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Der Israelit · 1898-06-27 · Heft 50 (27.6.1898) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 50 (27.6.1898)
Date
1898-06-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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926 Kurde mit Befriedigung zur Kenntniß genommen und der Vereinsleitung sowie dem Secretär Herrn Moriz Amster der Dank für ihre aufopfernde Mühewaltung ausgesprochen. Die Wahlen in die Vereinsleitung hatten folgendes ErgOniß: Präsident Baron Suttner, Vice-Präsidenten Reichsritter v. Kißling und Dr. Freiherr v. Seiller, Cassier August Beiling, Schriftführer Balduin Groller und Jnspector Engel, ferner als Vorstandsmitglieder Dr. Kronawetter, Superintendent Seberiny, Wrabetz, Frauenberger, Sallaba und Hetsey. Der bisherige Vicc-Präsident Professor Dr. Eduard Sueß wurde zum Ehrenmitgliede des Vereines ernannt. Ueber die Ziele und die Tendenz des Vereins entwickelte sich eine interessante Debatte. Herr Balduin Groller präcisirte die Stellung des Vereins als einen Concentrationspunkt sür Alle, die gegenüber einer geistigen Epidemie ihre Meinung frei bekennen. Abg. Wrabetz sagt, der Verein muffe ein Wahrzeichen für Alle sein, die sich ihren gesunden Menschenverstand nicht durch Schlagworte verwirren lassen. Der Antisemitismus in Wien werde durch seine eigenen Anhänger zu Grunde gerichtet werden. Die Ueberzeugung, daß die Versprechungen der Führer lügenhafte Vorspiegelungen waren, werde zu allererst durch die Gemeindeverwaltung herbeigeführt, und die Folgen dieser Erkenntniß werden sich schon in zwei Jahren bei den Gemeinderathswahlen zeigen. Auch in dem zweiten Wahlkörper werde die Ueberzeugung aufdämmern, daß die ganze Bewegung ein Schwindel sei. Der Verein müsse unentwegt für die Idee der allgemeinen Menschenliebe, ohne Unterschied der Confession, Propaganda machen. (Beifall.) Abg. Dr. Kronawetter führt aus, daß nnr eine rückständige Bevölkerung von der Reaction Abhilfe gegen wirthschaftliche Uebel hoffen könne. Der kleine Geschäftsmann, der die Kerntruppen für den Antisemitismus liefert, wird zu dem Glauben verleitet, daß man über den modernen Fortschritt zur Tagesordnung übergehen kann. Der Haß richtet sich nicht bloß gegen die Juden, sondern gegen die Maschine und gegen die Intelligenz. Die Bücherscheu des Herrn Bielohlawek ist charakteristisch für die ganze Partei, welche die Zeit der Pfaffen- und Adelsherrschaft herbeiwünscht, unter welcher nur wenige Bürger lesen und schreiben konnten. Wenn der Jude weggejagt wird, dann wird es Allen wieder gut gehen — sagen die Führer dem „kleinen Mann", und so treibe der nackte Egoismus zum Judenhaß, der ein Werkzeug des Clericalismus und Feudalismus ist. ES ist nicht wahr, daß. die alten Ritterburgen Ruinen sind; die Ltchtenstein und Schwarzenberg sind mächtiger als je, und die Bourgeoisie, statt sich dem Adel und Clerus anzuschließen, muß ihre Wurzel im Volke suchen. Wenn ein kleiner Gewerbsi mann bei den Großgrundbesitzern sich um ein Reichsralhsmandat bewerben wollte, würde man ihn ms Narrenhaus schicken. Der Großgrundbesitzer Prinz Alois Liechtenstein aber findet begeisterten Anhang beim „kleinen Mann", der vom Staate, vom Lande uns von der Gemeinde Machtmittel verlangt nicht zum allgemeinen Wohle, sondern zum Wohle bestimmter Interessengruppe. Die Aufklärung wird erst kommen, wenn die Massen sehen, daß sie in ihren wirthschafil'chen Interessen durch die jetzige Strömung nichts erreichen. Unsere Aufgabe ist eine schwierige, aber es müssen sich ihr Alle anschließen, in denen noch ein Herz sür Recht, Gerechtigkeit und Menschenliebe ist. (Beifall.) Griechenland. E. Athen, 22. Juni. Die Nachrichten über die Verfolgungen der jüdischen Einwohner Larissas lauten, nach der „F. Z.", beunruhigende Jeder, der einen Verlust irgend welcher Art zu beklagen hat, wendet seinen Zorn gegen die Juden, die er für mitschuldig an der angerichteten Zerstörung und Plünderung der Häuser hält. Dies hat zur Folge, daß die meisten Läden geschlossen sind, da der Handel Larissas zum großen Theil in bcn Händen von Juden liegt. Trotzdem General Vassos persönlich die Ordnung herzustellen suchte, nachdem der Pöbel wiederholt Plünderungen jüdischer Geschäfte verübt hatte, bedürfen die Juden in Larissa energischer behördlicher Schutzmaßregeln. Wie unbegründet der gegen die Juden entfachte Haß ist, trat auch bei den unternonlmenen Hausuntersuchungen nach abhanden gekommenen Werthgegeuständen während der in Larissa herrschenden Panik deutlich zu Tage. Die griechischen Behörden hatten nämlich zu konstatiren, daß die meisten gestohlenen Güter sich in griechischen Häusern versteckt vorfanden, und einen besonderen Eifer hatte bei diesen Räubereien und Plünderungen ein Pope bekundet, der nach der „Akropolis" sämmtliche zu seiner Gemeinde gehörenden Häuser um ihre Werthgegenstände gebracht haben soll. Vermischtes. Mainz, 27. Juni. Bei den bisher stattgehabten Stichwahlen zum Reichstag siegten, nach der „Frkf. Zt.", die Antisemiten in folgenden Wahlkreisen: Arnswalde (Ahlwardt), Gießen (Köhler», Marburg Böckel), Waldeck (Müller), Apenrade (Raab), Alsfeld (Bindewald), Meißen (Gaebel). Karlsruhe, 25. Juni. Auch dem Badischen Landtage ist eine Petition der Thierschutzvercine des Landes betr. die Tödtung der Schlachtthiere ohne vorherige Betäubung eingegangen. . Wien, 24. Juni. In Galizien dauern die Unruhen und Plünoerungen fort. In Ncu-Sandcc plünderten heute Bauern die Läden der jüdischen Händler. Das Militär zerstreute die Excedenten.

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