe, deren Festsetzung jede Schnle sich Vorbehalten hat, unterworfen sein. Diese Taxen werden ohne Zweifel außerordentlich groß sein, aber die Juden werden sie gern erlegen, wenn man nur ihre Söhne in die höheren Schulen aufnimmt, obgleich die Zahlung einer Taxe für sie eine sehr große Erniedrigung ist. Das größte Unglück ist, daß unsere hartherzigen Feinde diese Dinge derart eingerichtet haben, daß sie mit nächstem 1. September beginnen, wo kein Jude in die Gymnasien, Lyceen und Universitäts-Facultäten wird eintreten können. Gegenwärtig gibt es in allen Claffen der Schulen 80 bis 100 Schüler. Das neue Gesetz bestimmt für jede Claffe als das Maximum 50 Schüler. Man wird demnach die Ueberzahl streichen müffen. Werden nicht die jüdischen Schüler die ersten sein, die man streichen wird? Das ist doch ganz gewiß. Die Profefforen haben bereits bei Beginn des Schuljahres j 1508—90 der Aufnahme der jüdischen Schüler vorgebeugt. Was werden die unglücklichen jüdischen Kinder, welche ihre Studien noch nicht beendet haben, anfangen? Sie werden gezwungen sein, das Studium zu unterbrechen und schließlich ihre Carriere aufzugeben. Mehr als 2U00 jüdische Schüler sind in dieser traurigen Page, welche in Anbetracht deffen, daß in Rumänien nicht genug höhere Privatschulen existiren, um wenigstens einen Theil der ausgezeichneten jüdischen Schüler aus ihre Kosten unterzubringen, keine Aussicht hat, besser zu werden. Und die Schüler, welche im nächsten Juni die vier Elementarklassen an den jüdischen Schulen beendigen, in welche höhere Schulen könnten sie erntreten? In kerne! Sie müffen sich mit dem Elementaruuterrrcht zufrieden geben, den sie an unseren jüdischen Volksschulen genießen. So wird sich in Zukunft die Sache gestalten für alle unsere jüdischen Kinder. Und daran trägt Schuld die Regierung, welche mit selbstsüchtigen und antisemitischen Politikern verbündet, uns verfolgt, um schließlich die jüdischen Kinder zu verhindern am Unterricht theilzunehmen. Diese Politiker wollten schon im Jahre 1803, als sie das Gesetz über den Volksunterricht erlassen hatten, welches alle jüdischen Kinder vom Besuche der staatlichen Volksschulen ausschließt, die Juden selbst des Elementarunterrichts berauben und sie schließlich in die crasseste Unwissenheit zurückorängen. Damals haben