Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 50 (27.6.1898)
- Date
- 1898-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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JLXXIX. Jahrgang. M 50. Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum Begrrmdet von Dr Lrhrnsnn in M«tnz Montag, de« 27. Juni 5658 (1898). Da mit dem 1. Juli 1898 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1898 eingetragen unter Nr. 3684. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittuug) erhalten unser Blatt bis Ende März gratis. Leitender Artikel. Die mündliche Lehre. Von Simon Frankfurter in Wesel. (Schluß.) Ueber jene Gottesmänner etwas zu vernehmen, welche die Wacht an der Schwelle des Heiligthumes gehalten und die Fahne der Thora gehütet und geschwungen haben, wird wohl manchem interessant sein. Haben doch Haß und Neid, mit denen man in der Heutzeit das Judenthum und seine Anhänger anfeindet und verleumdet, schon vor Jahrtausenden die berufenen Stützen unserer heiligen Religion in den Augen der Welt herunterzusetzen und auf das Schmählichste zu beschimpfen gesucht. Stellte man doch, ohne sie vielleicht näher gekannt zu haben, die „Pharisäer" und Schristgelehrten als Typen der Intoleranz und der Scheinheiligkeil hin, und geschieht dies doch auch noch fort und fort, trotzdem man, was wohl vielen unserer Gegner nicht bewußt ist, manche ihrer erhabenen Lehren sich gern zu eigen machte und als etwas Neues, früher nicht Geahntes, als Eigenart und Lehre einer neuen Sitten- und Gesetzeslehre pries. Vergegenwärtigen wir uns daher einige Aussprüche und Ansichten jener Großen in Israel, um deren Charaktere und somit sie selbst kennen zu lernen. So ist der Ausspruch des weisen Hillel bel zeichnend für die Denkungsart jener Männer, die! man von gegnerischer Seite anfeindet, und für das ' Wesen unserer heiligen Religion, wenn er als den Kern des ganzen Gesetzes das -poa -pnb narw „Du sollst Deinen Nächsten, wie Dich selbst lieben" hinstellt und es in den Worten commentirt ’jot -iM ub -pan!? Was Dir verhaßt ist, das füge Deinem Nächsten nicht zu. — Man hat unseren Weisen Intoleranz vorgeworfen. Wohlan, kann es einen toleranteren Grundsatz geben, als das von edelster Gesinnung zeugende Wort: p* vbvn me« »pnjf «an efxisb pte „Die Gerechten aller Völker haben Antheil an der zukünftigen Welt." Wie haben die Anhänger anderer Religionen ihre Nebenmenschen, die nicht ihren Glauben anerkannten, mit Feuer und Schwert vernichtet. Um wie viel höher standen daher jene, welche solchen Ausspruch schon vor Jahrtausenden gethan haben! Von den vielen Beispielen höchster Duldung und feinem Takte mögen noch folgende Verordnung unserer Gelehrten angeführt werden. Das Lobgebet bbrt wird an den letzten Peßach- Tagen nicht vollständig gesprochen, weil, wie es in der betreffenden Vorschrift heißt: „Gottes Geschöpfe im Meere untergingen" v'a wav rrapn bp pt npyo. Trotzdem also die Egypter das Volk Israel auf das Furchtbarste geknechtet, ihre Kinder sogar umzubringen befohlen hatten, litt doch das Mitgefühl dieser soviel geschmähten Lehrer des Judenthums es nicht, daß wir uns auch nur den Schein gäben, als triumphirten wir über sie; wir sollten deßhalb in dem Ausdruck der Freude uns noch Beschränkung auferlegen und Mitleid denen gegenüber empfinden, die uns in ihrer Herzensverstocktheit verfolgt hatten. Ferner heißt es im Midrasch:anb idki m'p -Mb trauter» ippa mnp o-utk ortn o'a a'yaio -t npyo. Die Engel woll-